BLOG
06/02/2017 12:27 CET | Aktualisiert 07/02/2018 06:12 CET

Mira beleuchtet: Martin Schulz

Fabrizio Bensch / Reuters

Überraschende Einblicke in die Handlungsmotivation prominenter Persönlichkeiten.

„From Zero to Hero"

Martin Schulz ist der neue Star der SPD, versehen mit vielen Vorschusslorbeeren und der Fähigkeit, der Partei endlich neue Fans zu bescheren und abgewanderte Schäfchen zurückzuholen.

Wie hat er das geschafft, nachdem er lange Jahre in Brüssel ein eher unscheinbares Dasein gefristet hat? Mira hat Antworten und erklärt die Persönlichkeit von Martin Schulz.

Sicherheit, Kampf - und Charme!

Endlich hat seine Stunde geschlagen: die Benennung zum Kanzlerkandidaten müsste sich für Schulz selbst wie eine späte Bestätigung anfühlen. Sie gibt ihm die Aufmerksamkeit, nach der er sich lange gesehnt hat. Endlich steht er im Rampenlicht.

Wie schafft man es bloß, über so lange Zeit EU-Präsident zu sein ohne dass das in der Heimat jemanden interessiert? Zumindest ist bekannt, dass dieser Umstand niemanden so sehr geärgert hat wie Schulz selbst (eine auffallende Parallele zu Sigmar Gabriel übrigens). Es braucht schon eine gute Portion Ego, um derartig voranzupreschen und sich selbst als „Germanys Next Cancellor" zu präsentieren. Was sagt das über die Persönlichkeit von Martin Schulz aus?

Aus der Biografie, dem Auftreten und seinen (Sprach-)Botschaften lesen wir die intrinsische Doppel-Motivation Sicherheit/Kampf heraus. Im Enneagramm stellt dieses Persönlichkeitsmuster eine Besonderheit dar: es handelt sich um Menschen, in deren Brust zwei Seelen schlagen.

Einerseits sind sie zögerlich und zaghaft, blass und ängstlich, im nächsten Moment springen sie durch die „Katzenklappe", zeigen sich mutig und angriffslustig, fahren ihre Krallen aus und legen eine beeindruckende Stärke an den Tag. Martin Schulz vereint diese beiden Motoren der Persönlichkeit wie kaum ein anderer.

Seine Biografie zeugt von Unsicherheit und Kampf: Nach seiner Knieverletzung als Jugendlicher verließ ihn der Lebensmut, er wurde Alkoholiker - und hat sich aus dieser dunkelsten Phase seines Lebens wieder herausgekämpft. Bis heute hat er seine Dämonen (scheinbar) im Griff.

Der persönliche Lebenskampf

Wir verstehen die intrinsische Motivation eines Menschen als ein Lebensmotiv: Martin Schulz hat sich sein Leben und seinen Erfolg hart erkämpft: Vom Buchhändler zum Bürgermeister (von Würselen, aber immerhin!), vom blassen SPD-Politiker zum EU-Präsidenten. Hier wird die Verbindung zur intrinsischen Motivation Erfolg sichtbar - nur mit dem Unterschied, dass dieses Persönlichkeitsmuster charmanter und weniger kämpferisch auftritt (siehe Obama).

Martin Schulz hat bereits bei seinem Amtsantritt in Brüssel propagiert: „Ich werde kein bequemer Präsident sein." Sicherlich wird er auch kein bequemer Kanzlerkandidat sein. Das liegt daran, dass er seinen persönlichen Lebenskampf nun auf offener Bühne austrägt. Er genießt die neue Aufmerksamkeit in vollen Zügen und wird darin baden, ähnlich wie Donald Trump in den USA.

Robin Hood und die Gerechtigkeit

Was sagt Martin Schulz über sich? Er sei „etwas impulsiv". Das ist wohl noch untertrieben... Menschen, die von der intrinsischen Motivation Kampf angetrieben werden, verstehen sich selbst als moderne Robin Hoods.

Sie sehen es als ihre Aufgabe an, für Gerechtigkeit zu kämpfen - nicht weil es im Parteibuch steht, sondern weil sie selbst in ihrer Kindheit das Gefühl hatten, ungerecht behandelt worden zu sein, meistens von einem zu strengen Vater. Oder vom Schicksal, das ihm die große Karriere als Fußballer verweigert hat. Es gibt kaum einen stärkeren Motor als Rache.

Martin Schulz möchte sich am Leben rächen und kämpft um seine persönliche Gerechtigkeit. Mit dieser Mission wird er in Deutschland viele Menschen erreichen, weil sie sich in ihm wiederfinden können.

Die intrinsischen Motivation Sicherheit und Kampf sind sehr deutsch. Wir erleben derzeit, wie das Sicherheitsgefühl in unserem Land schwindet und die Bereitschaft zum Kampf immer größer wird. Da Martin Schulz diese Entwicklung personifiziert sprich verkörpert, werden ihm viele Menschen folgen. Sehr viele.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.