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19/09/2014 05:46 CEST | Aktualisiert 19/11/2014 06:12 CET

Unvergleichlich gut

Thinkstock

Eine Automobil-Zeitschrift hat kürzlich fünf Mittelklassewagen miteinander verglichen. Es wurden sage und schreibe 17 Kriterien tabellarisch dargestellt - über Hubraumgröße, PS-Stärke, Beschleunigung von 0 auf 100 in wenigen Sekunden, Kofferraumgröße bis hin zur besten Satellitenverbindung des Navigationssystems. Fein. 17 Tabellen. Fehlt nur noch die Tabelle, die mir sagt, in welcher Reihenfolge ich diese Tabellen lesen und für mich bewerten sollte.

Vergleiche haben ihren Wert, aber oftmals sind sie mit eklatanten Nachteilen behaftet. Schulzensuren werden heute anders eingeschätzt als noch vor 20 Jahren, der Wert von Leistungen anders betrachtet. Im Sport ist noch immer das Höher, Weiter, Schneller wichtig. Aber mehr und mehr wird der Wert von Vergleichen angezweifelt.

Gerade wenn sich Menschen miteinander vergleichen, führt das oft nur zu Rivalität und Konkurrenzdruck. Zu unterschiedlich sind die Ausgangssituationen, die Leistungsfähigkeit und letztlich auch die Zielvorstellung. Nicht nur im Berufsleben, sondern auch zu Hause, in der Familie, wimmelt es von Vergleichen. Da geht es um das Aussehen, die Wirkung auf andere, und diese Vergleiche enden oft mit einer überaus kritischen Bewertung. Meist schneidet derjenige schlecht ab, der diese Vergleiche anstellt.

Der kritische Blick ist dabei weder objektiv noch hilfreich. Interessant, was der Psychologe und Psychotherapeut Gerhard Zarbock dazu sagt: „(Der Blick) soll jedoch nicht bewertend, sondern wohlmeinend sein." Und die freie Journalistin für Wissenschafts- und Gesundheitsfragen Jana Hauschild schreibt über diese Menschen: „Diese Menschen sind deutlich depressiver als jene, die weniger kritisch auf sich selbst schauen."

Also, was kann man dann besser machen?

Beobachten Sie sich, welche gedanklichen, emotionalen, geistigen oder auch ganz andere praktische Fähigkeiten Sie den Tag über nutzen. Anerkennen Sie, was Ihnen gut gelingt. Seien Sie nachsichtig, geduldig, aber nicht nachlässig, an Eigenschaften zu wachsen, die Ihnen noch nicht so geschmeidig gelingen.

Nehmen Sie gute Beispiele anderer als freundliche Anregung und Ansporn, um von ihnen zu lernen, aber nicht als Vorwurf an die eigene Adresse, was man halt alles noch nicht gelernt habe.

Registrieren Sie, wie Sie sich selbst Mut zusprechen können, ohne sich in eine Kampfes- oder Verteidigungsposition gegenüber anderen zu bringen.

Sie können sich Schritt für Schritt wandeln, neue Fähigkeiten entdecken und achtsam mit sich umgehen. Die Freude am eigenen Fortschritt wird Sie beflügeln und unter Umständen auch andere bereichern. Steigen Sie aus dem nutzlosen Kreislauf von zerstörerischer (und herabsetzender) (Selbst-)Kritik aus und öffnen Sie sich einer gesundheitsfördernden Milde, die auf eine ganze Reihe unnützer Vergleiche verzichtet.

Sie werden feststellen, dass Sie unvergleichlich gut sind.