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04/02/2016 05:54 CET | Aktualisiert 02/02/2017 06:12 CET

Ärger in der Schule in der Hippiezeit

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Fortsetzung zu: Neuer Freund in der Hippiezeit

Ich habe mir ja heute vielleicht ein Ding geleistet! Wir haben eine Deutscharbeit geschrieben, Interpretation einer Kurzgeschichte. Ich hatte damit gerechnet, dass was von Borchert dran kommt und mir darum einen schönen Pfuschzettel zurecht gemacht. Was Borchert mit seinen Geschichten aussagen will und Ähnliches.

Bei der Arbeit entschied ich mich aber nicht für Borchert Die Küchenuhr, sondern für Harg Er rettete Senters Leben. Babsy nahm Borchert und stöhnte: „Ich kann nix." Da dachte ich an meinen Pfuschzettel. „Hier, das kannst du vielleicht brauchen", flüsterte ich Idiot und gab ihr den Zettel. Das hat die Tante natürlich mitgekriegt. „Zettel her, Sie beide haben die Arbeit Sechs", sagte sie. Ich dachte mich haut's um. Babsy guckte ganz doof, sie hatte gar nicht gesehen, was das für ein Zettel war und begriff überhaupt nichts. „Sie können noch weiter schreiben", sagte die Tante dann. Babs und ich beratschlagten, was sollten wir uns noch drei Stunden abquälen, wenn die Arbeit sowieso Sechs sein sollte? Wir grapschten also unsere Klamotten und wollten abhauen.

Inzwischen hatte sich die Tante die Sache zu unserem Gunsten anders überlegt. „Sie dürfen das andere Thema nehmen und neu anfangen. Aber Sie dürfen nicht Borchert nehmen." Das war für mich natürlich gut, ich hatte ja sowieso den Harg genommen und war schon ganz gut angefangen. Das Ganze passierte übrigens eine Viertelstunde nach Beginn der Arbeit. Babs stand dagegen nun total auf dem Schlauch, sie musste nun auch noch das Thema nehmen, das sie schwieriger fand.

Ich war ja so sauer auf mich. „Jetzt habe ich Babs die ganze Arbeit verpatzt", konnte ich nur denken. Ich konnte mich nicht mehr auf meine Arbeit konzentrieren. Die ist jetzt sowieso Fünf, ob Fünf oder Sechs ist doch scheißegal. Hauptsache Ma und Pa erfahren nichts von der Sache. Babsy stöhnte noch mehr, wir saßen jetzt übrigens an Einzeltischen. Ich hätte heulen können vor Wut.

Babs sagte aber: „Macht doch nix, ich bin schließlich immer noch besser dran als du." Ich habe mir nämlich noch mehr geleistet, ich war auch echt doof. Die Tante hatte doch gar nicht gecheckt, dass sie einen vorbereiteten Pfuschzettel erwischt hatte, es hätte ja noch alles gut gehen können, aber nach zwei Stunden konnte ich es einfach nicht mehr aushalten, ich brauchte unbedingt eine Zigarette. Ich ging also auf'n Pott und brauchte länger als normal. Auf'm Pott traf ich auch noch Moni, die ihre Arbeit schon abgegeben hatte, wir laberten noch kurz und ich ging wieder in die Klasse. Die Tante guckte mich stocksauer an, ich wusste gar nicht, was lief. Babs erzählte es mir später: „Sie sagte, von jetzt an geht keiner mehr 'raus, das dauert ja so lange, die spricht bestimmt mit jemandem über ihre Arbeit."

Das finde ich ja unmöglich, sie hätte mich fragen sollen, wo ich so lange war. Ich bin stocksauer auf die Alte. Jetzt wertet die meine Arbeit bestimmt nicht, das heißt Sechs. Wenn sie gefragt hätte, dann hätte ich natürlich gesagt, dass ich geraucht hab'. Dann hätte sie zwar sicher eine doofe Bemerkung über nicht abwarten können oder so gemacht, aber das wäre doch besser als der Verdacht eines zweiten Täuschungsversuches. Zugegeben, ich habe mit Moni gelabert, aber nicht über die Arbeit. Oder kann man ihre Aussage: „Ich konnte gar nichts, darum hab' ich so früh abgeben", als Arbeitshilfe werten?

Wenn's wenigstens dabei geblieben wäre, aber ich Trottel habe noch mehr Mist gebaut. Ich war ungefähr fertig mit der Scheißarbeit und konnte keinen Schlusssatz finden, darum habe ich aus Ärger das Wort „Scheiße" auf mein Vorschreibblatt geschrieben, und zwar ziemlich groß und deutlich. Dann war ich endlich fertig und packte meine Sachen zusammen. Ich wollte natürlich meine Konzeptblätter einpacken, aber das sah die Tante natürlich und fing sofort wieder an zu schreien: „Alle Zettel ins Heft legen!" Da dachte ich an meinen Kommentar und wollte ihn natürlich schnell wegstreichen, die Alte beobachtet mich aber schon wieder: „Sie können ruhig stehen lassen, was Sie da geschrieben haben." Ich zog eine sauere Miene und gab die Scheiße ab, dann ging ich 'raus, ich hätte am liebsten die Tür hinter mir zugeknallt, aber das wäre wohl zuviel gewesen.

