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11/02/2014 11:11 CET | Aktualisiert 13/04/2014 07:12 CEST

Goldmedaille für Kopf oder Herz?

Viel bekomme ich von den Olympischen Winterspielen in Sotchi nicht mit. Aber ich sehe mir im Fernsehen abends gern die Bilder des Tages an. Mir werden die Medaillengewinner des Wettkampftages vorgestellt. Egal ob Skispringer, Abfahrtsläufer, Biathleten oder Freestyle Sloper - sie strahlen, winken, jubeln, egal wie anstrengend der Wettkampf gewesen sein mag.

Was erkenne ich in ihren Gesichtern: Freude, gewiss, Erleichterung, Selbstvertrauen, eine unerschütterliche Siegermentalität, gerade auch bei Wettbewerben, in denen es um Hundertstel von Sekunden oder wenige Millimeter geht.

Nun ist Russland nicht nur die Heimat großartiger Sportler wie den Eishockeyspieler Igor Krawtschuk, der zweimal Olympia‑Gold holte und seine Karriere 2003 bei den Florida Panthers beendete, oder das Eiskunstlaufpaar Marina Klimowa und Sergej Ponomarenko, die 1992 in Albertville Gold gewannen. Es ist auch das Land großartiger Poeten wie Leo Tolstoi, der einst schrieb: „Die zwei mächtigsten Krieger sind Geduld und Zeit - also vergiss nie: Große Leistungen brauchen Zeit."

Die Goldmedaille, aber auch ein fünfter oder sechster Platz ist das Ergebnis harten Trainings, meist abseits des Rampenlichts, ohne Zuschauer, ohne Anfeuerungsrufe - einsam irgendwo im Wald oder im Eiskanal oder Eislaufstadion.

Nicht aufgeben, sich durchbeißen, nach Stürzen mit neuem Mut weitermachen, Lob und Kritik der Trainer anhören und an weiter Technik und Bewegungsabläufen feilen. Dazu Kraft‑ und Ausdauertraining, über Stunden, wenn andere schon Feierabend haben und vorm Fernseher „abhängen".

Das große Ziel Olympia nicht aus den Augen verlieren. Oft wird formuliert: „Er oder sie hat den Wettkampf im Kopf gewonnen." Allein den Körper zu trainieren reicht eben nicht. Denn der Körper folgt quasi der inneren Einstellung. Der Kopf entscheidet.

Als Gesundheitsexperte ist mir das klar und ich habe die guten Wirkungen am Körper bei Themen wie Gesundheit, Fitness, neu gewonnener Beweglichkeit erlebt: Wie ich über den Körper denke beeinflusst seine Funktionen. Tolstoi ist 1910 fast zeitgleich mit der amerikanischen Autorin Mary Baker Eddy gestorben, die zu ihrer Zeit Revolutionäres über die Wechselwirkung von Körper und Geist geschrieben hat. Anlässlich des nahezu zeitgleichen Todes dieser beiden herausragenden Autoren schrieb die Zeitschrift New York American: „Tolstoi sprach den Intellekt an und Eddy das Herz." Von dem „Rhythmus von Kopf und Herz" schrieb sie in ihrem Hauptwerk „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift."

Wer bekommt nun die Goldmedaille zugesprochen, das Herz oder der Körper? Den Körper zu trainieren ist natürlich unerlässlich und da liegen die Leistungen vieler Athleten dicht beieinander. Aber oft entscheidet das Herz, also die mentale Einstellung, die Beharrlichkeit, die Siegermentalität, das unbeirrte Trainieren, die unermüdliche Bereitschaft, nicht aufzugeben, und oft den „inneren Schweinehund" zu überwinden, wenn Motivation und Kraft einmal nachlassen sollten.

Jeder Sportler hat die Anerkennung durch Siegerehrung, Siegesfeier und Applaus verdient. Und jeder kann für andere zum Vorbild werden, die an schwierigen Aufgaben arbeiten, denen das Ziel vielleicht nicht immer erreichbar erscheint, die aber bereit sind durchzuhalten. Der Kopf gewinnt, oder besser: Entscheidend ist das Bewusstsein, alles Erforderliche getan zu haben und mit vielen Gaben ausgestattet zu sein. Das kann zu einem ehrlich errungenen Sieg führen.