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09/01/2017 09:35 CET | Aktualisiert 10/01/2018 06:12 CET

Auch die Nordafrikaner haben Angst vor den "Nafris"

Maja Hitij via Getty Images

Am Ende des Jahres kamen erneut zahlreiche junge und illegal nach Deutschland eingereiste Nordafrikaner nach Köln, um zu "feiern" oder wie Mazyek es letztes Jahr nach der Silvesterkatastrophe bezeichnete, um "die Sau raus zu lassen".

Die Polizei war exzellent vorbereitet und hat vorbildlich präventiv diese jungen Männer abgeschottet, um eine Wiederholung der Ereignisse von Silvester 2015 zu verhindern. Damals hatte man u.a. der Polizei Unfähigkeit vorgeworfen. Diesmal war sie vorbereitet und konnte erfolgreich Übergriffe auf Frauen verhindern.

Groß war die Aufregung als per Twitter öffentlich wurde, dass die Polizei, insbesondere in NRW, die Abkürzung "Nafri" verwendet. Ein Tweet der Kölner Polizei vom 31. Dezember 2016 um 23:08 Uhr über den Einsatz am Hauptbahnhof Köln ("Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen") löste eine politische Diskussion aus.

Mit "Nafri" werden "Nordafrikanische Intensivtäter" bezeichnet. Also jene, die im letzten Jahr koordiniert in zahlreichen deutschen Städten an den Hauptbahnhöfen Frauen begrabscht und viele vergewaltigt haben. Sie sind meist zwischen 15 und 25 Jahre alt. Es handelt sich um Menschen, die Raub-, Körperverletzungs-, Betäubungsmittel- oder Taschendiebstahldelikte in Innenstadtbereichen begehen.

Damit ist aber selbstverständlich nicht gemeint, alle Nordafrikaner oder Deutsche mit nordafrikanischen Wurzeln seien Kriminelle.

Die Intensivtäter hatten sich erneut auf dem Weg nach Köln gemacht, um zu "feiern". Warum diese Provokation? Was wollen uns diese Menschen mit solchen Aktionen sagen, dass sie womöglich auf die hier geltenden Gesetze und Sitte pfeifen? Nutzen diese die Gutmütigkeit des deutschen Staates aus? Aus meiner Sicht ja!

In Köln stiegen mehr als 1000 junge Männer aus den Zügen, die der Szene der aus Nordafrika stammenden Intensivtäter zugerechnet wurden. In Essen zählte die Polizei mehr als 450 Köpfe von Nordafrikanern, nach Düsseldorf waren rund 800 dieser Menschen gekommen, berichtet die Polizei. Was wollen diese Menschen in dieser Anzahl in diesen Städten und ausgerechnet in der Silvesternacht?

Sie wollten kaum gegen den Krieg in Syrien demonstrieren! Nein, sie wollten provozieren, sie wollten randalieren und sie wollten uns zeigen, dass sie auf die Regeln dieser unserer Gesellschaft im wahrsten Sinne des Wortes keinen Wert legen. Die Regeln und die Gesetze, die die deutsche Gesellschaft zusammenhalten, scheinen für sie keine Rolle zu spielen.

Sie haben eigene Regeln und Gesetze! "Die haben versucht, den deutschen Staat anzutanzen", so der CDU-Innenpolitiker und ehemalige Bundespolizist Armin Schuster. Nein, Herr Schuster, diese Menschen tanzen auf unseren Regeln, auf unseren Sitten und auf unserer Würde! Sie wollen nicht mit uns tanzen, sondern uns austanzen! Das "Antanzen" praktizieren diese Menschen täglich in Deutschland, indem sie mittels des "Abklatschens" hart arbeitende Bürger dieses Landes um Ihr Geld bringen und dem deutschen Staat auf der Nase rumtanzen.

Es wird alles versucht, um Asyl zu bekommen

Der "Marsch" nach Köln, Essen und Düsseldorf beinhaltet mehr, als nur den Staat "anzutanzen". Vielmehr wollten sie uns vor Augen führen, was sie von uns halten und dass sie den deutschen Staat nicht fürchten! Warum auch? Die Abschiebung gestaltet sich schwierig und wenn jemand abgeschoben wird, dann kommt er wieder. Was haben diese Menschen demnach zu fürchten? Nichts, also nehmen sie sich, was sie wollen!

