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17/10/2015 09:54 CEST | Aktualisiert 17/10/2016 07:12 CEST

Mit dieser eindringlichen Botschaft fordert ein Israeli Frieden

Anadolu Agency via Getty Images

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Wie nennen Sie es, wenn ein verrückter palästinensischer Mann - der bis zu diesem Moment Seite an Seite mit israelitischen Juden für eine israelische Telefongesellschaft gearbeitet hat - absichtlich sein Auto in eine Bushaltestelle fährt, die Fußgänger überfährt, dann aus einem Auto steigt und wie wahnsinnig auf dieselben Menschen einsticht (Achtung: Fotos)?

Wie nennen Sie es, wenn zwei palästinensische Kinder im Alter von 13 und 15 Jahren auf Juden einstechen, wobei einer von den Opfern selbst in ihrem Alter (13) ist, nur weil sie jüdisch sind? Sind sie für ihre Taten rechenschaftspflichtig? Was macht es möglich, Kinder in kaltblütige Attentäter zu verwandeln? Wie definieren Sie eine Situation, in der solch ein Wahnsinn in ganz Israel mehrere Male am Tag geschieht?

Und schließlich, welche Gedanken kommen Ihnen in der Kopf, wenn Sie merken, dass die internationalen Medien, denen die Situation völlig bewusst ist, diese bestenfalls nahezu vollkommen ignorieren, oder die Terroristen schlimmstenfalls als unschuldige, grundlos durch israelische Sicherheitskräfte getötete palästinensische Zivilisten darstellen? Wie setzt sich das zur Reaktion der internationalen Medien ins Verhältnis, als die jüdische Gruppe Price Tag (Preisschild) einen Terroranschlag gegen eine palästinensische Familie verübte?

Ohne Instinkt der Vergeltung

Für mich als Israeli ist es nicht leicht, über die Verantwortung zu sprechen, wenn Gefühle des Schreckens und die Rachegelüste jede noch empfindliche Stelle unseres Geistes beherrschen. Doch eben weil ich um unser Volk so besorgt bin, muss ich über das Leid hinaus schauen und unseren einzigen Ausweg beschreiben. Als Jude, der nahezu seine gesamte Familie im Holocaust verloren hat und der in Israel Kriege und Terrorangriffe erlebt hat, fühle ich mich dazu gezwungen, mich zu äußern, ohne dass der Instinkt der Vergeltung die Oberhand gewinnt.

Im Krieg, in dem wir uns mit der arabischen Welt befinden, geht es nicht um Land. Es geht um eine spirituelle und universelle Pflicht, die wir Juden erfüllen müssen. Vor der Gründung des Staates Israel sagten zwei große Gelehrte, deren Weisheit immer offenkundiger wird, den gegenwärtigen Kampf voraus und präsentierten dessen Lösung. Sie erkannten, dass wir uns selbst in großen Schwierigkeiten vorfinden würden, wenn wir diese nicht umsetzen würden.

In einem seiner Briefe schrieb Rav Kook: „Jeder globale Aufruhr geschieht im Grunde wegen Israel. Uns wurde eine große und heilige Verpflichtung auferlegt, welche wir bereitwillig und achtsam zu erfüllen haben, nämlich uns selbst und die gesamte zerstörte Welt mit uns aufzubauen."

In seinem Buch, Ain Ayah, legte Rav Kook unsere Verpflichtung genauer dar: „Wenn sich Israel erhebt (...), um der gesamten Welt eine neue und korrekte Form (der brüderlichen Liebe) zu geben, dann wird sich nicht nur Israel, sondern die gesamte Welt erheben. ...Zu dieser Zeit wird eine neue Ära beginnen, ohne den Schmutz des Bösen. Boshaftigkeit und Aufruhr werden gemeinsam verschwinden, Zorn und Trauer werden nicht mehr herrschen, und Sorge um das Gleichgewicht der Welt wird gänzlich unbekannt sein. Zu dieser Zeit wird die Gewalttätigkeit verschwinden, und das Schwert wird an Bekanntheit verlieren und vollkommen verdammt sein."

