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09/10/2016 10:33 CEST | Aktualisiert 10/10/2017 07:12 CEST

"Wie wird man Israel los", Mittlerweile gestrichener neuer Kurs an der Berkeley Universität

Yadid Levy / robertharding via Getty Images

Vor kurzem habe ich erfahren, dass die renommierte Universität von Kalifornien, Berkeley, beabsichtigte, dieses Jahr einen Kurs zum „Siedlerkolonialismus" in Israel, d. h. zu Juden als Kolonialisten, anzubieten. „Auf Grundlage der Literatur zur Entkolonisierung" sollte der Kurs „Möglichkeiten eines dekolonisierten Palästinas" erforschen.

Anders gesagt: Lasst uns darüber reden, wie man Israel vollständig beseitigen kann. Nicht nur der Seminarleiter sollte die entsprechenden Möglichkeiten erforschen. Auch die Studenten sollten „dekoloniale Alternativen zur gegenwärtigen Situation erforschen, formulieren und präsentieren".

Konfrontiert mit Kritik über Voreingenommenheit, Einseitigkeit und Verletzungen der akademischen Standards nahm die Universität den Kurs vom Plan. Dennoch trägt die Streichung des Kurses nicht zur Verbesserung der giftigen Atmosphäre bei, welche jüdische Studenten an amerikanischen Universitäten tagtäglich erdulden müssen.

Als ich von diesem Kurs hörte, erinnerte ich mich an einen düsteren Abend, den ich 2004 bei Hillel an der Universität von Kalifornien, Berkeley, verbracht habe. An diesem Abend hielt ich dort einen Vortrag über die Weisheit der Kabbala und über das, was sie über die jüdische Einheit und die Rolle des jüdischen Volkes in der Welt sagt.

Es war ein kalter Abend und ein kalter Empfang. Dennoch versuchte ich es, konnte aber keine Verbindung mit den Studenten aufbauen; sie wollten nicht akzeptieren, dass das jüdische Volk eine Rolle und eine Verpflichtung gegenüber der Welt haben.

Unmittelbar in Anschluss an den Vortrag sprach mich ein Mann an und sagte, dass Hillel nicht der Ort dafür sei, um über die Rolle des jüdischen Volkes zu sprechen, da die Leute hier alles haben würden, was sie brauchen. Ich versuchte ihm zu sagen, dass jüdisch zu sein nichts damit zu tun hat, was wir brauchen, sondern damit, was andere brauchen und was der Rest der Welt braucht.

Ich versuchte zu erklären, dass wir uns nicht um unsertwillen vereinigen müssen, sondern um der Welt willen, die in unserer überegoistischen Gesellschaft verzweifelt nach einem Weg dafür sucht, und dass wir dafür bestimmt sind, das Vorbild zu sein. Er konnte mich nicht hören. Die Botschaft konnte einfach nicht in sein Bewusstsein dringen.

Ich reiste ab. Ich wusste, dass es für Juden in San Francisco ohne die Verbindung zu ihrem Volk und dessen Rolle in dem Prozess, den die Welt durchlebt, und ohne das Verständnis für das Ausmaß der Abhängigkeit der Zukunft der Welt von der Korrektur, die Israel durchführen muss, keine Zukunft geben würde.

Der Kurs, den die Universität Berkeley anzubieten plante, ist nur der Beginn der nächsten Welle des Antisemitismus, der sich an amerikanischen Universitäten ausgebreitet hat. Demnächst werden sich die Universitäten nicht einmal mehr bemühen, eine Fassade der akademischen Integrität aufrechtzuerhalten. Der einzige Zweck solcher Kurse wird darin bestehen, die palästinensische Sache voranzubringen und Israel zu de-legitimieren.

Jüdische Studenten fühlen sich an Universitäten bereits sehr unwohl und teilweise bedroht. Viele von ihnen fürchten sich schon jetzt davor, jüdische Symbole wie Halsketten mit dem Davidstern oder eine Kippa zu tragen. Können wir uns vorstellen, wie sie sich fühlen werden, wenn solche Kurse allgegenwärtig werden? Wer denkt, dass er zwischen antiisraelischen und judenfeindlichen Sentiments unterscheiden kann, soll auf die Geschehnisse in Europa schauen.

Das Ende des Moratoriums

Bis vor ein paar Jahren schien es noch, als hätten amerikanische Juden eine geheime Formel gefunden, um den Antisemitismus aufzulösen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts und sogar bis in die 50er Jahre war der Antisemitismus, ob offenkundig oder verdeckt, noch immer ziemlich zügellos, und Juden wurden oft von Universitäten, Vereinen und bestimmten Berufen ausgeschlossen.

Der Holocaust und die anschließende Gründung des Staates Israel schienen eine neue Ära eingeläutet zu haben, und der Antisemitismus schien zusammen mit Hitler dahingeschwunden zu sein.

Doch nun hat sich der Wind gedreht. Liel Leibovitz schrieb im Tablet Magazine, und ich stimme dem zu, dass sich die Politik für amerikanische Juden, ganz gleich wer die Wahl gewinnen werde, "in einer Art verändern wird, die wir nicht einmal ansatzweise begreifen können, die aber auf nicht triviale Weise das Ende der mehr als ein halbes Jahrhundert langen jüdisch-amerikanischen Blütezeit bedeuten wird."

Auch wenn ich glaube, dass ein Sieg Clintons einen viel schnelleren und finstereren Niedergang herbeiführen wird, wird der Trend unabhängig vom Gewinner ähnlich verlaufen.

