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03/12/2016 11:28 CET | Aktualisiert 04/12/2017 06:12 CET

Wahrscheinlich sind wir (vorerst) verschont geblieben

ASSOCIATED PRESS

Warum Trumps Sieg eigentlich die beste Nachricht ist, die wir hätten erhoffen können.

Keine Umfrage konnte dies vorhersehen, doch Trump ist der neue designierte Präsident. Meiner Ansicht nach, und dies habe ich schon mehrmals ausführlich erörtert, auch in den israelischen Zeitungen, ist Trumps Triumph die beste Nachricht für Juden.

Obwohl sie sich in Massen um Clinton gescharrt haben, wie auch vorher schon um Obama und alle anderen demokratischen Kandidaten der letzten Jahrzehnte, hat der Kandidat gewonnen, der für Juden besser ist, und die Juden in den USA und in Israel sind (vorerst) verschont geblieben.

Vor einigen Wochen hat die UNESCO Israel eine Verbindung zum Tempelberg aberkannt. Ich habe damals geschrieben, dass diese Entscheidung der UNESCO der Anfang vom Ende des Staates Israels darstellt. Und doch, sogar ich war erstaunt, in welcher Geschwindigkeit die Dinge sich verschlechtert haben.

Während die Augen der ganzen Welt auf die Stimmzählung gerichtet waren, hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York für mindestens neun Anti-Israel Resolutionen gestimmt, mindestens zwei von denen die jüdische Bindung zum Tempelberg ignorieren.

Diese Abstimmungen sind Teil einer Serie von Schritten gegen Israel, die nun folgen werden, und Teil einer Fehde gegen Israel, die Obama seit geraumer Zeit geplant hatte. Hätte Hillary Clinton gewonnen, wäre Israels Situation um einiges schlimmer.

Trumps Sieg jedoch, einher mit der Dominanz der republikanischen Partei sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat, gibt uns eine Verschnaufpause, um darüber nachzudenken, was wir nun tun sollten, um die nahe bevorstehende Katastrophe zu verhindern, die Juden heimzusuchen droht.

Was macht uns jüdisch?

Genau wie in Deutschland vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges oder in Spanien vor dem Anfang der Inquisition versucht nun auch das amerikanische Judentum, sich bis ins Verschwinden zu assimilieren. Laut der letzten Umfrage des Pew Zentrums unter Juden in den USA liegt der Anteil von Mischehen bei 58% gegenüber 17% in 1970. In anderen Worten wollen Juden nicht mehr Juden sein; sie bevorzugen es, konfessionslose Amerikaner zu sein.

Diese Zahlen sollten uns nicht überraschen. Wenn wiederum gemäß der Umfrage 74 Prozent der Juden fühlen, dass die Erinnerung an den Holocaust sie als Juden definiere, und weitere 42 Prozent meinen, jüdisch zu sein bedeute, „guten Sinn für Humor zu besitzen", ist es nicht weiter verwunderlich, dass viele Juden aus diesem Stamm aussteigen möchten. Wer möchte schon Teil einer Minderheit sein, die von allen gehasst wird und gezwungen ist, es mit Humor (meisten auf eigene Kosten) aufzuwiegen?

Wenn wir etwas aus der Geschichte gelernt haben, dann ist es die Tatsache, dass Juden immer verfolgt werden und sich niemals vollkommen anpassen dürfen. Es funktionierte nicht im 20. Jahrhundert in Deutschland; es funktionierte nicht im 15. Jahrhundert in Spanien, und es wird auch nicht in den USA im 21. Jahrhundert funktionieren.

Antisemitismus ist keine Paranoia

JStreet, Juden für Gerechtigkeit in Palästina, und andere von Obama unterstütze Organisationen haben versucht, die jüdische Gemeinde auseinander zu reißen. Solange Einheit die einzige Stärke unseres Volkes ist, gibt es nichts Gefährlicheres als Spaltung.

Wie ich vor kurzem geschrieben habe, stellt die Spaltung zwischen den amerikanischen Juden und dem Staat Israel eine existenzielle Bedrohung für beide Gemeinden dar.

Die Finanzierung der Clinton-Kampagne war dementsprechend gleichbedeutend mit der Bewaffnung der Hamas durch US-Juden oder sogar noch schlimmer, für die Errichtung von eigenen Konzentrationslagern in den USA. Die Katarer und Saudis, die Hunderte von Millionen US-Dollar in die Kampagne von Clinton und in die Clinton Foundation geschüttet haben, sind sich dessen sehr wohl bewusst. Juden jedoch, die so stolz auf ihre Weisheit sind, waren Fakten gegenüber blind.