Das Schicksal des Volkes

Ein Zeitgenosse von Rav Kook war ein anderer großer Mann, dem das Schicksal des Volkes ebenfalls keine Ruhe ließ. Die meiste Zeit war er damit beschäftigt, seinen Kommentar zum Buch Sohar zu schreiben, der gegenwärtig als der ausführlichste und exakteste Kommentar überhaupt erachtet wird. Rav Yehuda Ashlag, nach seinem Sulam (Leiter) - Kommentar auch als Baal HaSulam bekannt, schrieb umfangreich über das Schicksal des jüdischen Volkes und darüber, wie wir ein nachhaltiges und florierendes Land errichten können.

In seinem Essay „Gegenseitige Bürgschaft" erklärte Baal HaSulam: „Es hängt vom israelitischen Volk ab ... sich und alle Menschen in der Welt zu befähigen, die erhabene Arbeit, den Mitmenschen zu lieben, auf sich zu nehmen." Weiter im Artikel ergänzte er: „Das israelitische Volk wurde als eine Art Tor erschaffen, durch das die Funken der Reinheit über die ganze Menschheit scheinen sollen."

Als Baal HaSulam seinen Sulam - Kommentar vollendete, feierte er dieses Ereignis mit seinen Studenten an einem sehr symbolischen Ort: Idra Zuta, die Höhle, in der Rabbi Shimon Bar Yochai und seine Schüler den Sohar verfassten. Was aber für Baal HaSulam wichtig war, war nicht die gewaltige Leistung, die er zustande brachte.

Die Zukunft des Staates Israel

Ihn beschäftigte die Zukunft des Staates Israel. Er sagte, dass uns das Land gegeben wurde, wir es aber „nicht in unsere Hände" genommen hätten. Damit meinte er, dass wir nicht begonnen haben, die Pflicht zu erfüllen, wegen der uns das Land gegeben wurde, nämlich uns miteinander zu verbinden und diese Einheit in die Welt hinauszutragen, wie oben beschrieben.

Außerdem entschied sich Baal HaSulam dazu, seine Einführung zum Buch Sohar mit einer deutlichen ausführlichen Warnung abzuschließen, die sich über mehrere Seiten erstreckt, dass Israel ein Vorbild für die Welt sein müsse, und dass sich sonst die Schrecken des Holocausts wiederholen würden.

Ich wünschte, es wäre einfacher, aber die Welt wird uns solange nicht in Frieden lassen, bis wir den Mut aufbringen, uns zu verbinden, aus der Tiefe unserer Herzen und ohne Rücksicht auf die Umstände. Diese zwei großartigen Männer haben uns ihre Botschaft hinterlassen, um uns zu diesem Schritt zu ermutigen.

Nicht mit Waffen, sondern mit Geist

Sie wussten, dass Israels Kriege nicht mit Waffen gewonnen werden, sondern mit Geist. Wenn wir den Geist unseres Volkes akzeptieren und annehmen, den Geist von „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" und „Was dir verhasst ist, tu auch anderen nicht an", dann werden wir das stärkste Volk auf Erden sein. Nicht etwa, weil wir unsere Feinde besiegen, sondern weil wir keine haben werden.

Ich rufe alle Juden, deren Herz angesichts der Situation unseres Volkes schmerzt, dazu auf, sich „wie ein Mensch mit einem Herzen" zu verbinden. Lasst uns der Welt ein Beispiel der Einheit sein, das die ganze Menschheit annehmen kann und möchte. Wenn wir uns verbinden, dann wird die Welt das Licht am Ende des Tunnels des Hasses sehen, in den wir hinein gestolpert sind, und dann werden wir alle zu einer leuchtenden und vielversprechenden Zukunft emporsteigen.

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