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01/11/2015 04:50 CET | Aktualisiert 01/11/2016 06:12 CET

Verliebt in den Freund der Freundin in der Hippiezeit

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Fortsetzung zu: Ferienjob in der Hippiezeit

Ich habe mir von meinem schwer erschuftetem Geld Klamotten gekauft! Jeans, Pullis und einen Minirock! Ach ist das ein tolles Gefühl. Alles mit selbst verdientem Geld bezahlt. Ein wunderschönes Gefühl! Peter arbeitet auch irgendwo. Er hat sich die LP In-A-Gadda-Da-Vida von Iron Butterfly gekauft. Die Platte ist superspitzenmäßig.

Arbeiten ist ja so toll! Alle machen irgendwie scheißige Sachen. Der Chef, die Frauen, Margit, Doris und ich. Heute bin ich ausgerutscht und in die Pinne (spitze Plastikstäbe) geknallt. Jetzt habe ich drei dicke Kratzer am Kinn. Die Sekretärin fragte mich: „Hatten Sie einen Nahkampf?" Alle lachten, ich auch.

Alle sind fröhlich, stöhnen über die Hitze und die Arbeit. Gestern hatte eine Tante Geburtstag, sie hat allen Eis ausgegeben. Dankeschön. Das tat vielleicht gut. Es ist irre warm. Scheiße, dass ich so wenig Zeit zum Schwimmen habe. Ich kriege bestimmt noch einen Hitzschlag! Dann kam auch noch der Chef, musterte mich und sagte: „Haben Sie zu Hause eine Katze?" Als ich verneinte, meinte er: „Ah, verstehe, Sie haben einen Kater."

Babsy ist wieder da! Sie kam gestern Abend hier angeschossen. Sie ist ganz toll braun. Sie hat ihren Mick betrogen. Sie hat mir alles ausführlich erzählt. Sie hat Franzl kennengelernt und einen herrlichen Urlaub verbracht. Da soll man nicht neidisch werden.

Als ich fragte, was denn jetzt mit Mick wäre, sagte sie ganz erstaunt: „Wieso? Ich war doch drei Wochen weg. Er kann doch nicht erwarten, dass ich so lange ohne Mann bleibe. Ich möchte auch nicht wissen, was er alles in dieser Zeit getrieben hat." Ich war sehr geschockt. Aber wenn Babsy meint, dass es okay sei, dann ist es eben okay. Ist ja schließlich ihre Sache.

Sie fuhr dann auch schon fort: „Natürlich werde ich weiter mit Mick gehen, er liebt mich doch." „Und du?", fragte ich. „Was, ich?" „Liebst du ihn auch?" „Mick?" Sie lachte. „Aber nein, wie kommst du denn darauf? Du weißt doch, dass ich Ewald nicht vergessen kann, dass ich nur ihn liebe."

Das verstand ich allerdings nicht. Ich fragte natürlich, wie sie denn zu Mick steht. „Och, den hab' ich wohl ziemlich gern und ich werde wohl auch demnächst mal mit ihm schlafen." „Was?", fragte ich ganz entgeistert, „Du willst mit Mick schlafen, obwohl du Ewald liebst?" „Aber, ja. Er will's doch gern. Und einmal werd' ich es sowieso tun. Außerdem reizt es mich, die Sache auszuprobieren."

Sie nahm eine Zigarette: „Hast du eigentlich nichts zu saufen?" Ich gab ihr Feuer und steckte mir auch eine an. „Tja, weißt du, der Franzl, der wollte auch mit mir schlafen, aber das ging ja nicht, weil ich Mick gesagt habe, dass ich noch Jungfrau bin." „Du meinst, er merkt dann, dass du fremd gegangen bist? Aber willst du ihm das denn nicht beichten?" „Spinnst du?" „Es ist doch besser, er erfährt es von dir selbst als von jemand anders." „Von wem denn? Du bist doch die Einzige, die es weiß. Und du wirst doch nichts erzählen."

