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22/10/2015 08:10 CEST | Aktualisiert 22/10/2016 07:12 CEST

Liebe Pegida-Anhänger, ich mache Euch einen Vorschlag

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Liebe Pegida,

ich lese Eure Aussagen in den Medien und ich höre Eure Interviews im Fernsehen. Ich bin manchmal ganz sprachlos und manchmal juckt es mich in den Fingern Euch zu wiedersprechen. Aber ihr hört mich nicht und im Stillen befürchte ich, ihr seid nicht wirklich bereit für eine Kommunikation.

Ihr habt Angst vor der Islamisierung dieses Landes? Ihr habt Angst davor, die christlichen Werte könnten für immer begraben werden? Und all die hereinströmenden Flüchtlinge könnten Euren Kindern eines Tages ihre Jobs wegnehmen? Und jetzt schon ihren Unterricht stören?

Dieses Land mit Sprachen und Kulturen überschwemmen, vor denen ihr Euch fürchtet? Ihr fordert eine klare Trennung zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen, aber wenn ich Euch manchmal reden höre, klingt es, als würdet ihr nicht mal wissen, wo gerade Krieg herrscht und wo nicht.

Ihr wollt Eure Kinder und Enkelkinder schützen? Dann mache ich Euch einen Vorschlag:

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Bevor Ihr das nächste Mal auf die Straße geht, nehmt eure Kinder oder Enkelkinder an die Hand und geht mit ihnen in den Wald. Sammelt Eicheln und Kastanien und benennt die guten alten deutschen Bäume. Erklärt ihnen die Blätter, lasst sie die Rinde und die Erde berühren. Weist sie auf Kaninchenlöcher hin, bestimmt Vogelstimmen und erklärt ihnen, woher der Regen kommt, warum es Jahreszeiten gibt, in diesem schönen, deutschen Land.

Bevor Ihr das nächste Mal auf die Straße geht, nehmt Eure Kinder und Enkelkinder und geht mit Ihnen ins Museum. Lasst all die Geschichte auf Euch wirken. Erklärt ihnen die Bilder und die Fundstücke. Erzählt Geschichten von Früher. Und lasst sie selber erfahren. Lasst sie Dinge abmalen und begründen. Lasst sie Fragen stellen und selbst nach Antworten suchen. Erklärt Ihnen unsere Kultur, die ihr so schätzt mit all seinen Werten, mit seiner Kunst, seinem Freiheitsgedanken.

Bevor Ihr das nächste Mal auf die Straße geht, nehmt Eure Kinder und Enkelkinder und geht mit ihnen ins Theater. Lasst sie all die großen Klassiker sehen, die aus den Federn der deutschen Literaten und Dramaturgen entstanden. Damit sie all die Werte verstehen, die Deutschland über Jahre zusammenhält. Damit sie über Freiheit und Liebe, über Hass und Verstand selber urteilen lernen. Lasst sie den Geruch des Theaters aufnehmen und verstehen, dass diese Welt viel mehr ist als Fernsehen.

Bevor Ihr das nächste Mal auf die Straße geht, nehmt Eure Kinder und Enkelkinder und lest ihnen vor. Lest ihnen all die vielen Kinderbücher vor, die Deutschland jedes Jahr auf den Markt bringt. So viele deutsche Autoren, die gehört werden wollen. So viele Geschichten, die in die Köpfe Eurer Kinder möchten.

Lasst sie die Brüder Grimm lesen, genauso wie die Kinderliteratur der Gegenwart. Denn Deutschland hat so viel wertvolles für unsere Kinder zu Papier gebracht. Hört ihnen zu und redet mit ihnen. Lasst sie noch mehr Fragen stellen und nach noch mehr antworten suchen. Hört ihnen zu, was sie denken und sich vorstellen. Was sie verurteilen und für gut heißen.

Bevor Ihr das nächste Mal auf die Straße geht, nehmt Eure Kinder und Enkelkinder und bringt sie in die Schule. Seht Euch an, wo sie jeden Tag sitzen, lasst Euch all das Gebastelte zeigen, was sie mit so viel Liebe und Konzentration mit ihren eigenen Händen haben entstehen lassen. Holt sie ab und hört Euch an, was sie gelernt haben. Setzt Euch hin und seht ihnen zu wie sie schreiben. Helft ihnen, die Zahlen und Buchstaben zu verstehen.

Bevor Ihr das nächste Mal auf die Straße geht, nehmt Eure Kinder und Enkelkinder und geht mit ihnen in die Kirche. Lasst all diese Ruhe und Schönheit auf sie wirken. Erzählt ihnen vom christlichen Glauben. Von Nächstenliebe und Hoffnung. Diesen Grundgedanken des christlichen Glaubens. Lasst sie all die christlichen Bilder, Skulpturen und Lieder in sich aufnehmen. Lasst ihnen Zeit zu begreifen. Und gebt ihnen die Chance immer wieder zu kommen. Wann immer ihnen danach ist.

Liebe Pegida, Ihr wollt nicht, dass die anderen Euren Kindern und Enkelkindern irgendwann die guten Jobs weg nehmen? Dann sorgt dafür, dass sie lernen, dass sie bereit sind, Bildung in sich aufzusaugen. Dass sie lesen, erkennen, fühlen, begreifen. Sorgt dafür, dass sie sich gut fühlen, dass sie Aufmerksamkeit und Liebe bekommen.

Sorgt dafür, dass sie dieses Land verstehen mit seiner Kunst, seiner Geschichte, seiner Literatur. Sorgt dafür, dass sie die Gedanken des christlichens Glaubens weiter in sich tragen. Dass sie sich einsetzen für ihre Werte. Sorgt dafür, dass sie Fragen stellen und ihre eigenen Meinungen bilden. Sorgt dafür, dass sie in die Schule gehen. Unterstützt sie bei ihrem Werden, ihrem Lernen, ihrem Verständnis von Kultur.

Und wenn ihr das alles umgesetzt habt, dann werden Eure Kinder und Enkelkinder eines Tages so weit sein, dass Sie Euch erklären können, dass ihr die ganze Zeit auf dem falschen Weg wart. Gebt Ihnen diese Chance.

(Der Beitrag ist ursprünglich hier auf www.emilundida.com )

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