Wir könnten dies natürlich als Paranoia abschreiben, und doch ist es Fakt, dass US-Universitäten zum Nährboden für Antisemitismus geworden sind, und dass die Regierung keinen Finger gerührt hat, um es zu beenden. Diese Gleichgültigkeit gegenüber wiederholten Hassverbrechen passt ganz eindeutig nicht zu Liberalismus und Demokratie.

Wäre Clinton gewählt worden, hätte sie diese Politik mit dem gleichen Elan weitergeführt, während Obama frei gewesen wäre, sich um Israel zu „kümmern", wie er es schon über die UNO versucht. Wenn sich das jüdische Volk nicht vereint, um dadurch all diese böswilligen Pläne nichtig zu machen, werden wir diese Chance, die wir durch Trumps Sieg erhalten haben, vergeuden. Die Konsequenzen werden unvorstellbar sein.

Warum Einheit?

Jüdisch zu sein hat nicht mit Humor oder Intellekt zu tun; es geht um ausgeglichene zwischenmenschliche Beziehungen und eine Verbindung zwischen Menschen. Während die Natur eine Balance erhält, indem sie mit zwei gegensätzlichen Kräften arbeitet - der negativen und der positiven - verwenden wir Menschen ausschließlich die negative Kraft, die sich in uns als das Ego manifestiert.

Diese Kraft steckt hinter den Kriegen die wir führen, der Verschmutzung unserer Luft und unserer Meere durch uns, und hinter der Misshandlung, die wir einander zufügen. Solange die negative Kraft der einzige Antrieb für die Menschheit ist, schaffen wir eine sehr dunkle Welt für uns selbst.

Als sich die Juden am Fuße des Berges Sinai dazu verpflichteten, sich „wie ein Mensch in einem Herzen" zu verbinden, wurde die positive Kraft zum ersten Mal überhaupt der Menschheit in großem Maße vorgestellt. Gleich nachdem wir sie erhalten hatten, bekamen wir auch die Aufgabe, sie zu verbreiten und dadurch zum „Licht für die Nationen" zu werden.

Unsere Vorfahren perfektionierten eine sehr einfache Methode, um ihre Einheit aufrecht zu halten: Sie „überdeckten ihren Hass mit Liebe" (Sprüche 10:12). Anstatt zu versuchen, ihren Abscheu zueinander zu unterdrückten, vereinten sie sich über dem Hass, und beschworen dadurch die positive Kraft herauf, ihre Gemeinschaft auszugleichen, auf die gleiche Weise, wie sie auch in allen anderen Teilen der Natur eine Balance aufrechterhält. Sie arbeiteten nicht gegen den Hass, sondern sie entwickelten Liebe über ihm.

Unsere Vorväter haben dies nicht für sich selbst gemacht. Sie wollten eine Methode kreieren, die es ermöglichen würde, das Ego der gesamten Menschheit zu korrigieren und somit ein „Licht für die Nationen" zu sein. Aus diesem Grund schrieb der Kabbalist Ramchal, Moses habe sich „die vollkommene Korrektur der ganzen Welt zu jener Zeit" gewünscht. (Kommentar des Ramchal zur Thora)

Rabbi Shimon Bar Yochai fasste den gesamten Prozess dieses Überdeckens des Hasses durch Liebe mit den folgenden einfachen Worten im Buch Sohar zusammen: „Seht, wie gut und angenehm es ist, wenn Brüder zusammensitzen. Dies sind die Freunde, als sie unzertrennbar zusammensitzen.

Zuerst scheinen sie wie Krieger, die sich gegenseitig umbringen möchten. Dann kehren sie zu einem Zustand von brüderlicher Liebe zurück. ...Und Ihr, die Freunde, die ihr hier seid, so wie Ihr zuvor in Zuneigung und Liebe ward, so werdet ihr euch auch fortan nicht trennen ... Und wegen eurem Verdienst wird es Frieden in der Welt geben." (Sohar, Aharei Mot)

Die Wahl liegt in unserer Hand. Wenn wir uns dafür entscheiden, uns über dem Hass zu verbinden, welchen wir gegeneinander fühlen, und wir fühlen ihn tatsächlich, dann werden wir endlich zu dem werden, wofür wir Juden bestimmt sind: zu einem Beispiel dafür, wie Einheit über Egoismus und Entfremdung zwischen den Menschen triumphieren kann.

Solange wir jedoch die Einheit meiden, verweigern wir der Welt die Möglichkeit, den der menschlichen Natur inne wohnenden Egoismus auszugleichen. Dadurch werden wir zu unserem eigenen schlimmsten Feind, denn die Welt hasst uns für unseren Hass aufeinander und unserem Unwillen, unsere Aufgabe zu erfüllen.

Wenn wir wollen, dass die Welt unseren Wert erkennt, müssen wir zuerst unsere Mission anerkennen. Jetzt ist es an der Zeit; wir dürfen nicht warten bis es zu spät ist.

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