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11/12/2016 06:02 CET | Aktualisiert 12/12/2017 06:12 CET

Hat Trump Österreich die Augen geöffnet?

Martin Cvetković via Getty Images

Ist es Zufall oder nicht, dass das Wahlergebnis deutlicher gegen den rechtspopulistischen Kandidaten Norbert Hofer (FPÖ) als beim letzten Wahlgang im Mai ausgefallen ist?

Nichtwähler und Protestwähler haben den Glauben verloren, dass sie selbst die Politik beeinflussen können. Die Politikverdrossenheit führt dazu, dass das Wahlrecht nicht ausgeübt wird oder die Stimme einer "nicht-etablierten" Partei gegeben wird, um dem Establishment einen Denkzettel zu verpassen.

Erklären lässt sich das mit dem psychologischen Konzept der Selbstwirksamkeit (perceived self-efficacy). Dieses wurde von Albert Bandura entwickelt und beschreibt die Erwartung einer Person, durch eigenes Handeln das gewünschte Ergebnis erreichen zu können. Bei der Politikverdrossenheit nimmt die Person also eine niedrige Selbstwirksamkeit wahr und reagiert mit Protest- oder Nichtwahl.

Bei dem Referendum zum Brexit, nochmals deutlicher bei der Trump-Wahl, haben die Menschen erlebt, dass der Gang zur Urne eine Veränderung herbeiführen kann. Die österreichischen Wählerinnen und Wähler haben wahrgenommen, dass die britischen und amerikanischen Wähler doch Einfluss auf die Politik haben können. Als eine Quelle für die Einschätzung der Selbstwirksamkeit nennt Bandura die "stellvertretende Erfahrung" (Vicarious Experience). Schaffen Personen das gewünschte Ziel zu erreichen, erhöht das den Glauben an die eigene Selbstwirksamkeit. Je größer die Ähnlichkeit mit dieser Personengruppe ist, desto stärker die Beeinflussung.

Sowohl USA als auch Großbritannien sind westliche Demokratien wie Österreich. Daher kann man annehmen, dass diese Ergebnisse die wachgerüttelt haben, die vom Ausgang der beiden Wahlen schockiert waren. Demokratische Protestwähler und Nichtwähler haben die eigene politische Selbstwirksamkeit neu bewertet und ihre Konsequenzen gezogen: Eine höhere Wahlbeteiligung mit 74,2 % und ein deutlicher Stimmenzuwachs für Alexander van der Bellen (Endergebnis: 53,8 %). Allerdings haben trotzdem oder genau deshalb 46,2 % für Norbert Hofer gestimmt.

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