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21/04/2016 14:45 CEST | Aktualisiert 23/04/2017 07:12 CEST

Radio heute - Never Ending Story

Maskot via Getty Images

Es gibt viele Möglichkeiten mit Musik in Verbindung zu kommen. Entweder man spielt selbst eines oder mehrere Instrumente - nur für sich, in einer Band oder einem Musikverein. Oder man beschränkt sich auf das Hören von Musik mit der eigenen Stereoanlage - im Auto, auf einem Konzert oder mit dem mp3-Player.

Musik kann so einen Einfluss auf die Gesellschaft haben, kann sie verändern. Und es gibt ebenso viele Möglichkeiten die Musik zum Hörer zu bringen. Die Vertriebswege veränderten sich mit der Zeit und den Umweltbedingungen. Neue Vertriebswege taten sich auf, alte verschwanden.

Das Musikgeschäft war schnelllebig und erforderte neue revolutionäre Ideen, um immer auf Höhe der Zeit zu sein. Dabei hat das Radio sich selbst im digitalen Vertriebsdschungel als eine Konstante behaupten können.

Die Bedeutung eines Mediums hinsichtlich gesellschaftlicher und kultureller Funktionen zeigt sich vor allem in dem Gebrauch, den die Menschen von ihm machen, also in den Erwartungen, die sie ihm entgegenbringen, in der Art und Weise, wie es in ihren Alltag integriert wird.

Altbackenes Image

"Radio funktioniert in der Multitasking-Welt wunderbar und ist bestens aufgestellt für die Zukunft", das ist nicht nur die Ansicht von Radio-Strategen. Trotzdem hat das Medium stets damit zu tun, sein altbackenes Image aufzupolieren. Aber warum eigentlich bzw. ist das in der neuen digitalen Welt überhaupt notwendig?

Sicherlich wird Radio allgemein immer noch mit den alten technischen Geräten verbunden. Aktuell muss sich das Radio nicht mehr nur der Konkurrenz des Fernsehens (es sei hier an die 80er Jahre erinnert mit „Video killed the Radio Star", als das Bewegtbild als die neue große Konkurrenz galt).

Heute streamen viele Menschen Musik über das Internet.

Das Monopol, den passenden Musikmix zu liefern, hat das Radio verloren. Was können die Sender tun, um ihre Bedeutung im digitalen Zeitalter nicht zu verlieren?

Drei von vier Deutschen hören der Media-Analyse zufolge täglich Radio - ein Wert, der seit Jahren auf ähnlich hohem Niveau ist. Nur das Fernsehen ist mit rund 80 Prozent beliebter. Allerdings liegt der höchsten Wert mit 81 Prozent und mehr bei den 50- bis 69-Jährigen Radiohörern. Bei den 14- bis 29-Jährigen ist die Quote in den letzten 10 Jahren rückläufig.

Interaktiv und multitasking-geeignet

Für die allgemeine Popularität des Radios sind die Faktoren in der Regel die persönliche Ansprache des Moderators oder der Moderator als Marke sowie der regionale Service-Charakter von hoher Bedeutung. Da können die Streamingdienste inhaltlich nicht mithalten.

Insofern hat das Radio als Medium der mobilen Gesellschaft die ersten Jahre der Digitalisierung von allen Massenmedien wohl am besten überstanden. Letztlich ist Radio 'on', es ist interaktiv und funktioniert in der Multitasking-Welt. Es ist auf allen von den Usern genutzten technischen Plattformen präsent.

Dabei ist Radio trotz vieler neuer Medienentwicklungen ein echtes Massenmedium geblieben. Und die Hörer sind ihrem Programm erstaunlich treu geblieben.

Radio hören über das Internet nimmt sprunghaft zu.

Ein weiterer wichtiger Aspekt dabei ist, dass Radio ein sehr preiswertes Medium ist, das viele flexible Möglichkeiten bietet: Von lokalen über regionale, landesweite bis zu nationalen Angeboten. Trotz aller Beteuerungen der Werbewirtschaft: Es wird nach wie vor eher die Masse als die Klasse gebucht.

Die Agenturen und Werbetreibenden weisen darauf hin, dass sie auch künftig an Massenmedien mit einer großen Abdeckung wie Radio interessiert sind. Sie halten zwar eine weitere Differenzierung der Radioangebote für wünschenswert, aber sie sehen kaum Chancen, dies über Werbung zu finanzieren.

Es lassen sich drei Tendenzen skizzieren, die sich bis 2025 in der Radiolandschaft weiter ausprägen werden:

1. Zunehmende Interaktivität (z.B. User Generated Content).

2. Serviceorientierung (dem Hörer wird ein vielfältigeres Programm mit mehr Serviceleistungen, z.B. Mitschnittfunktion angeboten).

3. Personalisiertes Radio / Radio on Demand (Senderauswahl, Sparten, Programmpakete usw. auf den Hörer zugeschnitten, individuell zusammengestellt).

Wie geht es weiter? Radio bleibt wohl vorerst ein Massenmedium. In den USA nimmt beispielsweise das Radiohören wieder zu. Radio hat sicherlich ein Problem bei den jungen Hörern. Aber Radio und gerade junge Hörer sind ja auf dem Sprung zu neuen Übertragungsmedien, zu neuen Angeboten.

Radio muss sich zunehmend der Konkurrenz aus dem Internet erwehren. Das heißt für das Radio der Zukunft: Es muss mehr als klassisches Radio, reines Audio sein. Es müssen auch Bilder, Videos und Text da sein. Radio war schon immer das interaktivste Medium, nicht nur bei den Gewinnspielen.

Gerade digitale Übertragungsverfahren bieten eine Fülle von neuen Möglichkeiten, diese Interaktivität zwischen Hörer, Bürger und Radio zu verstärken.

Neue Formate müssen her

Schon in den letzten Jahren begann weltweit der Trend zu neuen Formaten, die durch Radioberater entwickelt und eingeführt wurden. Nun ist ja Konstanz nichts per se Schlechtes und viele Fehler, die im Radio begangen wurden, haben mit zu wenig Konstanz zu tun.

Allerdings: In einer neuen digitalen Welt der sich schnell veränderten Nutzungsgewohnheiten und einem permanent von Innovationen geprägtem Internet braucht auch eine klassische Branche wie die Hörfunkbranche ein regelmäßiges Maß an Innovation.

Dies muss ja nicht einhergehen mit großen Investitionen und daher großem Risiko, viele der neuen Ansätze im internationalen Vergleich sind ja gerade überschaubare Investments bei Stationen mit bisher mäßigem Erfolg, nach Silicon Valley-Mantra: "Fail fast, fail cheap, and move on."

Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass die Besonderheiten des Radios kurzfristig an Bedeutung verlieren werden.

Aber angesichts der veränderten Rahmenbedingungen werden die Anbieter neue Strategien entwickeln müssen, um die originären Alleinstellungsmerkmale attraktiv im sehr dynamischen Wettbewerb am Markt platzieren zu können. Wahrscheinlich erleben wir in Zukunft das "Radio à la carte", also personalisiertes Radio und erinnern uns ab und zu an das gute, alte Formatradio aus analogen Zeiten.

Für die Huffington Post Deutschland ist der 21. April ein besonderer Tag: Peter Maffay ist heute unser Chefredakteur. Er gibt Impulse, lässt Texte schreiben und wird Interviews führen.

Ein Schwerpunkt ist auch die Zukunft des Radios in Deutschland. Mit Blogs, Interviews und Kommentaren wollen wir uns dem Nebenbei-Medium kritisch auseinandersetzen.

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