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03/02/2017 12:45 CET | Aktualisiert 04/02/2018 06:12 CET

Was sich unser Sohn zum Geburtstag wünschte, veränderte unser Leben

RichVintage via Getty Images

Wir sitzen bei Freunden zum Essen. Die Kinder bekleckern sich fröhlich mit Lasagnesoße. "Du, Emil, was wünschst du dir denn zum Geburtstag?" fragt jemand interessiert. "Dass Papa mehr Zeit für mich hat."

Sonst nichts. Alle schweigen kurz. Alle haben mit der typischen Lego, Playmobil, Kapla Steine-Antwort gerechnet. "Dass Papa mehr Zeit für mich hat". Ich bin den Tränen nahe. Wir trinken unseren Wein und sehen uns kurz an. Die eine zu viel, der andere zu wenig?

Ich denke darüber nach was es bedeutet, dass ich gerade so viel mit den Kindern zusammen bin. Zum einen wird ihnen bewusst, wie viel Mama sie haben. Zum anderen aber auch, wie wenig Papa.

Und immer wenn wir losfahren, lassen wir ihn zurück und nehmen ihm somit die Chance, ihn wenigstens abends ins Bett zu bringen. Oder morgens die kleinen Pullover über die weichen Haare zu ziehen.

Selten passt in 24 Stunden all das, was wir uns erträumen

Mir fällt dazu eine andere Geschichte ein. Damals haben wir noch in der alten Wohnung gewohnt. Emil muss also gerade zwei gewesen sein. Es ist mitten in der Nacht. Auf einmal taucht ein kleines Wesen auf und zieht an unserer Decke. "Papa?" fragt er vorsichtig.

Paul dreht sich murmelnd auf die Seite und knipst das Licht an. "Papa," fährt er ernst fort. "Baust du mir mal so ein Schild? So ein Ritterschild?" Paul nickt. "Aber warum fällt dir das jetzt ein?" fragt er müde. "Weil ich dich sonst nie sehe," antwortet Emil pragmatisch.

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Die Frage ist, was für eine Rolle wir in diesem Leben einnehmen wollen. Wenn wir die Wahl haben. Wir fragen uns das immer wieder. Wir treffen immer neue Entscheidungen. Im Herzen wollen wir alles.

In der Realität hat der Tag nur 24 Stunden. Und selten passt in diese 24 Stunden all das, was wir uns erträumen. Zeit mit den Kindern. Zeit als Paar. Zeit für den Beruf. Zeit für Sport, fürs Lesen, Reisen, für den Hund. Zeit in Cafés zu sitzen oder am Meer. Zeit mit Freunden. Zeit im Theater, im Kino, im Restaurant, im Wald, im Schnee, im Regen, im Wasser. Zeit mit unserer Familie.

Ich will die Zeit mit den Kindern anhalten

Wir machen es jetzt so und morgen anders. Wir planen unsere Zeit mit Kleinkindern anders als mit Schulkindern. Wir werden irgendwann wieder alleine hier wohnen, auch wenn uns das absolut absurd (und ein bisschen sinnlos) vorkommt.

Wir werden mal zu viel arbeiten, mal zu wenig schlafen. Wir werden mal an unsere Grenzen kommen, dann wieder am Strand liegen und im Bus kochen. Wir werden mit und ohne Uhr leben. Und immer wieder neue Entscheidungen über unser Leben treffen.

Ich will die Zeit mit den Kindern anhalten. Ich fürchte mich vor dem Moment, in dem ich Emil in der Schule abgebe. Wo ich doch immer, die letzten 5,5 Jahre, nur allein über unsere Zeit entschieden habe.

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Und Paul trägt alles: Arbeit, finanzielle Absicherung, organisiert ständig unangenehme Dinge wie Winterreifen wechseln, Versicherungen kündigen, Banktermine und Steuerberater. Zusammen läuft es. Meistens sogar recht reibungslos.

Bis einem ein fast Sechsjähriger seinen Geburtstagswunsch offenbart. Wir werden manchmal ganz hart gestossen. Anders geht es nicht. Manchmal müssen wir uns weh tun um zu merken, dass wir vielleicht gerade in die falsche Richtung laufen.

Und dann wissen wir vor allem eines: Entscheidungen kann man ständig revidieren. Neu fällen. Ändern. Unser Leben ist nicht starr. Wir können und dürfen es drehen und wenden wie wir es wollen. Wir müssen nur lernen mit den Konsequenzen umzugehen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf emilundida.

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