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28/06/2015 07:07 CEST | Aktualisiert 28/06/2016 07:12 CEST

Oma lernt googeln

Oma ist nicht mehr die Jüngste. Ihre Beine machen Kummer, aber ihr Kopf ist noch ganz helle. Wie sie mit der Hilfe ihrer Enkelkinder den Weg ins Internet geschafft hat, ist eine lange Geschichte.

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Oma lernt googeln

Oma ist nicht mehr die Jüngste. Ihre Beine machen Kummer, aber ihr Kopf ist noch ganz helle. Wie sie mit der Hilfe ihrer Enkelkinder den Weg ins Internet geschafft hat, ist eine lange Geschichte.

David, ihr Lieblingsenkel, bringt jetzt immer seinen E-Book-Reader mit, wenn er Oma hüten muss. Meistens liest er, während sie surft. Da Oma sich englische Begriffe nicht merken kann, erfindet sie eigene Namen, wenn sie einmal verstanden hat, worum es geht. Den Firefox nennt sie Feuerfuchs, den Windows Explorer Fenstergucker und Mails Briefe.

Darum hat David die Symbole auf dem Desktop mit ihren Bezeichnungen beschriftet. So kommt Oma schon fast allein zurecht. Vor einigen Tagen hat David ihr Google Deutschland als Startseite eingerichtet. Jetzt lernt Oma googeln.

Tief versunken in einen Roman, zuckt David plötzlich zusammen. Oma regt sich auf und schimpft wie ein Rohrspatz. „Birnen! Ich suche kein Lexikon und keine Rezepte. Keine Bilder und den Ribbeck auch nicht! Glühbirnen kaufen will ich sowieso nicht. Nie findet der das, was ich will."

David muss sich ein Grinsen verkneifen und fragt: „Oma, was genau suchst du denn im Zusammenhang mit Birnen?" Schmollend antwortet sie: „Eine Geschichte." David setzt sich neben sie und tippt „Birnen Geschichte" in das Google-Suchfeld. „Nein, nein", empört sich Oma beim Blick auf die ersten Suchergebnisse. „Ich will keine historischen Wissenschaften! Ich suche eine ganz bestimmte Geschichte." „Wozu? Was weißt du denn noch von dieser Geschichte?", fragt David.

Oma überlegt und sagt: „Jemand schälte Birnen und bewahrte die Schalen für später auf. Es ging um Hunger und Armut. Ich brauche ein gutes Beispiel für das nächste Thema in unserer Seniorenrunde."

David lächelt Oma verständnisvoll an und tippt: „Er schälte Birnen." Oma blickt skeptisch auf den Bildschirm. Dann strahlt sie: „Geppetto! Da steht es ja. Natürlich das war in Pinocchio! Wieso findest du das und ich nicht?" Bevor David antworten kann, ärgert Oma sich schon wieder. „Das gibt es doch gar nicht. Wie machst du das? Warum kann ich das nicht?"

„Moment, ich lege dir ein Lesezeichen für deinen Pinocchio an, damit du ihn später wieder findest. Schau hier!", entgegnet David. „Mit Lesezeichen kenne ich mich doch schon aus. Das ist einfach", erwidert Oma beleidigt. David, der sich eigentlich wieder seinem Buch widmen wollte, seufzt leise und denkt: „Bevor sie jetzt richtig quengelig wird, muss ich wohl in den sauren Apfel beißen."

„Oma, pass auf. Wenn du in einem großen Kaufhaus etwas Bestimmtes nicht findest, dann fragst du einen Verkäufer. Oder du erkundigst dich schon direkt am Eingang nach einer entsprechenden Abteilung. Vielleicht begleitet dich auch ein Verkäufer und berät dich ausführlich. Wenn du in einer fremden Stadt bist, fragst du einen Passanten nach dem Weg. Du hakst nach, wenn du etwas nicht begreifst."

„Das ist doch selbstverständlich. Warum erzählst du mir das?"

„Weil ein Computer nicht denken kann. Er ist kein Mensch, der dich versteht. Er ist nur eine funktionierende Maschine. Wenn dir das immer bewusst ist, dann kannst du auch besser damit umgehen."

„Der kapiert nicht, was ich schreibe?"

„Ein Computer kann nicht ahnen, was genau du wissen willst. Darum musst du es ihm eindeutig mitteilen. Wie du ja eben gesehen hast, gibt es für die Birnen mehrere Möglichkeiten. Für die richtige Interpretation eines Begriffs ist die Angabe des Zusammenhangs, in dem du ihn siehst, notwendig. Ich zeige dir, wie das geht. Es gibt viele Tricks. Um treffsichere Suchergebnisse zu erhalten, muss man die Suche eingrenzen. Das ist gar nicht schwer."

