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30/10/2015 08:44 CET | Aktualisiert 30/10/2016 06:12 CET

Sigmar Gabriel - der ungewollte Kanzlerkandidat

JOHN MACDOUGALL via Getty Images

"Natürlich will ich Bundeskanzler werden"

So, nun hat er es im stern verlautbaren lassen! Sigmar Gabriel, ungeliebter Vorsitzender der Sozialdemokraten Deutschlands, möchte selbstverständlich Kanzlerkandidat werden. Damit hat er seinen Machtanspruch offengelegt. Dann kam die Einschränkung: Wenn es denn gewünscht sei! Genau dort liegt sein Problem. Es ist kaum zu erwarten, dass Herr Gabriel das Vertrauen der Basis (zurück-) gewinnen kann, zu viel ist passiert.

Es gibt wohl kaum einen Parteivorsitzenden der SPD, der sich so weit von der Basis entfernt hat, wie Herr Gabriel, außer vielleicht Gerhard Schröder. Alleingänge, Zickzackkurse und verfehlte Personalpolitik sprechen klare Worte seiner Ungeeignetheit.

Das, was Gerhard Schröder erst im Laufe seiner Kanzlerschaft und vor allem danach geschafft hat, nämlich sich von der Basis zu entfernen, das hat Herr Gabriel bereits jetzt geschafft. Zuerst trifft er sich mit PEGIDA, dann seine Aussage, er hätte von Schäubles Plänen hinsichtlich eines „zwischenzeitlichen Grexits" gewusst, bis hin zur verfassungswidrigen Vorratsdatenspeicherung. Das ist kein Sozialdemokrat.

brüskiert und verraten

Die eigene Basis wirft ihm vor, er habe die SPD-Ideale „verraten". Die Parteilinken brüskiert er mit seiner Wirtschaftspolitik. Obwohl die SPD-Basis sich in sehr großem Maße gegen die Vorratsdatenspeicherung ausgesprochen hat, hat er sie durchgeprügelt, mit seinem Rücktritt gedroht. Er hat sogar seinen eigenen Justizminister Heiko Maas gedemütigt. Vom erklärten Gegner der Vorratsdatenspeicherung wurde er zum Befürworter „korrigiert".

Heiko Maas ist seitdem nicht mehr tragbar, müsste eigentlich zurücktreten. Aber da keine Alternative für ihn in Sicht ist, wird er weiterhin Justizminister bleiben und das Volk drangsalieren. Herr Gabriel spricht sich für TTIP aus. In einer Forsa-Umfrage aus Juli 2015 waren aber 70 % der SPD-Basis dagegen.

Dieser Umfrage ist auch zu entnehmen, dass nur 35 % der SPD-Mitglieder „ihren" Sigmar als geeigneten Kanzlerkandidaten sehen würden. Vielleicht hätte Herr Gabriel sich diese Umfragewerte noch mal vor Augen führen sollen, bevor er verkündete, er wolle Kandidat werden.

Keine Alternative

Es gibt aber Hoffnung für ihn! Derzeit fehlt die Alternative für einen Kanzlerkandidaten. Das könnte dazu führen, dass ihn die SPD-Basis dennoch zum Kanzlerkandidaten küren muss, wohlgemerkt zum ungeliebten. Für den Fall, dass er Kanzlerkandidat werden würde, hat er jedoch noch ein viel größeres Problem und das hat zwei Namen: Angela Merkel und CDU!

Gabriel schafft es nicht, die SPD aus dem Umfragetief herauszuholen. Somit wird er an „Mutti" Merkel und der CDU nicht vorbeikommen, auch wenn er es sich so wünscht. Sollte er dann, wie zu erwarten ist, die Wahl verlieren, so hat er doch immerhin einen Wunsch erfüllt bekommen: Er war Kanzlerkandidat der SPD, wenn auch ein nicht von der Basis wirklich gewollter Kandidat.

Aber was juckt es den Siggi, was seine Basis von ihm denkt? Ein Kandidat ist ein Kandidat!

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