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26/03/2017 08:20 CEST | Aktualisiert 27/03/2018 07:12 CEST

Richtungsentscheidung im Saarland

dpa

Die Landtagswahl am Sonntag im kleinen Saarland wirft einen großen Schatten auf das entfernte Berlin. Alle Umfragen lassen nämlich nur die Schlussfolgerung zu, dass die Saarländerinnen und Saarländer die Wahl zwischen drei Richtungen haben: die Fortsetzung der großen Koalition von CDU und SPD, die erste rot-rote oder rot-rot-grüne Landesregierung im Westen oder eine schwarz-grüne Koalition.

Trotz Führung befindet sich die CDU in der unkomfortabelsten Situation. Egal, wie die Wahl für sie ausgeht, ihr Schicksal entscheidet sich an den Ergebnissen sehr viel kleinerer Parteien, da sie einen Koalitionspartner braucht.

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Hierbei kommt es zu paradoxen Situationen. Die Möglichkeit einer Wunschkoalition mit der FDP erledigt sich nämlich in dem Augenblick, in dem die FDP den Einzug in den Landtag schafft, da es dann nicht mehr für eine Mehrheit der Sitze von CDU und FDP reicht.

Die CDU kann daher nur hoffen, dass die FDP es nicht schafft, damit sie wenigstens mit den Grünen eine Alternative zur SPD hätte. Sollte die FDP den Einzug schaffen, bleibt der CDU nur eine Koalition mit der SPD als Möglichkeit ihre Macht zu erhalten. Ob die SPD dazu angesichts anderer Optionen bereit wäre, ist fraglich.

Für die Grünen wird es eng

Die Grünen müssen um den Einzug in den Landtag bangen. Sollten sie scheitern, hat die CDU sowieso keine andere Option mehr, außer der SPD die Fortsetzung der großen Koalition anzubieten. Für die Linke wäre es ein Segen, wenn die Grünen aus dem Landtag flögen, denn dann würde es sogar für eine Mehrheit von SPD und Linke reichen.

Unaufgeregt kann die SPD den Wahlabend abwarten. Bei einem Einzug der Grünen würde es für eine rot-rot-grüne Mehrheit reichen. Bei einem Scheitern der Grünen würde es für Rot-Rot reichen. Paradoxerweise bringt ausgerechnet der Einzug der AfD die SPD in diese komfortable Situation.

Die Wähler im Saarland haben in dieser Gemengelage eigentlich nur eine Möglichkeit den Wahlausgang beeinflussen zu können, nämlich über die Entscheidung, ob die Grünen in den Landtag einziehen oder nicht.

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Scheitern die Grünen, läuft alles auf eine SPD-geführte, linke Regierung hinaus. Schaffen die Grünen den Einzug und wird die CDU stärkste Partei, wonach es aussieht, können die Grünen entscheiden, ob es eine schwarz-grüne oder rot-rot-grüne Koalition gibt.

Eine klare Koalitionsaussage der Grünen wäre für die Wähler in dieser Situation hilfreich gewesen, so können die Wähler nur spekulieren, ob die Grünen als bürgerliches Korrektiv in einer rot-rot-grünen Landesregierung wirken oder aber der CDU zum Erhalt ihrer Macht im Saarland verhelfen.

Andererseits ermöglicht die fehlende Koalitionsaussage es den Grünen, nach der Wahl das Beste für sich rauszuholen. Sie hätten in dem Fall erfolgreich das Erbe der FDP als Zünglein an der Waage angetreten.

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