Mit ausführlichen Erklärungen und praktischen Beispielen weiht David Oma nun in die Google-Geheimnisse ein. Er nimmt sich sehr viel Zeit und beantwortet alle ihre Fragen sehr geduldig. Oma ist begeistert. Sie lauscht andächtig, greift zu ihrem Notizbuch und will sofort üben.

Am nächsten Tag beginnt Oma eine Google-Fibel zu schreiben, damit sie nichts vergisst, und um demnächst ihrer Seniorenrunde zu berichten, was sie inzwischen schon alles von David gelernt hat. Eine Woche später sieht ihre Google-Fibel so aus:

MEIN GOOGLE MERKBUCH

Nie habe ich gefunden, wonach ich gesucht habe. Immer habe ich so viele Suchergebnisse bekommen, dass ich nicht wusste, auf welche Seite ich zuerst klicken sollte. Oft habe ich Seiten mit ganz anderen Themen angeklickt, wurde abgelenkt und wusste nachher gar nicht mehr, was ich eigentlich gesucht habe. Das passiert mir jetzt nicht mehr. Ich suche jetzt mit System.

Mehrere Suchbegriffe

Mit mehreren Suchbegriffen gleichzeitig bekomme ich bessere Suchergebnisse. Ich muss mir nur vorher genau überlegen, was ich will und mir die passenden Wörter ausdenken. Zum Beispiel:

Taschenuhr

zeigt ungefähr 1.240.000 Ergebnisse

Taschenuhr Damen

zeigt ungefähr 1.130.000 Ergebnisse

Taschenuhr Damen Halskette

zeigt ungefähr 72.700 Ergebnisse

Taschenuhr Damen Halskette analog

zeigt ungefähr 35.500 Ergebnisse

Taschenuhr Damen Halskette analog mechanisch

zeigt ungefähr 15.500 Ergebnisse

Taschenuhr Damen Halskette analog mechanisch gold

zeigt ungefähr 7.000 Ergebnisse

Taschenuhr Damen Halskette analog mechanisch gold zierlich

zeigt ungefähr 2.100 Ergebnisse

Wie man hier deutlich sieht, werden durch diese zielgerechte Suche weniger Ergebnisse angezeigt.

Zitat

Mit korrektem Zitat erhalte ich sofort passende Suchergebnisse. Beispiel:

Der Mond ist aufgegangen

Platzhalter

Mit dem Platzhalter * wird erkannt, welches Wort gesucht wird. Statt eine Frage zu formulieren, gebe ich den Text ein und ersetze den gesuchten Begriff durch das Sternchen (*). Beispiel:

* erfand die Glühbirne

„von bis"

Durch die Einschränkung „von bis" kann ich gewünschte Suchergebnisse eingrenzen. Dazu setzt man hinter das Suchwort, getrennt durch zwei Punkte, die gewünschten Zahlen und dahinter dann die entsprechende Einheit, zum Beispiel Währung, Meter oder Kilogramm:

Kaffeemaschine 20..50 Euro

Gartenschlauch 30..60 m

Kartoffeln 10..50 kg

Rechner

Google hat eine integrierte Rechenfunktion. Das finde ich nützlich. Man gibt eine Berechnung einfach in das Suchfeld ein. Beispiel:

12367,35+4572,17

Google zeigt dann: 12 367,35 + 4 572,17 = 16 939,52

Maße/Einheiten

Für Umrechnungen von Maßen und Einheiten benutzt man einfach „in". Beispiel:

30 Zoll in cm

Google zeigt dann: 30 Zoll = 76,2 cm

220 Meilen in km

Google zeigt dann: 220 Meilen = 354,05568 km

Währung

Google hat auch einen integrierten Währungs-Umrechner. Das geht ebenso mit „in". Beispiel:

180 USD in Euro

Google zeigt dann: 180 US-Dollar = 161,033477 Euro

Wetter

Für eine Wettervorhersage benutzt man einfach nur „Wetter" und den gewünschten Ortsnamen. Beispiel:

Wetter München

Weitere Tipps und Tricks will David mir nach und nach zeigen.

Jetzt muss ich zunächst alles, was ich verstanden habe, üben.

In meinen anderen Geschichten geht es um Liebe, Schuld, Seelenschmerz, Sehnsucht, Verzweiflung und Verantwortung.

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