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20/02/2016 12:06 CET | Aktualisiert 23/02/2017 06:12 CET

Die unterschätzten Killer - wie Drohnen Armen helfen, Leben retten - und unser Leben revolutionieren werden

Brendon Thorne via Getty Images

Drohnen unterscheiden sich von Bodenfahrzeugen in einem Punkt, der trivial erscheint, aber die wesentliche Ursache der Euphorie ist: Sie fliegen ferngesteuert durch die Luft, können potentiell jeden Punkt der Erde erreichen und sind nur schwer aufzuhalten.

Hobbyfliegern bereiten Drohnen viel Spaß, Militärs töten damit mehr oder weniger zielgenau Menschen und NGOs nutzen sie, um Leben zu retten. Auch im sozialen Bereich geht der Trend zur Drohne, sei es, um Hilfseinsätze zu koordinieren oder Menschen in Krisengebieten zu versorgen.

Die Platform BetterPlace hat in Kooperation mit trendradar.org 10 Fälle herausgesucht, in denen engagierte Menschen Drohnen für eine gute Sache einsetzen.

Die Aquila Drone: Internet für jeden

Um Marc Zuckerbergs ehrgeizige Mission - so vielen Menschen wie möglich Zugang zum Internet verschaffen - umzusetzen hat Facebook 2014 den Drohnenhersteller Ascenta gekauft und damit ein hauseigenes Drohnenteam zusammengestellt.

Ziel soll es sein, eine Drohne herzustellen, die mehrere Monate in der Luft schweben kann. Die Drohne Aquila sei so groß wie eine Boeing 737, aber lediglich so schwer wie ein Kleinfahrzeug.

Solarzellen ermöglichen ihr es, so lang wie möglich in der Luft zu bleiben. Marktreif ist Aquila trotz erster Testflüge allerdings noch nicht. Facebook arbeitet hier eng mit anderen Firmen wie Samsung und Microsoft zusammen und steht damit in direkter Konkurrenz zu Google, das mit Heißluftballons "loon" ähnliche Ziele verfolgt.

Eine Milliarde Bäume pflanzen? Bio Carbon Engineering macht's möglich!

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Die Drohnen werden zunächst potentiell geeignete Gebiete abfliegen und dabei 3D-Karten erstellen. Über den besten Gebieten werfen sie dann kleine Behälter mit befruchteten Samen sowie Nährstoff- und Feuchtigkeitsgel ab.

An einem Tag sollen so 36.000 Bäume gepflanzt werden können und das kostengünstiger als beispielsweise vom Boden aus per Hand.

In Kürze wird das Team von Bio Carbon Engineering seine Drohnen für die Wiederaufforstung einer Plantage in Südafrika einsetzen. Die Resonanz ist groß - weitere Einsätze sind geplant.

Uaviators - bessere Kommunikation in Kriesenzeiten

Die Organisation und Plattform UAViators (UAV= unmanned aerial vehicle) möchten Einsätze in Krisengebieten in Zukunft besser abstimmen. Anhand von Bildern konnten sie den Zerstörungsgrad der einzelnen Regionen besser einschätzen.

Nach der Katastrophe auf den Philippinen wurde allerdings deutlich, dass es zu viele Akteure (Hilfsorganisationen, Staat, Drohnenhersteller) gibt, die sich nicht absprechen: So sammeln Drohnenhersteller zwar Unmengen an Bildmaterial - können damit aber nicht viel anfangen.

Ziel der Uaviators ist es, im Fall einer Katastrophe die Daten zu bündeln und den Rettungskräften zur Verfügung zu stellen. Damit können auch Organisationen das Material nutzen, die sich den Einsatz von Drohnen nicht leisten können.

UAViators hat Zugriff auf 300 Drohnenpiloten und kann durch Partnerschaften weitere 600 in 60 Ländern erreichen, um in Notsituationen Hilfe zu leisten.

Women on Waves

Abtreibungspillen aus der Luft - die Aktion hat ihr Ziel erreicht: eine breite Öffentlichkeit. Die Aktivistinnen der niederländischen Non-Profit-Organisation "Women on Waves" steuerten die Drohne von Frankfurt an der Oder aus in das polnische Slubice. Sie möchten mit der Aktion auf das Abtreibungsverbot in Polen aufmerksam machen.

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Auch wenn die zwei Packungen der Abtreibungspillen, die bei dem PR-Stunt ihren Weg über die deutsch-polnische Grenzen gefunden haben, das Problem nicht lösen werden, zeigt das mediale Interesse allemal, dass es hier Diskussionsbedarf gibt.

