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18/02/2016 04:31 CET | Aktualisiert 18/02/2017 06:12 CET

Wir müssen einen Weg finden, um mit psychischen Erkrankungen anders umzugehen

SAUL LOEB via Getty Images

Ihre Königliche Hoheit die Herzogin von Cambridge macht sich mit großem Eifer für so viele wichtige Themen stark und ich bin sehr dankbar, dass sie einen Tag lang als Gast-Redakteurin fungiert, um auf das Thema psychische Gesundheit, vor allem die psychische Gesundheit von Kindern, und auf die vielen Millionen Menschen aufmerksam zu machen, die im Stillen leiden - Menschen wie Ryan Rigdon.

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Ryan trat im Alter von 20 Jahren der Navy bei. Einige Jahre später wurde er zum ersten Mal in den Irak entsandt. Er diente in einem Team, das am Straßenrand liegende Bomben und selbstgebaute Sprengkörper entschärfte.

Wenn solche Bomben explodierten, fuhr das Team so schnell wie möglich an die Explosionsstelle und suchte zwischen all den Trümmern und dem Blut nach übriggebliebenem Sprengstoff und entsorgte ihn. Als Anerkennung für seine unglaubliche Tapferkeit erhielt Ryan die „Bronze-Star-Medaille" und die „Army-Commendation-Medaille".

Doch als Ryan nach seiner zweiten Entsendung zu seiner Frau und seinen beiden kleinen Töchtern zurückkehrte, konnte er den Krieg nicht mehr vergessen. Er litt ständig an rasenden Kopfschmerzen, Albträumen und Panikattacken und er hatte dauernd ein Klingeln im Ohr. Nachts wanderte er unruhig im Haus herum, weil er Angst hatte, dass seine Familie in Gefahr sein könnte. Eines Abends erreichte er schließlich seinen Tiefpunkt. Nachdem er im Bett gelegen und geweint hatte stand er auf, ging ins Badezimmer und wollte sich das Leben nehmen.

Durch meine Arbeit für Joining Forces - eine Initiative, die Dr. Jill Biden und ich gegründet haben, damit immer mehr Amerikaner unsere Veteranen und die Familien von Soldaten ehren und unterstützen - wurde mir klar, dass nicht nur Ryan solche Erfahrungen machen musste. Genau wie Ryan kämpfen auch viele andere unserer Helden des Schlachtfeldes nach ihrer Rückkehr nach Hause sowohl mit sichtbaren als auch mit unsichtbaren Kriegsverletzungen, doch sie trauen sich nicht, um Hilfe zu bitten.

Dazu muss man jedoch auch sagen, dass die meisten unserer Veteranen keine Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen machen müssen.

Doch wenn man sich näher mit dem Thema befasst wird einem klar, dass nicht nur Veteranen und Soldaten mit derartigen Problemen kämpfen. Tatsächlich leidet in etwa jeder Fünfte - insgesamt über 40 Millionen Amerikaner - an einer diagnostizierbaren psychischen Erkrankung wie Depressionen oder Angststörungen. Menschen jeden Alters und aus allen sozialen Schichten sind von diesen Erkrankungen betroffen: unsere Kinder und Großeltern, unsere Freunde und Nachbarn.

Leider trauen sich viele Menschen nicht, die Hilfe in Anspruch zu nehmen, die sie eigentlich bräuchten, weil psychische Erkrankungen mit einem Stigma behaftet sind. Doch das ist völlig unsinnig. Ob nun das Herz, der Arm oder das Gehirn von einer Krankheit betroffen ist, sollte eigentlich keinen Unterschied machen, denn es ist einfach nur eine Krankheit.

Wenn jemand sich ein Bein bricht, würden wir doch auch niemals zu ihm sagen, dass er sich nicht so anstellen soll und dass er sich gefälligst zusammenreißen soll. Wir schämen uns nicht dafür, wenn wir wegen einer Ohreninfektion Medikamente einnehmen müssen.

Wir sollten keinerlei Unterschied zwischen psychischen und körperlichen Erkrankungen machen. Stattdessen sollten wir klarstellen, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, wenn man sich Hilfe holt, sondern ein Zeichen von Stärke. Außerdem sollten wir dafür sorgen, dass jeder genau die Behandlung bekommt, die er braucht.

Deshalb wurden im Rahmen des Affordable Care Act die Leistungen im Bereich psychische Gesundheit und Substanzmissbrauch und für den Schutz gegen Diskriminierung für über 60 Millionen Amerikaner erhöht. Außerdem sollen neue Pläne zur Finanzierung entwickelt werden um Vorsorgeuntersuchungen bei Depressionen für Erwachsene und die Verhaltensbeurteilung bei Kindern finanzieren zu können.

Aus diesem Grund hat mein Mann auch mehr Berater für psychische Probleme für Veteranen engagiert und einen Gesetzesentwurf zur Vorbeugung von Selbstmord bei Veteranen eingereicht.

Wir haben letztes Jahr zusammen mit einer Organisation namens „Give an Hour" und vielen weiteren Partnern die Kampagne „Campaign to Change Direction" gestartet, die darauf abzielte, auf psychische Erkrankungen aufmerksam zu machen, denjenigen, die Hilfe benötigen, die richtigen Mittel zukommen zu lassen und die Art der Auseinandersetzung mit dem Thema psychische Gesundheit in diesem Land zu verändern.

Bedeutende Persönlichkeiten aus den Bereichen Wirtschaft, Regierung, Wohltätigkeitsorganisationen, Medizin, Bildung, Religion und viele weitere mehr haben sich der Kampagne angeschlossen.

Als Teil dieser Bemühungen haben wir die „Five-Signs-Liste" mit fünf Anzeichen veröffentlicht, anhand derer man erkennen kann, ob jemand Hilfe braucht. Symptome wie Unruhe, Rückzug, Perspektivlosigkeit, Vernachlässigung des eigenen Körpers und Persönlichkeitsveränderungen können darauf hinweisen, dass jemand an psychischen Problemen leidet. Wenn wir diese Zeichen erkennen, können wir Menschen in unserem Umfeld helfen, bevor es zu spät ist.

Das bringt mich wieder zurück zu Ryan. Zum Glück hat Ryan sein Leben in dieser Nacht nicht beendet. Stattdessen nahm er seinen Mut zusammen und erzählte einem Kollegen, dass er Hilfe braucht. Sie wandten sich gemeinsam an das örtliche Veteranenministerium und Ryan bekam die richtigen Medikamente und die Beratung, die er brauchte, um wieder gesund zu werden.

Genau so wie die Menschen in Ryans Umfeld sich für ihn eingesetzt haben, müssen auch wir uns für unsere Mitmenschen einsetzen. Wir müssen lernen, die Anzeichen von psychischen Erkrankungen zu erkennen.

Wir müssen den Mut aufbringen, anderen die Hand zu reichen und mit unseren Freunden und Familienmitgliedern Klartext zu reden -- und wir müssen uns auch selbst Unterstützung holen, wenn wir sie brauchen. Außerdem müssen wir uns klarmachen, dass unsere psychische Gesundheit ganz genauso wichtig ist wie unsere körperliche Gesundheit und wir müssen anfangen, sie auch dementsprechend zu behandeln.

Klicke auf www.changedirection.org und erfahre mehr über Five Signs und wie Du Teil dieser Bewegung werden kannst.

Dieser Blog ist ursprünglich bei der Huffington Post UK erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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