Die vorläufige Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) NRW für das vergangene Jahr spricht von 6208 Tatverdächtigen aus Marokko, 4995 Tatverdächtige aus Algerien und 1084 aus Tunesien, Tendenz steigend. Nach Angaben der PKS haben Algerier 2015 mehr als 13.000 Straftaten verübt, Marokkaner kommen auf mehr als 14.000 Straftaten und Tunesier auf mehr als 2000 Straftaten.

Mehr als 3800 Ermittlungsverfahren hat die NRW-Polizei eingeleitet. "Von 100 Marokkanern werden hingegen 33,6, von 100 Algeriern 38,6 straffällig", so das Innenministerium in NRW. Und weiter: "Die Gegenüberstellung von Straftätern, Tatverdächtigen und Ermittlungsverfahren zeigt deutlich, dass sich unter den genannten Personengruppen viele Mehrfachtäter befinden."

Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), hat es richtig beschrieben als er sagte, dass diese Menschen unsere Rechtsordnung nicht anerkennen würden und Polizisten von den Verdächtigen ironisch angelächelt oder sogar bespuckt werden würden.

Ca. 10.000 von ihnen haben derzeit keine Bleibeperspektive in Deutschland, weil ihnen kein Asyl gewährt wurde, weil sie weder politisch verfolgt werden noch aus einem Bürgerkriegsland kommen. Es handelt sich hier um Wirtschaftsflüchtlinge, die über das Mittelmeer oder die Balkanroute nach Deutschland kommen. Viele von ihnen haben sich als Syrer ausgegeben, obwohl sie sprachlich leicht als Nordafrikaner zu identifizieren sind.

Mehr zum Thema: "Das ist ein Skandal": Migrationsforscher erklärt, was wir aus der Kölner Silvesternacht lernen müssen

Anderen fällt plötzlich ein, dass sie homosexuell sind, um Asyl zu bekommen. Wiederum andere seien zum Christentum konvertiert, daher müssen sie ihre Heimat verlassen. Es wird alles versucht, um Asyl zu bekommen. Doch das Asylrecht ist für jene gedacht, die aus Angst um ihr Leben und das Leben ihrer Familien fliehen müssen, wie im Falle der syrischen und irakischen Flüchtlinge.

Wer angibt seine Heimat verlassen zu müssen, weil er sich dort bedroht fühlt, der bedroht in seinem Gastland nicht die Menschen. Er vergewaltigt keine Frauen! Er untergräbt nicht bewusst die Gesetze und Sitten seines Gastlandes!

Wir dürfen nicht vergessen, dass Frauen, die solche schrecklichen Erfahrungen gemacht haben, unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden. Hierbei handelt es sich um eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß.

Diese Frauen sind für den Rest ihres Lebens gezeichnet. Typische Merkmale für die posttraumatische Belastungsstörung sind das wiederholte Erleben des Traumas, in sich aufdrängenden Erinnerungen (Flashbacks), Träumen oder Albträumen, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit auftreten.

Ferner finden sich Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Meist tritt ein Zustand von Übererregbarkeit, einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und Schlafstörung auf. Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten.

Es sind Asoziale, die auch in Nordafrika nicht willkommen sind

Wir beschäftigen uns wie immer sehr häufig mit den Tätern und diskutieren darüber, ob der Begriff "Nafri" diskriminierend sei und vergessen die Opfer der Silvesternacht 2015.

Um was für Menschen handelt es sich also hier, die anderen Menschen bewusst schaden und das Leben vieler Frauen zur Hölle auf Erden gemacht haben?

Es sind Asoziale, die auch in Nordafrika nicht willkommen sind. Auch dort waren sie Außenseiter und lebten nach eigenen Regeln und Gesetzen auf der Straße. Aber dennoch würde sich von diesen keiner trauen, in den Herkunftsländern Frauen zu vergewaltigen oder gar einen Polizisten zu bespucken. Sie würden nicht nur Schläge bekommen, sondern werden zu langen Haftstrafen verurteilt.

Bei sexuellen Belästigungen sind die Strafen noch viel drastischer, dies kann bis zur Selbstjustiz führen. Das heißt nicht, dass ich solche Methoden und Selbstjustiz befürworte! Ganz im Gegenteil. Wir dürfen uns durch diese Menschen unsere demokratischen Werte nicht wegnehmen lassen, denn ansonsten hätten sie gewonnen.

Der Staat muss mit demokratischen Mitteln zurückschlagen, d.h. dass diese rasch abgeschoben werden sollten und bis zur Abschiebung in Abschiebehaft genommen werden müssen. Länder, die sich weigern, ihre Staatsbürger zurück zu nehmen, muss man die Entwicklungshilfe streichen!

