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02/02/2015 13:06 CET | Aktualisiert 04/04/2015 07:12 CEST

Christian Lindner zeigt rhetorisch gelungene Stegreifrede

Bei seinem Wutausbruch im Nordrhein-Westfälischen Landtag hat der FDP-Vorsitzende Christian Lindner seine eigentliche Rede unterbrochen und auf einen „dümmlichen Zwischenruf" eines SPD-Abgeordneten reagiert. Dabei zeigte er Schlagfertigkeit und Spontaneität.

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Bei seinem Wutausbruch im Nordrhein-Westfälischen Landtag hat der FDP-Vorsitzende Christian Lindner seine eigentliche Rede unterbrochen und spontan auf einen „dümmlichen Zwischenruf" eines SPD-Abgeordneten reagiert. Dass einem Mal der Kragen platzt ist menschlich. So spontan den Angreifer gelungen auseinander zu nehmen, dazu gehört eine Schlagfertigkeit, wie Sie sich viele wünschen.

Der SPD-Abgeordnete Volker Münchow spielt frech darauf an, dass Christian Lindner mit einem Internet-Start-up gescheitert ist. Darauf geht Lindner direkt ein. Er schimpft ihn sofort, ob er der SPD-Ministerpräsidenten Hannelore Kraft nicht zugehört hätte. Denn diese hatte kurz zuvor in ihrer Rede empfohlen, gescheiterte Gründer nicht lebenslang zu stigmatisieren.

Lindner wiederholt mehrfach seine Worte. Dadurch gewinnt er nicht nur Zeit zum Nachdenken, dies betont vor allem seine Worte und macht seine Emotionen umso deutlicher. Gleichwohl geht er in keiner seiner Ausführungen zu weit, obwohl er sehr deutlich wird.

Lindner wendet sich direkt an die Ministerpräsidentin und schwärzt den Zwischenrufer bei ihr an. Lindner ist dabei durchaus laut, er steckt den Zeigefinger zur Ministerpräsidentin und auch zum Abgeordneten wiederholt aus, sticht zu. Gleichzeitig ist seine Erregtheit an hektischen Beinwechsel zu sehen.

Er schiebt nach und holt gleich direkt zu einem Angriff auf die SPD und Ihre „Umverteiler-Denke" aus. Besonders aggressiv werden seine Worte, als er sagt: „Es sind meistens solche Sozialdemokraten, die ihr ganzes Leben im Staat gearbeitet oder vom Staat gelebt haben, die anderen unternehmerisches Engagement vorwerfen." Damit nutzt er die Gunst der Situation und weitet seinen Angriff auf den linken Flügel der SPD aus. Eine bessere Steilvorlage hätte er sich nicht wünschen können.

Applaus wartet er ab, indem er den Anfang seines nächsten Satzes mehrfach wiederholt, bis ihn wieder jeder verstehen kann. Verstärkende Wiederholungen, die Ihre Wirkung nicht verfehlen. Er setzt zum finalen Stoß an. Er stellt den Angreifer so dar, dass dieser die Rede Hannelore Krafts lächerlich und zunichte gemacht habe.

Jetzt reibt er sich sogar die Hände und lacht innerlich, denn jetzt fühlt er sich als der Gewinner der Situation. Er legt sogar noch eines drauf. Er sagt, er könne das aushalten, er sei einiges gewohnt. Aber „welchen Eindruck macht so ein dümmlicher Zwischenruf wie Ihrer auf irgend einen gründungswilligen jungen Menschen?"

Der Gewinner dürfte Lindner auch sein. Denn derartig emotionale Seiten eines Politikers, wenn Sie denn nicht übertrieben oder künstlich wirken, kommen an. Er wird Applaus dafür bekommen bei vielen Menschen, die vielleicht einmal die FDP gewählt haben und nun vielleicht doch endlich wieder den Charakter erkennen, den Sie die letzte Zeit so vermisst haben.

Am Ende kann sich der FDP-Vorsitzende beim Zwischenrufer fast bedanken, denn über diese Rede wird man noch länger reden.



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