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13/02/2017 10:11 CET | Aktualisiert 14/02/2018 06:12 CET

"Der Ton wird rauer" – auch die Kirchen bekommen die fremdenfeindliche Stimmung zu spüren

dpa

Die Nachricht, dass vier Schauspieler das Theater Altenburg verlassen werden, hat uns schockiert. Nach meinem Wissen sind, zumindest in einem Fall, fremdenfeindliche Erfahrungen als Hintergrund anzunehmen.

Auch die Arbeit innerhalb der Kirche in unserem Diakonat bekommt immer wieder fremdenfeindliche Stimmung zu spüren. Wir betreuen etwa 65 ehrenamtliche Helfer, die sich für Flüchtlinge engagieren. Die berichten uns, dass der Ton rauer wird.

Wir dürfen nicht tolerieren, wenn Menschen in ihrem Menschsein unterdrückt werden. Ich fände es gut, wenn die Kommunalpolitik das deutlicher sagen würde. Ich fände es auch gut, wenn sie die angefeindeten Schauspieler öffentlich unterstützen würde.

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Die Kirchengemeinde Altenburg lädt an jedem Montag zu einem Friedensgebet für Menschlichkeit ein. Den Abschluss bildet in der Regel ein gemeinsames Lied auf dem Markt.

Dabei wird deutlich, dass wir als Bürger in diesem Land für eine offene, tolerante Gesellschaft eintreten. Wir bleiben aber auch mit denen im Gespräch, die nicht unserer Meinung sind. Mit Menschen die dem Bürgerforum sehr offen gegenüber stehen bzw. sich an den Demonstrationen beteiligen.

Keine Anzeichen für Überfremdung

Der Riss, welcher durch unsere Gesellschaft geht, betrifft auch unsere Kirchengemeinden. Ich kann die Ängste der Bürger hören, aber nicht nachvollziehen, dass wir von Überfremdung bedroht sind.

Ich sehe hier keine Überfremdung, wohl aber immer wieder, gerade in der Frage was Satire darf, eine zu schnelle Aufgabe eigener Standpunkte.

Zu den ersten Hinweisen auf Christen zählt eine Karikatur, welche in den Katakomben von Rom gefunden wurde. Wir feiern gerade das 500 jährige Jubiläum des Beginns der Reformation in Europa.

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Damals gab es eine sehr deutliche Streitkultur der Satire welche sich in hunderten von Flugschriften ausdrückte. Unser Problem ist, dass wir nicht mehr wissen, wer wir sind. Ich fühle mich der preußischen Tradition von Aufklärung und Toleranz sehr verpflichtet.

Wir haben historisch gesehen in Deutschland mit der Integration von Flüchtlingen immer gute Erfahrungen gemacht. Ob beim Zuzug der Hugenotten, dem der österreichischen Juden oder der vielen Osteuropäer, welche im Zusammenhang der Industrialisierung nach Deutschland kamen:

Das ist nie schief gegangen.

Und ich bin auch jetzt optimistisch, dass wir die Integration der Flüchtlinge meistern werden. Das ist auch der beste Weg, den Besorgten die Argumente zu nehmen. So wird sich die Brisanz des Themas von alleine erledigen.

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