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23/02/2016 12:52 CET | Aktualisiert 23/02/2017 06:12 CET

Vizevorsitzender der Präsidentenkonferenz trifft den Nagel auf den Kopf, aber der Nagel muss noch in die Köpfe rein

Rob Stothard via Getty Images

Am vergangenen Mittwoch sagte Malcolm Hoenlein, Vizevorsitzender des Dachverbandes der jüdischen Organisationen der USA, in einem Interview, dass der Antisemitismus in der Vereinigten Staaten eindeutig ansteige. Wenige Augenblicke zuvor wurde Hoenlein vom Gastgeber Attila Somfalvi aufgefordert, ein Phänomen zu benennen, das er für die größte Gefahr in den kommenden fünf Jahren halte. Hoenlein antwortete: „Die erste Gefahr ist die innere Einheit - Einheit unter den Juden, innerhalb der Jüdischen Gemeinde und zwischen Israel und den Jüdischen Gemeinden."

Es ist sehr ermutigend zu sehen, wie solch eine Schlüsselfigur im amerikanischen Judentum die Einheit als unser größtes Problem einstuft. Es ist weit weniger ermutigend zu denken, wie viele Hindernisse diese Sichtweise noch überwinden müssen wird, bevor sie innerhalb der jüdischen Gemeinde zum Mainstream wird, sowohl in Israel als auch in den Vereinigten Staaten.

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Kluft zwischen den Unterstützern der „Esel" und den Unterstützern der „Elefanten"

Im Augenblick ist die Atmosphäre innerhalb des amerikanischen Judentums mit Misstrauen und Verstimmung erfüllt. Die kommenden Wahlen vertiefen die Kluft zwischen den Unterstützern der „Esel" und den Unterstützern der „Elefanten". Ähnlich wie in den Vereinigten Staaten hat der politische Diskurs in Israel während den letzten Wahlen neue Höhen der Feindseligkeit und Bosheit erreicht, und Beruhigung scheint nicht in Sicht.

Damit die Mehrheit von uns erkennt, wie entscheidend die Einheit für unser Überleben ist, scheint bedauerlicherweise mehr von dem Faktor vonnöten zu sein, der uns normalerweise zusammenbringt, nämlich Antisemitismus. Ohne Judenhass würden wir uns niemals verbinden wollen. Wir würden uns weiterhin für den ausartenden Kapitalismus und den Wettbewerb einsetzen, als wären dies Gottes Geschenke an die Menschheit.

Nur wenn die Welt uns als ein Ganzes schlecht macht, erinnern wir uns daran, dass wir eigentlich diejenigen sind, die das Motto „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" ins Leben gerufen haben, und dass uns versprochen wurde, darin würde unsere Erlösung liegen.

Kompromisse und Zugeständnisse

Es ist sehr natürlich, die Einheit nicht zu begehren. Wenn wir daran denken, dann kommen uns unmittelbar die Kompromisse und Zugeständnisse in den Sinn, die wir machen müssten. Wer möchte das schon?

Doch genau hier liegt unser Fehler. Man bedenke: Wenn wir unsere Kinder auf so eine Weise erziehen könnten, dass sie niemals auf etwas verzichten müssten, und immer das machen und haben könnten, worauf sie Lust haben, ohne dass es sie total verzogen machen würde, würden wir es etwa nicht für sie wollen? Genau dies ist der große Gewinn der besonderen Einheit, die das Volk Israel durch das Praktizieren der Nächstenliebe entwickelt hat.

Wenn man sich so vereint fühlt, als sei man ein einziges Ganzes, dann profitiert die Gemeinschaft umso mehr, je stärker und kraftvoller jedes einzelne ihrer Elemente wird. Unter praktischen Gesichtspunkten bedeutet dies, dass wir unsere einzigartigen Fähigkeiten maximal entfalten können und auch sollten. Allerdings sollten wir dies zum Wohle der Gesellschaft tun, und nicht für uns selbst. Das ist ein Konzept, zu welchem jeder Jude innerlich grundsätzlich geneigt ist, und welches unvorstellbare Kräfte in der Gesellschaft entfesselt, falls es verwirklicht wird.

Einzigartigkeit für die Verbesserung des Ganzen

In solch einer gesellschaftlichen Atmosphäre könnten wir so sein, wie wir sind, ohne Energie für die Errichtung von Verteidigungsmechanismen verschwenden zu müssen, im vollständigen Wissen, dass jeder von uns seine Einzigartigkeit für die Verbesserung des Ganzen einsetzt. Anstatt zu konkurrieren, würden wir einander dazu ermutigen, einzigartig zu sein, zu gedeihen und sich hervorzutun, da wir wissen würden, dass der Gewinn eines Jeden gleichzeitig ein Gewinn von uns alle ist.

Dies ist die Wesensart des „Lichts für die Völker", das wir anstreben müssen. Dies ist die Art der Gesellschaft, von der der britische Historiker Prof. Paul Johnson in Geschichte der Juden schreibt:

„In einer sehr frühen Phase ihrer kollektiven Existenz glaubten sie, sie besäßen einen göttlichen Plan für die menschliche Rasse, für welchen ihre eigene Gesellschaft der Vorreiter sein sollte."

Wenn wir einander dabei helfen können, solch eine Gesellschaft aufzuziehen, dann werden wir den Antisemitismus auslöschen, ohne ihn zu bekämpfen, was ohnehin ein zweckloser Kampf wäre; wir würden es schaffen, indem wir ein Beispiel dafür setzen, wie wir uns zueinander verhalten sollten, und wie das zu erreichen ist.

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