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19/03/2016 03:44 CET | Aktualisiert 20/03/2017 06:12 CET

Guido Westerwelle: Mit dem Tod kommen Respekt und Anerkennung

JOHN THYS via Getty Images

Endlich Respekt und Anekennung

Guido Westerwelle ist tot. Am 18. März 2016 verstarb der ehemalige FDP-Chef und Außenmister Dr. Guido Westerwelle. Für einen Augenblick verstummten politische Lager und die auf Schlagzeilen heischende Presse. Für einen Augenblick bekommt Guido Westerwelle endlich den Respekt und die Anerkennung, die er schon zu Lebzeiten verdient hätte.

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Begnadeter Rhetoriker


Guido Westerwelle polarisierte. Ein bisschen schrill, ein bisschen laut. Er war anders als die anderen Politiker. Mit Guido Westerwelle kam Farbe in die Politik, die Zeit der alten grauen Männer war vorbei. Er war ein Mann der Extreme. Selbst seine Gegner mussten anerkennen, dass er ein grandios begnadeter Rhetoriker und an Schlagfertigkeit kaum zu übertreffen war. Für den Erfolg seiner Partei tat er alles. Big Brother oder die 18 unter seinen Schuhen sind nur ein Beispiel für seine polarisierenden Aktionen. Dafür wurde er viel gescholten. Aber vielleicht auch, weil er damit Erfolg hatte.

Kanzlerkandidat der FDP? Was mögen da manche über ihn gedacht haben. Spinner, Querkopf oder einfach nur verrückt. Mit dieser Aktion hat er aber das zum Ausdruck gebracht, was sein Leben war. Die Freiheit! Er hat sich die Freiheit genommen, den Anspruch zu erheben, dass auch die FDP einen Kanzlerkandidaten haben darf. Warum auch nicht? Wo steht geschrieben, dass nur die CDU und die SPD einen Kanzlerkandidaten haben dürfen.

Ein Mensch, der offen und nahbar war mit herzerwärmenden Lachen


Er hat sich trotz aller Widerstände zum Trotz für seine FDP eingesetzt. Er konnte austeilen, aber immer mit dem nötigen Respekt für sein Gegenüber. Er war tolerant. Diesen Respekt und diese Toleranz wurden ihm zu Lebzeiten oft nicht zuteil. Welcher Politiker wurde medial so angegriffen wie er? Ob die Presse oder Social Medias, er bekam ihre Macht zu spüren. Er konnte sagen was er wollte, es war falsch.

Was wenige dabei nicht gesehen haben ist, dass er trotz dieser Angriffe seine Würde und Fassung behielt, nicht ausfallend wurde und weiterhin zu seinen Idealen stand. Wer ihn persönlich kennen lernen durfte, durfte einen Menschen erleben, der nicht distanziert war, sondern offen, sympathisch, nahbar mit einem herzerwärmenden Lachen.

Guido Westerwelle führte seine FDP zum historischen Sieg 2009. Er wurde Außenminister, wie sein großes Vorbild Hans-Dietrich Genscher. Im Ausland war er vielerorts anerkannt und respektiert im Inland oft gescholten.

Hat das Ausland ein Talent, einen begnadeten Politiker in ihm gesehen, den das Inland verkannt hat oder vielleicht nicht sehen wollte, weil er einfach anders war? Jetzt, mit seinem Tot, sind die Medien voller Berichte, welch großer Demokrat mit ihm gegangen sei, welche besonderer Mensch er gewesen sei. Warum erst mit dem Tod?

Vielleicht erlebt er hier auch mal einen positiven Sog der Medien. Die Medien können wie ein Sog sein. Sie können auf jemanden einprasseln und erdrücken. Sie können einen Menschen aber auch in die Höhe tragen und Respekt und Anerkennung entgegenbringen. Lobend oder Tadelnd kann dieser Sog sein, davon abhängig, was der Auslöser ist und wie dieser medial am Anfang wahrgenommen wird.

Guido Westerwelle hat in seinem Leben vieles erreicht, mehr als viele andere der aktiven Politiker je erreichen werden. Wohl wenige Politiker hätten trotz der häufigen medialen Prügel diesen Aufstieg geschafft. Er erlebte Höhen und Tiefen. Er war ein großer Politker, feierte nicht nur die Erfolge sondern übernahm bei Niederlagen die Verantwortung. Guido Westerwelle hat in seinem politischen Leben alles erlebt. So oder so, er hinterlässt ein einmaliges politisches Erbe.

Krankheit kennt keinen Promistatus


Die größte Niederlage hat aber leider der Mensch Guido Westerwelle erlitten. Er hat den Kampf gegen den Krebs verloren. Im November brachte er es auf den Punkt: „Der Krebs macht keinen Unterschied davor, ob man Politiker ist oder nicht".

Nach seiner Diagnose, die er Anfang 2014 erhielt, kämpfte er gegen den Krebs, immer an seiner Seite sein Ehemann Michael Mronz. Sie gingen offen mit der Krankheit um. Letztes Jahr sah es danach aus, dass er es schaffen könnte. Im Herbst 2015 trat er zweimal im Fernsehen auf. Diese beiden Auftritte waren vielleicht seine größten.

Spätestens jetzt merkten auch seine ärgsten Kritiker: Dort sitzt nicht nur ein Ausnahmepolitiker, sondern vor allem ein Mensch, der über seine Krankheit und Ängste spricht. Krankheit und Angst kennen keinen Promistatus. Bei Krankheit und Angst sind alle gleich.

Deutschland verliert vor allem einen besonderen Menschen


Mit dem Tod von Dr. Guido Westerwelle hat Deutschland nicht nur einen Ausnahmepolitiker und begnadeten Rhetoriker verloren, sondern vor allem einen besonderen Menschen.

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