Die nordafrikanische Community in Deutschland wird ebenfalls von diesen Intensivtätern terrorisiert. Familien haben Ängste um ihre Töchter und Ehemänner um ihre Frauen. Denn diese Intensivtäter haben auch die seit Jahrzehnten hier lebenden Nordafrikanerinnen im Visier. Mal abgesehen von dem Imageschaden den diese angerichtet haben. Zu Recht haben Deutsche mit nordafrikanischen Wurzeln Angst, dass sie mit diesen Intensivtätern in Verbindung gebracht werden oder gar verwechselt werden.

Sie schämen sich, sind wütend, auch weil sie machtlos sind. In Deutschland leben ca. 250.000 Deutsche mit nordafrikanischen Wurzeln. Sie sind mehrheitlich gut integriert und sind anständige Staatsbürger, die sich nun durch diese Intensivtäter in vielerlei Hinsicht bedroht fühlen. Sie haben Angst vor einer Stigmatisierung und vor Abgrenzungen. Diese Community ist im doppelten Sinne bestraft.

Auf der einen Seite befinden sich die Extremisten und auf der anderen Seite diese Intensivtäter. Die friedliche Mehrheit dieser Gemeinschaft wird von beiden Seiten bedroht. Noch hat diese Gemeinschaft keine Mittel gefunden, um sich aus dieser Umklammerung zu befreien. Dies liegt nicht zuletzt darin, dass die liberalen Kräfte in dieser Gemeinschaft kein Gehör in der Politik und in den Medien finden. Auch deswegen, weil sie für die Massenmedien unspektakulär sind.

"Nafri" bezieht sich auf Intensivtäter und nicht auf den nordafrikanisch Stämmigen an sich

Ist der Begriff "Nafri" rassistisch oder gar mit dem Begriff "Neger", wie Herr Jan Böhmermann meint, gleichzusetzen?

Ich meine eindeutig nein, denn diese Abkürzung bezieht sich auf Intensivtäter und nicht auf den nordafrikanisch Stämmigen an sich. Ernst G. Walter, Vorsitzender der Bundespolizeigewerkschaft, stellte klar, dass "der Begriff Nafri für nordafrikanische Intensivtäter stehe. Damit seien nicht pauschal alle Menschen aus Nordafrika gemeint".

Für Thomas Wüppesahl, Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizisten, ist dieser Begriff ein behördentypisches Kürzel. So verstehe ich diesen Begriff auch. Diskriminierend wird er nur dann, wenn er auf alle Deutsche nordafrikanischer Abstammung ausgedehnt wird. In der Tat besteht hier eine gewisse Gefahr. Aber unsere Demokratie und die sie tragenden Menschen sind klug genug, um solch eine Entwicklung zu verhindern. Die deutsche Gesellschaft ist in der Lage, zwischen Kriminellen und anständigen Bürgern zu unterscheiden.

Eine Instrumentalisierung durch Populisten und populistische Parteien ist leider unvermeidlich, aber auch hier ist unsere Demokratie in der Lage, effektiv dagegen zu wirken. Es ist wichtig, dass unterschieden wird zwischen den friedlich hier lebenden Nordafrikanern und den Intensivtätern. Aktuell herrscht ein gewisses Unbehagen innerhalb der nordafrikanischen Community, weil Befürchtungen bestehen, dass diese aufgrund ihrer Herkunft mit den Intensivtätern gleichgesetzt werden könnte.

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Hier müssen wir für Klarheit sorgen und wachsam bleiben, um eine solche mögliche Entwicklung im Keime zu ersticken. Ich bin diesbezüglich sehr zuversichtlich. Insbesondere die marokkanische Community fühlt sich in die Enge getrieben. Eine Community, die bis vor einigen Jahren völlig unsichtbar war, auch weil sie sich sehr gut integrieren konnte. Die Intensivtäter haben mit ihren kriminellen Handlungen eine ganze Gemeinschaft in Verruf gebracht. Umso wichtiger ist es, dass wir genauer hinschauen und differenzieren!

Was soll aus den Intensivtätern werden?

Hier kann die Antwort nur "Abschiebung" lauten, denn weder sind sie Kriegsflüchtlinge noch handelt es sich um politisch Verfolgte, vielmehr handelt es sich um Menschen, die auch in den Herkunftsländern Kriminelle waren. Daher sollten die Abschiebeverfahren beschleunigt werden, um weitere Eskalationen zu verhindern.

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