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02/03/2015 13:23 CET | Aktualisiert 03/05/2015 07:12 CEST

Der wissenschaftliche Umgang mit Nahtoderfahrungen grenzt an Betrug

thinkstock

Nahtodforschung - Seit der amerikanische Arzt Dr. Raymond Moody 1975 das Buch "Life after Life" (deutsch: "Leben nach dem Tod") veröffentlichte, werden die darin vorgestellten "NahtodErfahrungen" (NTEs) in der internationalen NTE-Forschung ausschließlich einseitig als Sterbeerfahrung, Halluzination bzw. Todesangsterlebnis betrachtet.

Dr. Moody stellt in seinem Buch aber auch NTEs von Personen vor, die zum Erlebniszeitpunkt völlig gesund, unverletzt und bei Bewusstsein waren (LKW-Fahrer, Kapitel: Die Rückschau). Er wies zudem darauf hin, dass man parallel zur NTE die Umgebung deutlich wahrnehmen kann (Kapitel: Das Lichtwesen).

Und - von Todesangst ist kaum die Rede: z.B. eine Frau war äußerst verärgert, als sie hörte, wie sie von ihrem Arzt per Telefon für tot erklärt wurde (Kapitel: Das Hören der Todesnachricht). Oft beginnt eine NTE, nachdem ein Mensch gehört hatte, wie er von anderen Personen für tot erklärt wurde - oder wenn er selbst meinte, sterben zu müssen.

Wer seine Umgebung wahrnehmen, hören bzw. denken kann, muss zu diesem Zeitpunkt bei Bewusstsein gewesen sein, da anders eine bewusste Wahrnehmung nicht möglich ist. Mittlerweile weiß man, dass gleichartige(!!!) NTEs sowohl von Menschen erlebt werden, die zum Erlebniszeitpunkt A) dabei nachweislich bei bester Gesundheit waren - aber auch von Menschen B), die sich dabei in Lebensgefahr fühlten oder gesundheitlich angeschlagen waren; bis "klinisch tot".

Die Forschung ignoriert Erlebnisse von Menschen, die nachweislich bei bester Gesundheit waren

ABER in der NTE-Forschung werden Erlebnisse der Gruppe A) weitgehend ignoriert - indem man sich selektiv nur NTEs der Gruppe B) zuwendet, wird so absichtlich suggeriert, es müsse sich bei NTEs um Todesangst-Erlebnisse, Sterbeerfahrungen bzw. Halluzinationen eines sterbenden Gehirns handeln.

Wenn Wissenschaftler aus einer Gesamtmenge von gleichartigen Daten (alle NTEs), ohne hinreichend nachvollziehbare Begründung, absichtlich selektiv eine Teilmenge von Daten (NTEs von A) ) bei ihren Forschungen gezielt ignorieren - um dann mit der Restmenge von Daten (NTEs von B) ) eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben, dann gilt dies als Datenmanipulation. Diese ist das schlimmste Betrugsverhalten in der seriösen Wissenschaft.

Diese selektive Auswahl von Daten ist seit 1975 üblich - und die NTE-Forschung handelt international in gleicher Weise. Daher dürfte diese Vorgehensweise einer der schlimmsten und längsten Fälle von wissenschaftlichem Fehlverhalten sein. 1975 bis 2015 - das sind immerhin 40 Jahre!

Weil viele NTEs gleichartig sind - die Struktur wurde schon 1975 von Dr. Moody

beschrieben - ist davon auszugehen, dass alle Menschen (Gruppe A) und B) ) zum

Erlebniszeitpunkt gleichermaßen bei Bewusstsein waren. Aber ausgerechnet diese naheliegende Überlegung spielt in der NTE-Forschung keine Rolle!

Sterbeerfahrung, Nahtod und Todesnähe - sinnlose Begriffe in der Forschung

In der NTE-Forschung/-Literatur werden eine Reihe von sinnlosen Begriffen verwendet: Sterbeerfahrung - Wer eine Sterbeerfahrung hatte, MUSS danach eine Leiche sein. Nahtod/Todesnähe - so etwas gibt es nicht; da der Tod kein Objekt ist, das hinterhältig im Gebüsch lauert.

Schon Epikur schrieb: „Das schauerlichste Übel also, der Tod, geht uns nichts an; denn solange wir existieren, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr." Überstandene Lebensgefahr oder schwere Krankheit bedeuten keine Todesnähe, da der Tod offensichtlich nicht eingetreten ist..

"tot" und "klinisch tot"

Außerdem wird zwischen den Begriffen "klinisch tot" und "tot" absichtlich nicht eindeutig unterschieden, denn so kann man geschickt suggerieren, dass der Tod überlebt werden könnte: "tot" bedeutet den biologischen Tod, dieser ist nicht reversibel. "klinisch tot" bedeutet, dass wichtige Körperfunktionen ausgefallen sind; schafft man es nicht, diese zu reaktivieren oder zu ersetzen, dann kann der biologische Tod eintreten.

Wer klinisch tot ist, ist nach der Bedeutung dieses Begriffes eindeutig noch lebendig. Dr. Moody schreibt über sein Buch ganz klar, dass dieses keine wissenschaftliche Arbeit ist (Kapitel 6: Eindrücke). Wenn ein Wissenschaftler aber auf Basis dieses selbsterklärt nichtwissenschaftlichen Buches forscht und veröffentlicht, dann kann bzw. muss man erwarten können, dass diese Forschungen und dabei verwendete Begriffe eine eigenständige, nachvollziehbare wissenschaftliche Basis haben sollten.

Liebe Leser! Der oben dargestellte Betrugsvorwurf ist schwerwiegend - deshalb möchte ich Sie bitten, diese Behauptungen per Googlesuche bzw. Literatur-Recherche nachzuprüfen. Ach ja - und wenn Sie bei Wikipedia nachlesen, dass NTE-Erlebnisse am "Rande des Todes" sind, dann fangen Sie nicht an zu lachen. Machen Sie sich lieber ernsthafte Gedanken dazu: rund, eckig, hoch, niedrig, eng, weiter Rand, wie weit vom Rand weg?

Es wird Zeit, dass die NTEs von Wissenschaftlern endlich einmal als bewusste Erlebnisse lebender Menschen betrachtet und erforscht werden. Das 40- jährige Jubiläum von

wissenschaftlichem Fehlverhalten sollte den Anlass für einen Neustart mit seriöser

Forschungsarbeit anregen.


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