Und jetzt kommt er, der große Augenblick, in dem sich Astrid Koch zum ersten Mal ein Tampon einführt. Es hat geklappt, fein, wenigstens etwas Erfreuliches an diesem Tag. Babs hat mich auf den Geschmack gebracht, es scheint echt gut zu sein. Das nur so nebenbei. Wie die Sache mit Deutsch jetzt weiter gehen soll, weiß ich noch nicht, halt eben mal abwarten. Man muss es mit Fassung tragen. Leben ist immer lebensgefährlich. Ich habe eine schlechte Eigenschaft an mir festgestellt, es macht mir unheimlich Spaß Leute, besonders Lehrer, zu provozieren, auch wenn es auf meine eigenen Kosten geht. Und das ist nicht gut.

Tja, also Babs geht wieder mit Mick. Das war ein harter Schlag für mich. Sie lieben und sie streiten sich wie eh und je. Und Babs ist happy und ich? Ich bin sehr traurig, ich glaube ich werde nie wieder einen Jungen so lieben, wie ich Mick liebe. Ich verstehe das eigentlich gar nicht. Ich kenne ihn doch kaum. Habe ihn höchstens ein dutzendmal gesehen und mich noch nie so richtig mit ihm unterhalten. Na ja, wo die Liebe hinfällt. Ich trage jetzt alles mit Gleichmut, was soll's?

Ist ja doch alles Kacke. Mein Zeugnis war übrigens richtig gut. Nur die Fünf in Franz und die Vier in Mathe, alles andere Drei und in Deutsch und Englisch sogar Zwei. Ich war richtig stolz. Aber ich seh's schon kommen, wenn ich so weitermache mit Pfuschen und Faulenzen, dann wird das Nächste sehr mies. Aber ich hab' ja noch knapp fünf Monate Zeit, vielleicht ändert sich doch noch einiges. Das Wetter ist beschissen, saukalt und kein Schnee.

Es ist mir übrigens immer noch ein Rätsel, dass Ma und Pa nichts dagegen haben, dass Hans und Marion in wilder Ehe leben. Aber ich frage lieber nicht. Ich spreche in letzter Zeit sowieso nicht mit meinen Eltern, nur das Nötigste. Wieso weiß ich nicht. Ich hab' einfach keinen Nerv mit ihnen zu labern. Ma nennt mich schon immer Einsiedler, aber was soll ich denn abends machen? Ich habe doch keinen Nerv mit den Alten zusammen fern zu sehen. Wann läuft denn schon mal im Fernsehen was Gutes? Da läuft doch nur Mist. Ich bin eben lieber bei Babs oder sie ist bei uns oder ich sitze in meinem Zimmer und höre Musik, lese oder tu sonst was. Warum soll ich nicht auf meiner Bude hocken? Hat etwa jemand was dagegen? Ach, das ist ja das doofe, Eltern meinen immer, dass man sich nicht verkriechen, sondern mit der Familie zusammen sein soll. Denken Sie etwa auch so? Mann, das ist doch hirnverbrannt. Schließlich muss man mal Ruhe zum Nachdenken und Träumen haben, aber das versteht Ihr sowieso nicht.

Babs betrügt Mick schon wieder! Sie hatte in letzter Zeit schon öfters den Namen Tonti erwähnt und ich fragte sie heute, wer das eigentlich wäre. Und da kam's dann 'raus. Er ist 26 und möchte gerne heiraten, und zwar - Babsy. Die will davon natürlich noch nichts wissen, aber sie mag ihn natürlich. Sie war mit ihm schick essen. Er hat einen Mercedes. Er hat sie abgeknutscht und wollte mit ihr pennen, sie aber nicht mit ihm. Sie ist heute Abend wieder mit ihm verabredet. Ich habe 'rumgemotzt, dass sie das Mick nicht antun kann. „Warum denn nicht?", fragte sie. „Wieso denn, mit dem mache ich doch sowieso bald Schluss." Ich bin sehr sauer auf sie, ich habe schnell das Thema gewechselt, damit sie nichts merkt. Oh, Babs, ich könnte weinen. Warum tust du Mick das an?

Babsy geht jetzt mit Tonti und mit Mick. Babsy ist ein Schwein.

(Fortsetzung folgt)Teenager in der Hippiezeit - Folge verpasst?

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