Währenddessen ermittelt in Deutschland die Polizei wegen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz.

Über jeden Stau erhaben: Drone Life

Studenten aus Spanien tüfteln an einer Drohne, die Transplantate schnell und sicher transportiert. Gemeinsam arbeitet die Gruppe von Ingenieuren momentan an einem Projekt zur schnellen Beförderung von menschlichen Transplantationsorganen.

Dazu haben sie einen speziell gekühlten Quadrocopter umgerüstet um zeitkritische Transplantat-Transporte wie z.B. Herzen oder Nieren sicher an ihren Bestimmungsort fliegen zu können.

Unter größtem Zeitdruck und unter schwierigsten Umständen soll es so möglich werden, Leben zu retten die bisher keine Chance auf den rechtzeitigen Erhalt eines Transplantats hatten.

Matternet verbindet

Eine Milliarde Menschen weltweit haben keinen Anschluss an ein funktionierendes Straßensystem. Vor allem die medizinische Versorgung stellt für sie ein großes Problem dar.

Während andere noch testen, fliegt dieses Start-Up bereits Medikamente per Drohne in die entlegensten Winkel der Welt.

Die Firma Matternet hat sich dazu eine Lösung einfallen lassen: Sie hat ein Netzwerk aus trichterförmigen Landestationen für Drohnen entwickelt, die über Distanzen von zehn Kilometern fliegen und eine Ladung Medikamente transportieren können.

Zu neuen Ufern mit Drone Adventures

Adam Klaptocz möchte der Welt zeigen, dass Drohnen wertvolle Helfer für die gute Sache sein können. „We see drones as a powerful and exciting tool that can be used to make the world a better place", schreibt er auf seiner Website.

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Drone Adventures will besonders beim Naturschutz, bei humanitärer Hilfe, im Bereich des kulturellen Erbes sowie bei Such- bzw. Rettungsaktionen nach Katastrophen helfen.

Das Unternehmen arbeitet eng mit anderen Organisationen, Aktivisten, Unternehmen und Privatpersonen zusammen.

In Fukushima haben sie mithilfe ihrer Drohnen das nuklear verseuchte Gebiet rund um die Reaktoren untersucht, um Wiederaufbauversuche zu unterstützen.

Keine halben Sachen: WeRobotics

WeRobotics will die Vierte Industrielle Revolution demokratisieren - damit Roboter möglichst viel Gutes tun. Das Potential von Robotern soll in Zukunft maximal zum Wohle der Menschheit genutzt werden.

Daher haben sich die Pioniere von Drone Adventures und UAViators zusammengetan und mit dem weltweit anerkannten Experten Patrick Meier WeRobotics gegründet.

Drohnen können beitragen die Welt zu verbessern

Mit Flying Labs fliegt das Team zu Projekten, die besonders stark von Robotern profitieren könnten und bringt den Menschen neben der Hardware auch das nötige Wissen und soziale Geschäftsmodelle. Luft- und Tauchdrohnen sollen Medikamente auf abgelegene Inseln des Cuyo Archipels (Philippinen) bringen.

Unterm Strich geht es WeRobotics darum, ein weltweites Netzwerk von Labs zu knüpfen, in denen Menschen Robotik nutzen, um menschliches Leid zu verringern und die Umwelt zu schützen.

Demonstrieren mit dem Occucopter

Diese Drohne hat die Wallstreet-Proteste 2011 aufgemischt. Weil eigene Kamera-Aufnahmen per Smartphone o.ä. untersagt waren und sogar Journalisten der Weg zu bestimmten Zonen versperrt war, kaufte sich der Amerikaner Tim Pool eine Drohne vom Typ Parrot AR und ließ sie über die Köpfe der Protestler und Polizei hinwegfliegen. Den leichtgewichtigen Quadrocopter mit dem Namen „Occucopter" lenkte er mit seinem Handy.

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Pool hat die Software der Drohnen so verändert, dass sie Live-Videos bei youtube ausstrahlen konnte. So konnte er Geschehnisse dokumentieren, die aufgrund der polizeilichen Restriktionen bisher in den Medien nicht gezeigt werden konnten.

Auf der Innovationsplattform trendradar.org zeigen über 700 Beispiele aus aller Welt, wie digitale Innovationen Menschen helfen, soziale Probleme zu lösen.


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