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28/01/2016 04:48 CET | Aktualisiert 28/01/2017 06:12 CET

Von Worten zum Völkermord- UNESCO erforscht die Macht der antisemitischen Propaganda

Joshua Haviv via Getty Images

Das Motto von UNESCO für den diesjährigen Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar lautet „Von Worten zum Genozid; antisemitische Propaganda und der Holocaust". Die Ansprachen an diesem Tag sollen den Ursprüngen und Konsequenzen der Volksverhetzung gewidmet sein.

Der Internetauftritt von UNESCO kündigt den Gedenktag an und erklärt, dass der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust ins Leben gerufen worden sei, „um Mitgliedsstaaten dazu anzuhalten, Bildungsprogramme zu entwickeln, um der zukünftigen Generation die Erinnerung an die Tragödie zu vermitteln, und so einen weiteren Völkermord zu verhindern."

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Die Organisation zitiert auch Generaldirektorin Irina Bokova mit den folgenden Worten (vom 27. September 2015): „Die Prävention von Völkermord beginnt auf den Schulbänken... Erziehung kann dabei helfen, der Volksverhetzung vorzubeugen und Vorurteile zu untergraben." Diese ehrlichen Worte von Frau Bokova entsprechen dem Geist dessen, was ich von ihr bei unserem Treffen vor ein paar Jahren in Paris hörte.

Es gibt sie, die reale Gefahr eines weiteren Holocausts in vorhersehbarer Zukunft.

Dennoch unterstreichen diese Worte die reale Gefahr eines weiteren Holocausts in vorhersehbarer Zukunft. Man ziehe sich da nur die ungezügelten Hassreden gegen Israel an den Universitäten in ganz USA und England zu Gemüte; die verzerrten, oft falschen oder verdrehten „Tatsachen", die dort vorgebracht werden, und man vergleiche das mit der antisemitischen Atmosphäre, die in Nazi-Deutschland herrschte.

Man kommt nicht umhin, zu erkennen, dass Bokovas Erziehungsvision das genaue Gegenteil zu den Ereignissen der Gegenwart ist.

Israel-Bashing steht an den Universitäten von Kalifornien bis New York auf der Tagesordnung. „Professoren machen den jüdischen Studenten beim Unterricht Vorhaltungen, verhöhnen sie und geben ihnen aufgrund ihrer verschiedenen Sichtweise auf den Nahostkonflikt schlechte Noten."

Im Vereinten Königreich haben „Hunderte von britischen Akademikern Empörung hervorgerufen, als sie verkündet haben, alle israelische Universitäten boykottieren zu wollen." UK Media Watch im Vereinten Königreich berichtet, dass der Guardian „BDS-befürwortende Werbung von privilegierten Briten" herausgebe, die „Israels Existenz feindlich gegenüber stehen".

Juden fühlen sich in ganz Europa unsicher.

Juden fühlen sich in ganz Europa unsicher, insbesondere in den liberaleren Ländern. Genauso wie in der Vorkriegszeit in Deutschland wird die Meinungsfreiheit dafür genutzt, unbegründete Aussagen zu verbreiten, die den Hass gegenüber Israel und den Juden schüren.

Ich habe bereits geschrieben, warum ich denke, dass Juden in Europa keine Zukunft haben. Allerdings muss ich mich klarer ausdrücken: Wir Juden haben nirgendwo eine Zukunft, zumindest keine, die wir als wünschenswert erachten würden, außer wir machen unsere Arbeit.

Was ist unsere „Arbeit"? Unsere Arbeit besteht darin, uns zu vereinigen. Einer der Kommentare auf den eben erwähnten Beitrag „Warum Juden in Europa keine Zukunft haben" lautete: „Auserwähltes Volk...wie arrogant das ist!"

Ich kann diesen Kommentar verstehen, aber wir müssen uns daran erinnern, dass wir nicht dazu auserwählt wurden, Herrscher über die Welt zu sein; wir wurden dazu auserwählt, der Welt den Weg zu einer Verbindung über alle Unterschiede hinweg zu ebnen, sodass die Menschen in der Lage dazu sein werden, einander wie sich selbst zu lieben.

Um dahin zu gelangen, müssen wir den Weg zuerst selbst gehen. Wir haben es schon einmal geschafft, und zwar als wir erstmals zu einem Volk wurden. Die Aufgabe, die uns gegeben wurde, „ein Licht für die Völker" zu sein, besteht nur im Folgenden: Bringt das Licht der Einheit, denn die Welt stürzt in den Abgrund der Ego-Kriege und des krankhaften Narzissmus hinab.

Wenn wir unserer Aufgabe ausweichen, dann wird die Welt uns für den nächsten Weltkrieg beschuldigen, welcher aus der Rücksichtslosigkeit und der Gleichgültigkeit gegenüber Mitmenschen resultieren wird.

Wir sind ein Volk der Ideologie der Barmherzigkeit und Nächstenliebe.

Wir sind ein Volk, welches aus der Ideologie der Barmherzigkeit und Nächstenliebe geschmiedet wurde, als Fremde sich dazu entschlossen, sich zu vereinigen und sich als Gleiche unter Gleichen zu verbrüdern.

Wir wurden zu einem Volk, als wir gelobten, „wie ein Mensch mit einem Herzen" zu sein. Seitdem standen wir in der Pflicht, diese Verbindung, Modus operandi unseres Volkes, aufrechtzuerhalten; uns da ist uns auch die Aufgabe gegeben worden, ein Licht für die Völker zu sein - nicht als Bevollmächtigte, sondern als Bedienstete! Der Dienst der Juden an die Welt ist, Nächstenliebe zu praktizieren und vorzuleben.

Im Laufe der Zeit haben wir diese einzigartige und vormals kultivierte Verbindung abgelegt und sind egozentrisch geworden. Das Problem ist, dass die Menschheit nun ihre vollkommene wechselseitige Abhängigkeit erkannt hat, und nach einem Weg sucht, wie wir gemeinsam friedlich leben können -diesen aber nicht findet.

Wir hielten ihn in unseren Händen, ließen ihn aber los. Erst wenn wir lernen, so verbunden zu sein wie vorher, wird auch die Welt den richtigen Weg finden, und bis dahin wird sie uns weiterhin für all ihre Leiden die Schuld geben. Aus diesem Grund müssen wir Juden, wenn wir den nächsten Holocaust verhindern wollen, der Welt das Licht der Einheit offenbaren.

Alle Probleme in der Welt wurden durch den Mangel an gutem Willen und durch die Entfremdung unter uns geschaffen.

Es mag arrogant klingen, aber wir werden bereits für all das beschuldigt, was in der Welt schief geht, von Ebola bis zum Klimawandel. Es leuchtet also ein, dass wir auch rückgängig machen können, wofür wir beschuldigt werden. Alle Probleme in der Welt wurden durch den Mangel an gutem Willen und durch die Entfremdung unter uns geschaffen, oder zumindest verschlimmert.

Wenn wir es schaffen, die Entfremdung in Verbundenheit umzuwandeln, dann werden wir fast jedes Problem in unserem Leben lösen können. Solange wir Juden allerdings kein Beispiel von Einheit und gegenseitiger Verantwortung setzen, wird es niemals so etwas geben, nicht in dem Ausmaß der gegenseitigen Verantwortung, die vonnöten ist, um unser Leben zu verändern.

Weitere Tragödien und Völkermorde werden die Folge sein ... bis wir endlich lernen, was von uns verlangt wird, und diese Aufgabe ausführen. Nun haben wir zumindest eine Chance - mit Bildung.

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