Das Moratorium auf offenkundigen Judenhass findet schnell zu einem Ende. Wenn wir eine weitere Tragödie in der scheinbar endlosen Kette von Verfolgungen, Vernichtungen und Vertreibungen vermeiden wollen, dann müssen wir jetzt handeln und nur so, wie unsere Vorfahren uns dazu angewiesen haben.

Einheit, Unsere Beste Verteidigung

„Die beste Verteidigung gegen Unheil ist Liebe und Einheit. Wenn es in Israel Liebe, Einheit und Freundschaft untereinander gibt, dann kann kein Unheil sie treffen" (Maor Vaschemesch). „Uns wird befohlen, in jeder Generation die Einheit unter uns zu stärken. So können unsere Feinde uns nicht beherrschen" (Das Buch des Bewusstseins).

„Wenn die Einheit Israel im alten Zustand wieder herstellt, wird Satan keinen Ort finden, an dem er einen Fehler unterbringen kann" (Schem Mischmuel). „Dies ist die gegenseitige Fürsorge, an der Moses vor seinem Tod so hart gearbeitet hat, um die Kinder Israels zu vereinigen. Ganz Israel ist füreinander verantwortlich, das heißt, wenn alle zusammen sind, sehen sie nur Gutes" (Schallende Stimme)

Vor der Zerstörung des Tempels entwickelten unsere Vorfahren eine einzigartige Methode der Verbindung. Weder unterdrückten sie den Charakter oder die Talente der Anderen, noch nutzten sie einander aus. Sie nutzten ihre individuellen Fähigkeiten für das gemeinsame Wohl und errichteten dadurch eine Gesellschaft, welche sowohl die individuelle Selbstverwirklichung des Einzelnen unterstützte als auch das soziale Gefüge stärkte, welches sie zusammenhielt.

Unsere Vorfahren unterdrückten weder ihre Unterschiede noch spielten sie diese herunter. Sie veränderten nur das Ziel, welches sie mit ihrer Arbeit anstrebten. Anstelle des Strebens nach eigenem Vorwärtskommen suchten sie nach einem Weg, die gesamte Gesellschaft voranzubringen und eine Win-win-Situation zu schaffen, in der jeder gewinnt.

Dieser scheinbar kleine Unterschied bringt eine grundlegende Veränderung mit sich. Er schafft ein gemeinsames Interesse, indem er das gesamte persönliche Potenzial von jedem einzelnen Mitglied der Gemeinschaft erkennt.

Des Weiteren bringt er jedes einzelne Mitglied der Gemeinschaft dazu, ein Interesse daran zu haben, das gesamte Potenzial aller anderen Mitglieder der Gemeinschaft zu erkennen, da dies für das Wohlergehen aller anderen Mitglieder der Gemeinschaft förderlich ist. Mit einem Wort, diese Veränderung des Ziels setzt die Theorie, seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben, in die Praxis um.

Heutzutage ist die einfache, aber effektive Methode der Verbindung, die unsere Vorfahren perfektioniert und mit den Völkern zu teilen geschworen hatten, unerlässlich für das Überleben unserer Gesellschaft. Jetzt müssen wir sie uns selbst zuliebe und zuliebe der ganzen Menschheit verwirklichen, wie es uns unsere Weisen sagen.

Unser Einziges Vermögen

Tief im Inneren trägt jeder Jude eine verborgene Erinnerung an diese Verbindung und an unsere Verpflichtung, die Methode weiterzugeben. Tief im Inneren fühlt jeder Nichtjude, dass Juden auf irgendeine Art zusammenhalten und füreinander sorgen. Viele Nichtjuden wissen, dass die Einheit der Juden eine kraftvolle Sache ist, aber viele von ihnen interpretieren sie falsch und denken, dass wir die Welt erobern wollen.

In der Natur ist es so programmiert, dass wir die Überbringer der Botschaft des Friedens und der Einheit sein werden, indem wir ein Beispiel setzen. Somit betrachten Menschen uns als Übeltäter, solange wir dieser Aufgabe ausweichen. Wir müssen unsere Einheit wieder entfachen und sie mit der Welt teilen. In diesem Zusammenhang schrieb Henry Ford, ein Antisemit: „Neue Reformer, die auf dem Papier vorbildliche soziale Systeme entwerfen, sollten einen Bück auf das Gesellschaftssystem richten, unter dem die ersten Juden organisiert waren."

Unsere Existenz ist in den Augen der Welt nur dann berechtigt, wenn wir der Welt den Frieden und das Lebensglück geben, welche sie verdient. Solange wir uneinig sind, verbreiten wir keine Einheit. Anstatt „ein Licht für die Völker" zu sein, verbreiten wir das Gegenteil, und die Welt verschmäht uns zu Recht.

Wir können nur uns selbst für den Hass zwischen uns beschuldigen. Solange wir gemein zueinander sind, wird die Welt uns gegenüber gemein sein, da wir keine Güte verbreiten können. Wenn wir allerdings dieses besondere Vermögen nutzen, die einzigartige Methode der Verbindung, die den Menschen lehrt, das eigene Potenzial zu verwirklichen und dabei die Gesellschaft zu festigen, dann wird unser Beispiel die Welt darüber aufklären, warum es Juden gibt und warum Juden unerlässlich für ihr Lebensglück sind.

Universitätskurse, wie der Kurs, der zu Beginn dieses Beitrags erwähnt wurde, haben nur eine Existenzberechtigung, solange wir nicht wissen, warum wir hier sind und was der Sinn unseres Lebens ist. Wenn wir allerdings erkennen, wer wir sind und was für ein großartiges Geschenk der Einheit wir der Welt geben müssen, dann wird uns die Menschheit zum ersten Mal und für immer umarmen.

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