„Natürlich nicht. Ich hol' mal eben was zu trinken." Ich ging in die Küche und bereitete Cola mit Zitrone und Eis zu. Dabei musste ich unentwegt an Babsy denken. Ich finde es sehr schlimm, wie sie mit Jungen umgeht. Aber wenn ich ihr das direkt sage, dann ist sie vielleicht sauer. Und ich will Babsy doch nicht verlieren, sie hat schließlich auch ihre guten Eigenschaften. Dann haben wir noch über allen möglichen Kram gelabert und schließlich habe ich ihr gesagt, dass ich Mick gern mal kennenlernen möchte.

„Okay, komm' morgen um sieben in die Eisdiele, ich bin da mit ihm verabredet." Und sie sagte noch: „Bin ja mal gespannt, wie du ihn findest. Du kannst ihn ja dann eingehend bewundern , aber ich muss jetzt gehen, Mick wollte noch anrufen."

Dieser Mick scheint Babsy wirklich zu lieben. Er arbeitet in einem großen Betrieb ungefähr 70 km von hier und ist meistens nur am Wochenende zu Hause. Oft kommt er auf seiner Honda her, nur um Babs vielleicht eine halbe Stunde zu sehen. Ich bin wirklich sehr neugierig auf diesen Typ. Babs schwärmt ja besonders vom Bockfahren. Na, das kenne ich ja auch. Sie sagt: „Darauf fahren ist besser als Geburtstag feiern."

NEIN!!! NEIN!!! Ich wollte ihn ja so gerne kennenlernen, ach hätte ich ihn doch nie gesehen! Ich habe mich in Babsys Freund verliebt! Nein!

Als ich in die Eisdiele kam, waren Babs und Mick schon da. Ich sagte: „Hallöchen." Und er und Babs: „Hallo, Assi!" Er lachte mich freundlich an. Mir wurde heiß und kalt. Ich konnte mich kaum setzen. Ich dachte: "That's he. Mit dem möchtest du gehen." „Möchtest du eine Zigarette?", fragte mich Mick. Ich nahm eine. Ich war richtig weg.

Wir haben uns dann ganz normal unterhalten, sozusagen übers Wetter und ich war froh, als Babs sagte, sie hätte Hunger und wollte essen gehen. Da bin ich dann ganz schnell nach Hause gefahren (auf Peters Rad natürlich). Ich bin total fertig. Ich kann nicht denken. Ich weiß ganz genau, dass ich ihn liebe! Liebe, wie ich nicht einmal Manfred geliebt habe.

Wenn Mick mich nur einmal, nur ein einziges Mal küssen würde. Ich wäre ja so glücklich. Da fällt mir ein, das hat Heidi mal gesagt und ich habe sie unheimlich ausgelacht. Heute verstehe ich dich, Heidi. Ich bin sehr traurig. Warum muss ich mich ausgerechnet in den Freund meiner Freundin verlieben?

Ich möchte so gerne mit Mick gehen. So wahnsinnig gern. Aber das geht doch nicht. Angenommen mit Babsy ist mal Schluss und er geht dann mit mir, das könnte Babsy bestimmt nicht haben. Sie würde alles kaputtmachen, auch wenn sie meine Freundin ist, gerade deshalb. Es geht nicht und ich liebe ihn so und ich kann mit niemandem darüber sprechen. Ich muss ihn vergessen.

Nächste Woche fängt die Schule wieder an. Ich werde saufleißig sein, ich werde nur noch pauken, lernen, pauken. Vielleicht vergesse ich ihn ja dann. Aber ich kann nicht, ich habe ihn so gern. Aber träumen, träumen kann ich von ihm. Diese Träume sind sehr schön. Aber traurig. Ich könnte heulen.

(Fortsetzung folgt)Teenager in der Hippiezeit - Folge verpasst?

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