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09/09/2015 12:23 CEST | Aktualisiert 09/09/2016 07:12 CEST

Tipps und Tricks, um Angst zu überwinden

DANIEL MIHAILESCU

„Haben Sie sich denn noch nie gefürchtet?", werde ich oft gefragt, wenn ich mich dafür einsetzte, sich nach Möglichkeit weniger als gewöhnlich zu fürchten. Mit diesem Anspruch will ich kein rücksichtsloser Draufgänger sein und ich will auch nicht alle Warnhinweise ignorieren, die mich zu Rücksichtslosigkeit und Durchsetzungswillen verleiten könnten.

Aber, es gibt viele Befürchtungen, die aus Übervorsicht und auch einem gesellschaftlichen Wandel entstehen. Früher, in meiner Kindheit, war es unüblich, vom eigenen Kind zu erfragen, wo es denn hingehe, um auf der Straße zu spielen. Da gab es seitens der Eltern kaum mal einen warnenden Hinweis, dass diese oder jene Straße oder Gegend gefährlich wäre. Bestenfalls der Gruß: „Pass gut auf dich auf."

Also: 1. Nicht jede Befürchtung hat eine Berechtigung.

Vieles ist heute komplizierter, auch gefährlicher. Allein das höhere Verkehrsaufkommen erfordert ein Umdenken im Vergleich zu früher. So ist es heute sicher in Ordnung, einmal mehr über Befürchtungen und ihre Relevanz nachzudenken. Aber man kann auch übertreiben.

Wer manche Eltern beobachtet, wie sie ihren Kindern auf dem Klettergerüst am liebsten hinterhersteigen, um sie auffangen zu können, falls sie mal abrutschen, der erlebt bisweilen eine Atmosphäre der Ängstlichkeit und Unsicherheit, die einen Unfall sogar eher begünstigt als verhindert.

Die Gefahr: 2. Mancher trainiert seinen Kindern die Ängstlichkeit an.

Auch Gelassenheit und Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder, zu denen auch Umsicht und Vernunft gehören, ist erzieherisch wertvoll.

Der Budapester Soziologieprofessor Frank Furedi, der an der Universität von Kent unterrichtete, berichtet in einem Interview, das in der Zeitschrift Enorm (www.enorm-magazin.de, Ausgabe 01/2015) erschienen ist, von der Geburt seines Kindes.

Er erinnert sich lebhaft an den ersten Moment, als er das Kind in seine Arme schloss und die Krankenschwester ihm gleich versicherte, er könne ganz unbesorgt sein, denn das Kind trage ein kleines elektronisches Armband. Damit sei sichergestellt, dass es nicht gekidnappt werden könne.

Er war völlig entsetzt, denn mit dieser Möglichkeit hätte er niemals gerechnet. Und Prof. Furedi fügt hinzu, dass die meisten Eltern glauben, dass überall riesige Gefahren auf ihre Kinder lauern.

Man beachte: 3. Viele Befürchtungen werden nahezu nie Wirklichkeit.

Ja, ich weiß, die Übervorsichtigen werden nun daran erinnern, dass im Internet eben auch von solchen Fällen berichtet wird, wo Kinder aus dem Krankenhaus heraus entführt wurden. Ja, natürlich, jeder einzelne Fall davon ist schrecklich.

Leider wird nicht über die Millionen Neugeborener berichtet, denen nie etwas geschehen ist. Und doch ist auch das eine Tatsache.

Das heißt für den Alltag: 4. Schreckliche Einzelfälle im richtigen Kontext einordnen.

In vielen anderen Bereichen drängt sich ein furchtsames Verhalten regelrecht in den Vordergrund. Hört man manche Politiker über Flüchtlingsfragen, über die wirtschaftliche Entwicklung oder zwischenstaatliche Auseinandersetzungen sprechen, schwingt oftmals die Befürchtung mit, bloß nirgends anzuecken und womöglich negative Reaktionen zu provozieren.

Darum bleiben viele Aussagen unverbindlich und klingen kraftlos und hohl, um im Internet nur keinen Shitstorm loszutreten.

Dennoch: 5. Tatsachen ehrlich anzusprechen, wird geschätzt.

Es gibt ganz schlichte Hinweise, wie Menschen mit Furcht umgehen. Eine sehr wertvolle Aussage steht in der Bibel: Die völlige Liebe treibt die Furcht aus. (1. Johannes 4) Das heißt eben nicht, dass die völlige Liebe mir hilft, meine Furcht zu unterdrücken, oder sie zu ignorieren. Die dort angesprochene Liebe muss eine Macht, Gottes Macht, hinter sich haben, die diese vermeintliche Macht der Furcht, zurückweist.

Das Klima der Furcht führt dazu, dass sich Menschen wie Idioten behandelt fühlen, sagt Prof. Furedi. Und die amerikanische Gesundheitsexpertin Mary Baker Eddy hat einmal formuliert, als sie Hinweise gab, wie man ein besseres und gesünderes Leben führen kann: „Wir sollten die Furcht meistern statt sie zu pflegen." (Wissenschaft und Gesundheit, S. 97)

Sehr sinnvoll: 6. Sich über die Furcht erheben, ist oftmals weise und tut dem Bewusstsein gut.

Furcht zu überwinden verschafft einem den gedanklichen Spielraum, viel mehr von den positiven Seiten des Lebens zu erkennen und auch zu nutzen. Und diese Haltung befreit das Denken von mancherlei furchtsamen Einschränkungen.

Wie gesagt, Gedankenlosigkeit ist fehl am Platze, aber sich bewusst bei manchen Themen von der Furcht zu verabschieden, ist ein wahres Gottesgeschenk, an sich selbst und die anderen.

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