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01/05/2015 05:11 CEST | Aktualisiert 01/05/2016 07:12 CEST

Damit der Wiedereinstieg gelingt

Michael Sudahl

Wie viel Zeit will ich für meine Karriere aufbringen und wer kann mir helfen? Hier die wichtigsten Tipps für Frauen, die zurück in den Job wollen.

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Karriere-Expertin Simone Stargardt rät zur Klarheit.

Katja Fellmeth arbeitet unter der Woche von zu Hause aus. Dort macht sie am Küchentisch die Buchhaltung und rekrutiert Seminartrainer. Als Standortleiterin einer Weiterbildungsakademie muss die 43-jährige Wiedereinsteigerin aber an den Wochenenden vor Ort im 160 Kilometer entfernten Würzburg sein. Oft sind Mann und Kinder dann dabei.

Realität ist härter

Ein schöne Beispiel für einen gelungen Wiedereinstieg. Doch die Realität sieht oft anders aus: „Anspruchsvolle Aufgaben im Job, kombiniert mit flexiblen Arbeitszeiten, das finden Wiedereinsteigerinnen in der Wirtschaft leider selten", sagt Simone Stargardt. Der Grund ist laut der Karriere-Expertin einfach. Chefs und Frauen, die nach der Familienpause wieder in den Job wollen, haben oft entgegengesetzte Interessen. Die Eine will möglichst flexibel sein, um Zeit für die Familie zu haben. Der Andere will möglichst keine Ausfallzeiten tragen müssen, weil die Geld und Nerven kosten, verdeutlicht die Chefin eines Bildungshauses.

Ein Plan gibt Sicherheit

„Ich selber als Unternehmerin schätze es, wenn willige Wiedereinsteigerinnen einen klaren Plan haben", sagt die 35-Jährige. Kann eine Bewerberin im Vorstellungsgespräch erläutern, wann sich wer um den Nachwuchs kümmert, gibt dies Arbeitgebern Sicherheit. Und anders herum: „Mich regt es auf, wenn eine unserer Dozenten morgens das ausgebuchte Seminar aufgeregt absagt, weil das Kind Fieber hat und sie zuhause bleiben muss", verdeutlicht die Unternehmerin. Dann bleibt sie auf Ausfallkosten für Hotel, Seminarraum und so weiter sitzen. Und das Schlimmste - der Kunde ist sauer.

Klar machen: Was will ich?

Dabei ist die Lösung denkbar einfach: Frauen brauchen Unterstützung, wenn sie zurück in den Job wollen. Doch wie gelingt es, Familie oder Kollegen für das Karriere-Projekt zu begeistern? „Nach meiner Beobachtung ist die eigene Reflektion der erste Schritt", betont Stargardt. Wenn sich Frau klar darüber sei, wie viel Zeit und Energie sie für Karriere setzen will, kann sie ihrem Umfeld erklären, wo sie Hilfe braucht. Lautet der Wunsch zum Beispiel drei Tage zu arbeiten, kann sie die Oma oder Freundin bitten, Kinder von der Schule abzuholen und Nachmittage zu organisieren. Oder plant sie sich am Wochenende fortzubilden. Dann kann sie ihren Mann bitten, die Kids samstags mit zum Fußball zu nehmen und Essen zu kochen. Wichtig sei es, konkrete Aufgaben zu definieren, die erledigt werden müssen, wenn Mama sie nicht machen kann.

Vertretungen regeln

Gleiches gilt für Kollegen. Sind die informiert und ist im Vorfeld eine Vertretungsregelung vereinbart, ist ein erkranktes Kind aus Chef-Sicht kein Problem. Im Gegenteil. Ist das Wiedereinsteiger-Konzept klar und sind die Aussagen der Arbeitnehmerin verbindlich, sind Arbeitgeber flexibler und viel eher geneigt zu helfen.

Stargardts Tipp: „Machen Sie sich bewusst, dass Ihr Wunsch nach Kind und Job mehr betrifft, als die eigene Karriere". Es ist wie in einem Business-Projekt. Die Anzahl der Stakeholder, die mitreden, ist immer größer als eins. Und frühzeitige Kommunikation und das Sehen der anderen Positionen, hilft beim Wiedereintritt.

Checkliste zum erfolgreichen Wiedereinstieg:

- Klären Sie, welche Zeiten Sie wofür geben wollen: Familie, Job, Sport, ...

- Informieren Sie sich über Weiterbildungswege, um die Wissenslücke zu schließen, die durch eine Familienpause entsteht.

- Planen Sie Tages-, Wochen- und Monatsabläufe. Wer macht in der Familie wann was.

- Beziehen Sie frühzeitig Ihr Umfeld in die Pläne mit ein. Und suchen Sie Verbündete wie Kollegen, Großeltern, Geschwister oder Freunde, die helfen können.

- Nehmen Sie Ihren persönlichen Businessplan gedanklich mit zum Bewerbungsgespräch. Sie werden Sicherheit und Kompetenz ausstrahlen.


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