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16/03/2016 11:48 CET | Aktualisiert 17/03/2017 06:12 CET

Warum Meinungsfreiheit ein Trugschluss ist

Oliver Benn via Getty Images

Wenn jemand sagt: „Muslime sind..." oder „Schwarze sind...", dann wird diese Person unmittelbar als islamfeindlich oder rassistisch eingestuft. Wenn jemand allerdings sagt: „Juden sind..." oder „Israelis sind...", legitimieren einige Menschen solche Aussage im Namen der Meinungsfreiheit, selbst wenn die Aussage nicht nur böswillig, sondern geradezu grotesk ist.

Diese Doppelmoral macht den Antisemitismus aus. Wenn jemand wagen würde, über Muslime, Schwarze, oder über irgendeine andere ethnische oder religiöse Gruppe das zu sagen, was die Assistenzprofessorin des Oberlin-Colleges für Rhetorik und Komposition, Dr. Joy Karega, über Juden und Israel sagt, würde er oder sie gescholten und möglicherweise gefeuert werden.

Karega nutzt den Mantel der Meinungsfreiheit

Am 3. März titelte Forward mit der Schlagzeile „Im verdrehten antisemitischen Hirn der Oberlin Professorin Joy Karega". Der Bericht bezieht sich auf einige Aussagen von Karega, wie beispielsweise ihre Behauptung, dass "Juden oder Israelis hinter den Terroranschlägen am 11. September 2011, in Paris, auf Charlie Hebdo und generell hinter ISIS stecken" würden oder, dass „der Mossad den Abschuss eines malaysischen Passagierflugzeuges über der Ukraine in 2014 eingefädelt" hätte.

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Um die Kritik zu dämpfen, nutzt Karega den Mantel der Meinungsfreiheit und vertraut auf politische Korrektheit, um die Kritik gegen sie zum Verstummen zu bringen, indem sie unterstellt, dass es „für schwarze Frauen, die am Anfang ihrer Karriere stehen und eine befristete Stelle mit fester akademischer Laufbahnzusage im Bewährungsfall haben" durchaus üblich sei, „die ersten Ziele für solche Arten von Aktivitäten und Praktiken" zu sein.

Dies erklärt die ängstliche Reaktion des Präsidenten des Oberlin-Colleges, Herrn Marvin Krislov, der selbst jüdisch ist. Anstatt seine Angestellte zu verurteilen, unterstützte er sie bedingungslos, indem er erklärte, dass er „das Recht seiner Fakultät, (ehemaliger) Studenten und Mitarbeiter respektiere, ihre persönlichen Meinungen zu äußern."

Würde Herr Krislov auch dann so weltoffen sein, wenn ein Angehöriger seiner Fakultät beispielsweise die Ansicht äußern würde, dass amerikanische Muslime anstreben würden, die Scharia in den Vereinigten Staaten einzuführen?

Doppelmoral nicht stillschweigend hinnehmen

Nach meinem Befinden sollte unsere Reaktion gegenüber Antisemitismus grundsätzlich anders sein. Erstens dürfen wir nicht zustimmen, geschweige denn diese Doppelmoral stillschweigend hinnehmen. Diese geladenen Aussagen machen nichts anderes als Hass zu entfachen, Gewalt gegen Juden zu schüren und uns dazu zu bringen, sie in der Debatte als legitime Argumente anzusehen. Dies ist ein schwerwiegender Fehler.

Zweitens, und das ist in den Augen der Antisemiten noch wichtiger: „wenn Fische im Meer miteinander kämpfen, dann stecken die Juden dahinter." Dies beschreibt, wie sie sich heutzutage fühlen, immer gefühlt haben und immer fühlen werden, bis wir damit aufhören, „das Land zu verderben", wie es der Professor für Koranstudien Imad Hamato formulierte.

In anderen Worten, von Mel Gibson über den ehemaligen General William Boykin, den bereits erwähnten Imad Hamato und bis hin zu Hitler glauben Antisemiten, dass Juden an allem Übel in der Welt schuld seien, und schlimmer noch, alle Kriege verursachen würden.

Genau genommen sagen uns unsere eigenen Schriften (Yevamot 63) „Alle Leiden kommen nur für (wegen) Israel auf die Welt", und daher müssen wir die Grundursache des Zorns auf die Juden verstehen. In meinem Essay „Warum Menschen Juden hassen" habe ich in allen Einzelheiten erklärt, was die Welt von uns erwartet.

Unsere Aufgabe ist es, der Welt Einheit und Frieden zu bringen

Unterm Strich bedeutet das, dass uns die Aufgabe zugewiesen wurde, ein „Licht für die Völker" zu sein. Allerdings fühlen die Völker derzeit nur, dass wir Krieg hervorbringen. Es macht keinen Unterschied, ob es rational Sinn macht oder nicht.

Wenn wir die Tatsache beachten, dass die UN-Generalversammlung allein im Jahr 2015 20 Beschlüsse gefasst hat, die Israel einseitig kritisieren, und nur 3 Beschlüsse für den ganzen Rest der Welt übrig hatte, dann wird offensichtlich, dass die überwiegende Mehrheit der Nationen den 4 gerade genannten Persönlichkeiten zustimmen würde.

Da wir dafür beschuldigt werden, Kriege zu verursachen, müssen wir den Spieß umdrehen. Unsere Aufgabe ist es, der Welt Einheit und Frieden zu bringen. Wir prägten einst den Grundsatz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", und die Welt erwartet von uns, dass wir dem nachkommen.

Wir projizieren Disharmonie auf andere Nationen

Die Welt hat ständig ein Auge auf unsere Taten. Immer wenn wir Disharmonie bewirken, dient es als schlechtes Beispiel, was in der Welt widergespiegelt wird. Wann immer wir uns untereinander streiten, projizieren wir diese Disharmonie auf die anderen Nationen und auch sie fangen an, sich zu streiten. Allerdings fühlen sie tief im Inneren, dass ihre Streitigkeiten von uns stammen, und genau das sagen sie auch.

Ein „Licht für die Nationen" zu sein ist nicht irgendeine theologische oder philosophische Auffassung. Es ist eine praktische Anweisung: Stiftet Frieden unter euch selbst, und die Welt wird ebenfalls friedlich sein.

Genauso wie heutzutage einige Menschen fühlen, dass wir die Fische zum Kämpfen bringen, werden sie fühlen, dass wir dem ganzen Leben Frieden bringen, wenn wir Frieden zwischen uns selbst stiften. So sehr uns Joy Karega und dergleichen jetzt hassen, so sehr werden sie uns lieben. Allerdings liegt es an uns zu bestimmen, welche Gefühle wir uns gegenüber erwecken.

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