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10/02/2016 08:16 CET | Aktualisiert 10/02/2017 06:12 CET

Warum Rechtsradikale Opfer ihres eigenen Gehirns sind

ullstein bild via Getty Images

Empathie ist die Fähigkeit, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen und mitzufühlen. Aber, empfinden wir für alle Menschen und Tiere gleich viel Empathie? Die Antwort lautet nein, denn schließlich fällt es uns doch leichter die nervige Fliege zu beseitigen als einen nervigen Menschen.

Auch eine Fliege ist ein Lebewesen, sieht uns allerdings nicht besonders ähnlich. Und weil wir dank der biologischen Diversität viele verschiedene ethnische Menschengruppen haben, die einem nicht ähnlich sehen, kann Hass und gewaltbereites Verhalten entstehen. Manche behaupten, dass Empathie sogar ein Grundbaustein für moralisches Verhalten ist.

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Aber was ist die Wissenschaft hinter der Fähigkeit oder eben der Unfähigkeit Empathie zu empfinden? Die Arbeitsgruppe von Xu der Universität Peking in Beijing ist der Frage nachgegangen, inwieweit die ethnische Zugehörigkeit die empathischen neurologischen Antworten reguliert und kam in seinem Paper „Do You Feel My Pain?" zu einer höchst interessanten aber zeitgleich beängstigenden Erkenntnis.

Schmerzhafte vs. nicht-schmerzhafte Reize

Zwei Testgruppen haben an dem Experiment teilgenommen: europäisch aussehende, bzw. hellhäutige Menschen und asiatische Menschen. Den jeweiligen Versuchsgruppen wurden die gleichen 48 Videos gezeigt, nämlich mit Gesichtern der jeweiligen ethnischen Gruppen, die entweder mit einer Spritze in die Wange gestochen wurden oder mit einem Wattestäbchen berührt wurden.

Diese zwei Instrumente wurden vertretend für einen schmerzhaften, bzw. einen nicht-schmerzhaften Reiz eingesetzt. Die Testpersonen wurden anschließend gefragt, wie sie beurteilen, wie die Menschen in den Videos die zugefügten Schmerzen empfunden haben und es wurden anschließend Gehirnaufnahmen gemacht.

Mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie können aktivierte Hirnareale der Probanden mit hoher räumlicher Auflösung dargestellt werden.

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Das Gehirn entscheidet, für wen wir Empathie empfinden

Die Neurone im Gehirnbereich, der sich anteriorer cingulärer Cortex nennt, reagieren auf die eigenen Schmerzen und auf die Schmerzen, die wir bei anderen erkennen. Das ist aber nur der Fall, wenn die anderen der gleichen ethnischen Gruppe zugehören.

Die Gehirnregion des europäisch-aussehenden Menschen reagiert allerdings nicht, wenn einem chinesischen Gesicht Schmerz zugefügt wird, und umgekehrt. Das bedeutet also, dass wir neurologisch nur mit Menschen mitfühlen können, die uns ähnlich sind.

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Volksverhetzung, Rassismus und Kriege

Die Ergebnisse dieser Studie sind schockierend und werfen zeitgleich die Frage auf, wie wir damit umgehen sollen. Schon in der Vergangenheit und leider auch heute werden Morde an Menschen begangen, da sie anders als man selbst aussehen.

Wir können z. B. nach Amerika schauen: hier ist die Chance als Schwarzer Opfer eines Mordes zu werden deutlich höher verglichen mit europäisch-aussehenden Menschen. Wir sehen aber auch fast täglich in der deutschen Berichterstattung, dass auch hierzulande rechte Gewalt und Rassismus herrschen - gegen Menschen, die anders aussehen.

Sind wir Opfer des eigenen Gehirns?

Heißt das, dass diese Menschen ihren Gehirnfunktionen ausgeliefert sind und nichts dafür können, dass sie keine Empathie empfinden? Nein, ganz sicher nicht.

Genauso, wie wir in der Lage sind, unseren Sexualtrieb zu kontrollieren und unser Hungergefühl auszuhalten, so müssen wir uns dessen bewusst werden, dass wir alle Menschen sind: mit gleichen biologischen Funktionen und Gefühlen - homo sapiens eben.

Wir haben eine ausgeprägte Großhirnrinde, mit der wir Informationen bewusst verarbeiten können und nachdenken können, dementsprechend ist keiner seinem empathielosen Gehirn verfallen. Das nächste Mal, wenn du auf einen rechtsradikalen Menschen triffst und siehst wie er empathielos durch die Welt schlendert, erinnere ihn doch bitte daran, dass er einfach mitdenken kann.

Quelle: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19571143

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