BLOG
03/03/2016 03:35 CET | Aktualisiert 04/03/2017 06:12 CET

Selbstgemachtes Sperma - Werden Männer überflüssig?

Monkey Business Images via Getty Images

Die Frau liefert die Eizelle, der Mann die Spermienzelle. Verschmelzen beide Zellen, kann neues Leben entstehen. Ein neuer Mensch kann also nur durch ein Zusammenspiel zwischen Mann und Frau entstehen.

Durch Fortschritte, wie die künstliche Befruchtung, ist man schon seit 1978 in der Lage, Eizelle und Spermienzelle außerhalb des Mutterleibs zu vereinen. Allerdings braucht man dafür noch lebendige Spermien und Eizellen.

Einem chinesischen Forscherteam ist es nun gelungen, eine neue Spermienquelle zu finden. Dies könnte das Verständnis für zwischenmenschliche Beziehungen für immer auf den Kopf stellen.

Das Fachmagazin Cell publizierte eine Veröffentlichung des Forscherteams Zhou et al. (2016). Den chinesischen Forschern ist es gelungen, künstliches Mäusesperma aus Stammzellen zu generieren, das erfolgreich für die Erzeugung von Nachwuchs verwendet wurde. Gesundheitliche Defekte blieben aus und die „hybriden" Tiere waren sogar in der Lage, sich zu vermehren.

Ich frage mich, wie so eine Studie überhaupt von der Ethikkommission genehmigt wurde. Das Forscherteam erklärte, es wolle beispielsweise verstehen, wie es zur Unfruchtbarkeit von Männern kommen kann.

Etwa 15 % der Paare weltweit sind unfruchtbar, dabei liegt der Grund bei 20-30 % der Fälle beim Mann.

Was haben die Forscher gemacht?

Das Team behandelte die embryonalen Stammzellen mit einer Mischung aus Substanzen, um die Reifeteilung der Stammzellen einzuleiten. Sie simulierten dann die natürliche Umgebung der Zellen, indem Hodengewebe und das Sexualhormon Testosteron zugefügt wurden.

In der Vergangenheit mussten die Zellen noch in Hoden transplantiert werden.

Die produzierten Spermien sind allerdings noch keine vollwertigen Spermien, sondern Spermatiden. Sie haben also keine Geißel und können sich nicht bewegen. Bei der künstlichen Befruchtung spielt dieser Faktor allerdings keine Rolle.

Demnach können die aus Stammzellen gewonnenen Spermatiden an dieser Stelle tatsächlich zum Einsatz kommen.

So atemberaubend diese Studie auch klingen mag, sollten wir abwarten, ob sich diese Ergebnisse auch von anderen Forscherteams reproduzieren lassen.

Wenn dies gelingen sollte, dann müssen wir den ganzen Prozess der Fortpflanzung überdenken und uns von dem Gedanken lösen, dass Männer nicht mehr ein elementarer Bestandteil der Fortpflanzung sein müssen.

Führt man diesen Gedanken weiter, so wäre die ganze Menschheit auch ohne Männer überlebensfähig.

Peter Donovan, Entwicklungsbiologe der Universität California beleuchtet wichtige Aspekte, die wir in der Debatte auf keinen Fall vergessen sollten:

„Es müssen viele ethische Fragen in Betracht gezogen werden, wenn diese Technologie beim Menschen entwickelt würde. Wie können wir sagen, ob Spermatiden, die in einem Labor hergestellt wurden, wirklich die gleiche hohe Qualität haben wie die, die [...] in den Hoden hergestellt wurden? Woher wissen wir, dass die im Labor produzierten Spermatiden nicht DNA-Mutationen aufweisen?"

Doch wie geht es weiter? Werden Männer bald überflüssig? Machen wir einen forscherischen Fortschritt und zugleich einen gesellschaftlichen Rückschritt? Was bedeutet das für das Konzept Familie? Fragen über Fragen.

Aber wenn ich so überlege, wäre eine Welt ohne Männer auch gar nicht so schlecht... Weniger Kriege, Gewalt und herumliegende Socken ;).

Auch auf HuffPost:

Geheimnisse des Gehirns: Schlafen oder aufwachen auf Befehl? Forscher wissen jetzt, wie das geht