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11/10/2015 06:14 CEST | Aktualisiert 11/10/2016 07:12 CEST

Mahmoud Abbas verstärkt die Isolation Israels - Wo und wann wird es enden?

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Vor etwas über einer Woche kündigte Mahmoud Abbas, Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, an, dass die Palästinenser nicht länger durch die Osloer Verträge gebunden seien. Niemand schien überrascht. Seine Berater hatten versprochen, dass er bei seiner jährlichen UN-Rede eine Bombe platzen lassen würde. Der Inhalt der Rede sickerte Wochen vor dem eigentlichen Event zu den Medien durch. Stein für Stein wird eine Mauer der Isolation um Israel herum erbaut, und boshafter Antisemitismus macht sich in der ganzen Welt breit.

Schlimmer noch, jede neue Krise schüttet Öl ins Feuer des Antisemitismus und der Israelfeindlichkeit. Am 19. September berichtete die Jerusalem Post, dass der Sozialdemokrat und Oberbürgermeister der Stadt Jena, Albrecht Schröter, Israel der Mitverantwortung für die syrische Flüchtlingskrise beschuldigte und an den deutschen Außenminister appellierte, weniger Hemmung gegenüber dem jüdischen Staat zu zeigen.

Im Handumdrehen wären wir zum selbstverständlichsten Übeltäter in der Flüchtlingskrise geworden, in der chinesischen Wirtschaftsflaute und in dem aufkeimenden Konflikt zwischen Russland und den USA in Syrien, und wer weiß, was das Schicksal sonst noch alles auf Lager hat.

Während wir allerdings der Brennpunkt dieser ganzen Feindseligkeit sind, sind wir auch in der einmaligen Lage, es rückgängig machen zu können. Wie das? Jeder weiß, dass wenn man Kräfte vereint, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, man damit die Erfolgsaussicht erheblich steigert. Was weniger offensichtlich ist, ist jedoch an und für sich der Wert der Einheit.

Wir Juden haben eine Geschichte der Umsetzung der Einheit als Mittel zur gesellschaftlichen Heilung. Der Midrasch, wie auch Maimonides, erzählen von Abrahams Anstrengungen, seine Mitbabylonier zu vereinen, nachdem er ihre wachsende Entfremdung erkannt hatte. Er wünschte, er könnte die Einheit allen Menschen ermöglichen und nicht nur seinem Stamm. Dass er sein Heimatland verließ, geschah nur aus dem Grund, dass ihm mit dem Tod gedroht wurde. Doch selbst als er reiste, verbreitete er seine Methode, um Einheit zwischen den Menschen zu stiften. Diejenigen, die sich ihm damals angeschlossen haben, sind uns heute als Juden bekannt.

Ein paar Jahrhunderte später vollendete ein anderer großer Anführer, Moses, die Aufgabe und besiegelte die Schöpfung unseres Volkes, als wir uns verpflichteten, „wie ein Mensch mit einem Herzen" zu sein. Daher sind die Einheit und die Nächstenliebe das Grundgestein unseres jüdischen Daseins. Nachdem wir uns verbunden haben, wurden wir zu einem starken Volk, durchquerten die Wüste, entdeckten Kanaan und machten es zu unserem Land.

Allerdings wurde unsere Einheit im Laufe der Zeit schwächer, und mit ihr nahm auch unsere Stärke ab. Schließlich entschieden wir uns für grundlosen Hass anstelle der Solidarität - und verloren deswegen unser Land für viele Jahrhunderte.

So lange wie wir in Unwissenheit über unsere einmalige Fähigkeit, uns zu verbinden, verweilen, werden wir nicht in Sicherheit sein. Jetzt müssen wir uns selbst daran erinnern, dass wir ein registriertes Patent auf die mächtigste Waffe der Welt haben, und zwar die Einheit. Das Suchen nach Stärke in militärischer und finanzieller Macht und politischem Geschick wird uns nicht mehr Sicherheit bringen; es wird nur den Zorn der Welt auf uns verstärken.

Heutzutage hängt die Fähigkeit, eine geistig gesunde menschliche Gesellschaft aufrechtzuerhalten, gänzlich von unserer Empfindung der Solidarität ab. Die allzu geläufigen Vorfälle extremer Gewalt, wie beispielsweise die Schießerei am Umpqua Community College in Oregon, die Massen-Rekrutierung des IS (30.000 allein in den letzten zwölf Monaten gemäß der NYT) und das betrügerische Verhalten von mächtigen Unternehmen, wie wir das zur Zeit in der Automobilindustrie verfolgen konnten, sind nur Symptome der egoistischen Natur der heutigen Gesellschaft. In der Tat, wir sind schwerkrank.

Diese Umstände machen uns Juden, die wir offensichtliche Eigentümer des Heilmittels sind, zum mächtigsten Volk der Erde, da das Schicksal der Welt von unserer Fähigkeit, die Einheit umzusetzen und sie mit der Welt zu teilen, abhängt. Dies ist keine tugendhafte Pflicht; es ist die einzige Hoffnung für das Überleben der Menschheit und auch für unser eigenes Überleben.

Und dennoch versuchen wir, anstatt die Einheit zu verbreiten, der Welt zu beweisen, dass wir bloß wie alle anderen sind. Kein Wunder, dass alle uns für das, was mit der Welt nicht in Ordnung ist, beschuldigen. Dies ist lediglich ein anderer Ausdruck für den Satz: „Ihr verursacht die Probleme, also könnt ihr sie beheben." Wenn ein Mensch an einer tödlichen Krankheit leiden und dabei klar empfinden würde, dass irgendjemand ein Heilmittel für ihn hat, es aber nicht mit ihm teilen will - wie würde er sich gegenüber dieser Person fühlen? Da die Menschheit im Großen und Ganzen so fühlt, wird sie nicht damit aufhören, uns zu hassen, bis sie sieht, dass wir nicht länger ihr „drängendstes Problem" sind, wie es Henry Ford in seinem berüchtigten Buch schrieb.

Da wir Juden die Einheit zwischen uns in der Vergangenheit bereits umgesetzt hatten, obliegt es jetzt uns, sie der Welt zu bringen. Die Menschheit hält uns verantwortlich für all ihre Schwierigkeiten; sie fühlt sich von uns abhängig. Weil nur wir, sollten wir uns dazu entschließen, eine nachhaltige Methode gegen die menschliche Entfremdung bieten können, sind wir für das Schicksal der Welt verantwortlich.

In diesen Tagen ist es schlichtweg verpflichtend, dass wir es zu unserer obersten Priorität machen, über alle Unterschiede hinweg hinauszuwachsen und dazu zurückzukehren, „wie ein Mensch mit einem Herzen" zu sein. Unsere Welt ist ein kleiner Teich. Wenn wir uns verbinden, dann wird sich unser Beispiel in diesem Teich schneller verbreiten als ein Tsunami. Genauso wie die Menschheit uns jetzt für all ihre Leiden verantwortlich hält, wird sie uns dann für all ihre Freude dankbar sein.

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