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20/04/2016 10:37 CEST | Aktualisiert 21/04/2017 07:12 CEST

Regrettingfatherhood: Ich nehme meinen Mann ernst, darum hab ich ihn verlassen

Milan Marjanovic via Getty Images

Jetzt geht's los, der erste Artikel zu #regrettingfatherhood ist erschienen. Erst hab ich gedacht, ich muss weg, ich kann das nicht lesen. Hab's dann doch gelesen und mein Verdacht wurde bestätigt: Die doofen Kinder halten einen vom echten, wahren, rauschenden Leben ab.

Fitnessstudio, Cocktailpartys und arbeiten bis zum get-no: Geht alles nicht mehr mit Kindern. Das ist ja entsetzlich! "Ich will mein altes Leben zurück", wird da rumgeheult. Dieselben Typen, die in der Firma jede Verantwortung gerne sofort übernehmen, sind nicht in der Lage, Verantwortung für ihre Kinder zu übernehmen. Wickeln nur, wenn die Wickeltasche mindestens vom Hipster-Label ist. Zum coolen Open-Air-Konzert werden die Kinder gerne mitgenommen, aber wegen Magen-Darm-Geschiss zu Hause bleiben? Um Himmels Willen, das geht gar nicht.

Auch mein Exmann hatte so ein schweres Los gezogen: Den ganzen Tag verantwortungvollste Projekte leiten, wenn er dann mal nach Hause kam, stürmten gleich die Kinder auf ihn zu, und wenn die endlich im Bett waren, saß da ne Frau auf dem Sofa: Der hatte überhaupt kein Privatleben mehr!

Selbst der A8 musste gegen einen Berlingo eingetauscht werden, weil da der Kinderwagen samt Großeinkauf reinpasste: Höchststrafe!

Urlaub auf dem Bauernhof, Leben in familiengerechter Umgebung/Wohnung, Kinderstühlchen am edlen Wohnzimmertisch: Das ist alles nicht so einfach, da muss auf verdammt viel verzichtet werden.

Ich habe mehr als einmal versucht, zu erklären, dass die Kinder aller Voraussicht nach nur wenige Jahre Kleinkinder sind, dann folgt oft die Grundschulphase und dann sind es auch schon Teenager. Also: über wie viele Jahre des kargen Verzichtes reden wir hier?

Und dass die Kinder uns ein ganz anderes, tolles Leben eröffnen, die großartige Phase des Familienlebens. In der wir unsere Kinder dabei begleiten dürfen, zu wachsen, zu lernen und die Welt zu entdecken. Das ist so unglaublich schön und wertvoll, Mann!

Nein, die Arbeit und der Wert der Arbeit standen stets höher als familiäre und häusliche Tätigkeiten. "Ich habe heute zwei Stunden Schnee geschippt, weißt Du was uns das gekostet hat bei meinem Stundensatz?" Ja, und ich hab heute unser Baby gestillt, insgesamt deutlich mehr als zwei Stunden, Du Witzbold. So ist das eben, wenn man Familie hat. Für beide. Ganz anders als ein wildes Single-Leben, welch Erkenntnis!

Gutgemeinte Ratschläge lauteten gerne: Du musst nur dies oder jenes tun, um ihn dazu zu kriegen, sich mehr an der Familie zu beteiligen. Aber mein Mann ist doch kein Idiot, ich bin weder seine Mutter noch seine Theraputin. Ich muss ihn nicht listig manipulieren, damit er zum Familienmensch mutiert. Entweder, er entscheidet sich aus freien Stücken dazu, die Prioritäten anders zu setzen, oder eben nicht. Das ist seine Entscheidung. Er ist auch nicht Opfer der Gesellschaft oder seines Jobs, er hat es selber in der Hand, offensiv andere Schwerpunkte in seinem Leben zu setzen.

Ich habe mehrfach ernst und gründlich darauf hingewiesen, dass unsere Ehe und unsere Familie kaputt gehen, wenn er so weitermacht.

Er hat es nicht ernst genommen. Aber ich habe ihn ernst genommen, habe dies als seine bewusste Entscheidung akzeptiert und bin gegangen.

Er war völlig erschüttert. Warum ich nicht eskaliert hätte? Warum ich nicht erst mal mit Trennung gedroht hätte, warum ich denn gleich gehen muss. Ich drohe halt nicht. Ich sage, was scheiße läuft, ich versuche es zu ändern, und wenn es sich nicht ändern lässt, ziehe ich Konsequenzen (keine Panik, es war ein Prozess über Jahre und ja, wir waren auch bei einer Eheberatung, wir (ähem: ich) haben echt einiges versucht!).

Zurück zu regrettingfatherhood: In den Monaten nach der Trennung war er wie ausgewechselt. Er hatte Zeit, weil er sich Zeit genommen hat. Er war für die Kinder da, er war für mich da (aber es war zu spät). Er hatte jedes (!) Wochenende die Kinder, er war aufmerksam und präsent, er hat Termine und Projekte verschoben. Guck an: Es geht, wenn er will!

Er wollte die Familie zurück haben, und auf einmal war er nicht mehr Opfer seines Jobs. Er hatte es in der Hand, und mir wurde klar: er hatte es die ganze Zeit in der Hand! Auch die sechs Jahre davor hatte er es in der Hand. Es war seine Entscheidung, seine ganz eigene persönliche Entscheidung, wie er sich zur Familie und zum Job verhalten hat.

Es ist nicht die Firma und nicht die Gesellschaft, die die Männer zwingt, sich von der Familie abzuwenden und andere Prioritäten zu setzen. Warum in diesen Köpfen der Schwenk auf "ich hab jetzt Familie, das ist toll, ich freu mich und das machen wir jetzt zusammen" nicht gelingt, weiß ich nicht, aber sie sind definitiv nicht Opfer!

Ich habe mich immer geweigert, meinen Mann wahlweise als Opfer der Verhältnisse oder als zu manipulierenden Idioten zu betrachten. Ich habe ihn ernst genommen, und deshalb habe ich ihn verlassen.

Die Autorin betreibt den Blog Mutterseelensonnig.

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Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

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Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V.“möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen.”Details findet ihr hier.

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