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19/11/2014 09:38 CET | Aktualisiert 19/01/2015 06:12 CET

Warum wir die Rechte von Männern stärken müssen

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Hoch soll er leben, gesund soll er bleiben, alt soll er werden. Er lebe hoch, er lebe hoch, er lebe hoch!

Viele Jahre habe ich gar nicht gewusst, dass es einen Internationalen Männertag gibt, an welchem wir Männer hochleben lassen und sie besonders ehren und wertschätzen könnten.

Heute weiß ich, dass die Lebensumstände und der Lebenslauf eines Mannes von strukturellen Ungerechtigkeiten und teilweise sogar politisch und kulturell gewollten Missständen geprägt sein können. Darüber haben wir in unserer Gesellschaft leider lange hinweggesehen.

Die inhaltliche und öffentliche Belebung des Internationalen Männertages ist ein wichtiger erster Schritt. Er kann helfen die Geschlechterdebatte gerechter zu machen, weil die Diskriminierung von Männern nun nicht mehr ausgeschlossen wird.

Der Internationale Männertag ist ein Anlass einmal differenziert zur Lage der Männer zu informieren. So tauchen Zahlen, Daten und Fakten auf, die ein neues und ehrliches Bild vom Mann zeichnen können. Es wird Zeit sich von alten Klischees und Vorurteilen zu verabschieden.

Intoleranz gegenüber Männern und ihrer Männlichkeit hat im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr.

Wenn man sich konstruktiv und ohne Vorbehalte mit den vielfältigen und unterschiedlichsten Rollenbildern von Männern beschäftigt, dann fallen Scheuklappen und es ist nicht mehr so einfach, den Mann auf den Bösewicht, Unterdrücker oder Missbraucher reduzieren zu wollen.

Der Mann ist ein Mensch, verletzlich und unvollkommen.

Man bekommt so auch einen Eindruck darüber, wie gefährlich das Leben eines männlichen Artgenossen sein kann. Der plötzliche Kindstod trifft häufiger den männlichen Säugling, heranwachsende Jungs bekommen öfter Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, ­ weil sie ́stören ́.

Eine nicht unerhebliche Zahl junger männlicher Erwachsener ist bereits lebensmüde und wählt den Freitod. Vor der Geburt eines Kindes kann der werdende Vater keinen Einspruch erheben, wenn die Kindesmutter das ungeborene Leben abtreiben lassen möchte.

In der Blüte ihrer Lebenszeit fallen Männer aus dem Raster der Gesundheitsvorsorgen einfach raus und tauchen erst dann wieder auf, wenn mit zunehmendem Alter schwerwiegende Erkrankungen den Gang zum Arzt unumgänglich machen.

Der alte Mann verlässt diese Erde etliche Jahre früher als die alte Frau. Doch Nachteile zu Lasten von Männern bewegen Politik und Gesellschaft wenig.

Es sind die sogenannten ́Männerrechtler ́, die unermüdlich den Finger in diese und ähnliche offenen Wunden legen. Sie schrecken nicht davor zurück beim Namen zu nennen, was sich gegen den Mann und seine Männlichkeit richtet. Ob es die Beschneidung kleiner Jungen, die schlechte Rechtslage unehelicher Väter, das untergeschobene Kind eines anderen Mannes oder der ungerechtfertigte Gewaltvorwurf ist. Sie wollen darüber reden.

́Männerrechtler ́ sind für mich Pioniere und Helden des Alltags, manchmal Vordenker oder auch traurige Beispiele für unerhörte Notlagen, in die ein Mann unverschuldet geraten kann. Keinesfalls sind ́Männerrechtler ́ politisch fragwürdig oder moralisch abzuwerten. Sie sind Einzelkämpfer oder tauchen in kleinen Rotten auf.

In manchen Anliegen finden sie den schnellen Schulterschluss, um sich bei anderen Dingen gegeneinander aufzureiben. Eine Männerbewegung zu gründen ist ihnen bis heute erst in Ansätzen gelungen. Aber es wird nur eine Frage der Zeit sein, dass auch dieses gelingt.

So legitim wie es ist eine Frauenrechtlerin zu sein, ist es legitim sich für die Rechte von Männern stark zu machen. Ich bin gespannt, wann der erste Mensch für seinen Einsatz zur Behebung von Ungerechtigkeiten gegenüber Männern eine öffentliche, womöglich sogar hochdotierte Ehrung erhält, wie es der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer oder dem Mädchen Malala zuteil wurde.

Männer wollen nicht mehr nur schweigend ertragen müssen. Sie wehren sich, indem sie endlich offenlegen, was sie quält. Sie sind mehr und mehr bereit Gefühle und Gedanken auch öffentlich mitzuteilen. Männer wollen benennen, wenn sie sich von einer Frau, von Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft ausgebeutet fühlen.

Was einen Mann ausmacht und wie er sein Leben lebt, soll heute mehr und mehr Sache der Männer selbst und nicht des Staates, der Politik und schon gar nicht Sache der Frauen sein. Für die Emanzipation des Mannes ist jetzt die richtige Zeit, auch weil wir in Frieden leben.

Die Männliche Selbstermächtigung und ihre Selbstverwirklichung ist das Credo der Stunde. Männer mögen heute getrost darauf verzichten weiterhin instrumentalisiert und ausgebeutet zu werden. Sie wollen einen Wandel und dabei weder wirtschaftlich noch persönlich auf der Strecke bleiben. Dafür setzen sie sich mutig ein und wenn es sein muss auch in Frauenkleidern.

Wenn wir aber ehrlich sind, dann müssen wir festhalten, dass es bis heute an sensibler Weitsichtigkeit fehlt, wenn es um die Anliegen von Jungen, Männern und Vätern geht. Im Gegenteil haben manche eine ́Hau­Drauf­Mentalität ́ gegen Männer entwickelt, die man im Land der Dichter und Denker so nicht vermuten würde.

Im Ergebnis zeigt sich eine grobe Vernachlässigung des männlichen Geschlechtes im privaten und öffentlichen Raum, die erschüttern kann.

Nicht selten werden wichtige persönliche und politische Entscheidungen gefällt, die sich allein auf die Vorzüge für Frauen ausrichten. Männliche Interessen werden dagegen kleingeredet, abgewertet oder einfach ignoriert. Der Internationale Männertag kann zu einem wichtigen Puzzleteil in der verfahrenen Geschlechterdebatte werden und diese auch kritisch anreichern.

Das täte gut, weil wir hier sonst weiter in die ideologische Ecke abdriften.

Der neunzehnte November könnte also ein Tag der Besinnung auf Männernöte, aber auch auf die Vorzüge des Mannseins und der Männlichkeit sein. Ein Tag, an dem wir Männer für das, was sie Gutes vollbringen hochleben lassen sollten. Ein Tag, an dem gerade wir Frauen uns bei ́unseren Männern ́ für all die Dinge bedanken könnten, die sie unermüdlich für uns und unsere Gesellschaft leisten.

Ich bin mir sicher, wer Wertschätzung schenkt, dem wird Wertschätzung gegeben.

Auch auf HuffingtonPost.de: Intelligenz-Studie:

Steht uns die Dummheit ins Gesicht geschrieben?