BLOG
29/12/2015 06:16 CET | Aktualisiert 29/12/2016 06:12 CET

Stopp: 10 Fakten über Antisemitismus, die wir kennen müssen

Jupiterimages via Getty Images

Ich glaube, die Zeit ist gekommen, um einige Missverständnisse über den Antisemitismus aufzuklären.

1) Was ist der Antisemitismus und was ist er nicht? Beim Antisemitismus handelt es sich nicht um religiöse Auseinandersetzungen. Der Holocaust hatte nichts mit Religion zu tun, eher mit Rassendenken. Aber auch Rassendenken erklärt den Antisemitismus nicht, denn die Christen führten im Mittelalter religiöse Gründe an, so wie es Muslime heute auch teilweise tun.

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Beim Antisemitismus geht es auch nicht darum, dass Juden reich seien, denn die Mehrheit der Juden, die bei den Pogromen in Osteuropa und im Holocaust getötet wurden, lebte an der Armutsgrenze. Auch das verschaffte ihnen kein Erbarmen.

"Ein intensives Bauchgefühl"


Heutzutage ist Antisemitismus als Antizionismus oder Israelkritik getarnt, aber wir dürfen nicht vergessen, dass den Juden der schlimmste Gräuel zu einer Zeit widerfuhr, als es keinen Staat Israel gab, der beschuldigt werden konnte. Genau genommen ist Antisemitismus ein intensives Bauchgefühl, dass die Juden der Grund für alle Probleme in der Welt sind.

Aus diesem Grund gibt es auch dort Antisemitismus, wo es keine Juden gibt - und so werden Juden auch für Probleme beschuldigt, die ihnen nach reiner Logik gar nicht zugeschrieben werden können.

2) Ein passender Sündenbock: Die gängigste Begründing besteht darin, dass wann immer die Dinge einen schlechten Lauf nehmen, die Juden am leichtesten zum Sündenbock gemacht werden können, sodass Führungskräfte und politische Entscheidungsträger den gesellschaftlichen Groll auf sie umlenken. Dies ist nicht der Fall.

Die Menschen fühlen immer, dass die Juden an allem schuld sind, was verkehrt ist; Es ist eben so, dass wenn das Leben erträglich ist, die Wut auf sie von einem Mantel der Kultur und politischer Korrektheit bedeckt wird. Je mehr sich die Umstände weltweit verschlechtern, desto eher können wir damit rechnen, dass sich der globale Antisemitismus verschlimmert.

2015-12-28-1451321150-8263306-german10huff.JPG

3) Antisemitismus als Folge der Unwissenheit: Viele von uns denken, dass Antisemiten unwissend und deshalb antisemitisch seien. Diejenigen, die so denken, glauben, dass die Antisemiten ihre Meinung über uns ändern würden, wenn sie wüssten, wie viel die Juden der Welt in der Wissenschaft, der Kultur und in den Künsten beigesteuert haben.

Gebildete Menschen


In Wahrheit sind jedoch die meisten, und zwar insbesondere die leidenschaftlichen und freimütigen unter ihnen, gebildete Menschen. Sie wissen sehr wohl, was das Judentum für die Welt getan hat, aber es interessiert sie nicht, weil sie fühlen, dass unser Beitrag im Vergleich zu dem Leid, den Juden verursachen, unbedeutend ist. Als so dämonisch betrachten sie uns.

4) Es ist ein politisches Problem: Viele Juden haben das Gefühl, dass es den Antisemitismus mildern würde, wenn Israel sich mehr um die Rechte der Palästinenser sorgen würde. Natürlich sollten wir gegenüber allen Menschen so human wie nur möglich sein.

Allerdings ist der Gedanke, dass territoriale Zugeständnisse für die Palästinenser den Antisemitismus mildern würden, lediglich eine Wunschvorstellung. Antisemitismus gab es schon vor der Gründung des Jüdischen Staates, und er wird weiterhin bestehen bleiben, sogar, wenn wir unser gesamtes Land an die Palästinenser abtreten - denn es geht hier nicht um Land, sondern um dieses oben beschriebene Bauchgefühl.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

5) Unser Geschenk für die Welt: Die einzige Sache, die wir Juden in die Welt gebracht haben, und die jeder gern annehmen würde, ist der Grundsatz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Dabei besagt das am leidenschaftlichsten vorgetragene Argument der Antisemiten, dass wir Kriegshetzer seien und Hass in der ganzen Welt stiften würden. Dies ist das genaue Gegenteil zu dem eben genannten Grundsatz, den jeder für wundervoll hält, aber niemand verwirklichen kann.

6) Unser Wort halten: In Folge von Punkt 5 ist die einzige Sache, die die Welt von uns zusätzlich zum bereits gegebenen Grundsatz erwartet, die Methode, um ihn zur verwirklichen.

Während die Welt an der Schwelle zum globalen Chaos steht, ist die Fähigkeit, nach diesem Grundsatz zu leben, die einzige Sache, die jeder dringend braucht, leidenschaftlich annehmen wird, und auch die einzige, die den Antisemitismus in Luft auflösen wird. Allerdings hängt es von unserer Fähigkeit ab, zu beweisen, dass wir zu unserem Wort stehen, und das zu praktizieren, was wir predigen.

Die größte Herausforderung: Der Hass


7) Wer ist euer Feind? Aus diesem Grund ist unsere größte Herausforderung nicht der IS. Es ist auch nicht Fatah oder der unverhohlene Antisemitismus der UN. Unsere größte Herausforderung ist unser Hass aufeinander.

Wir können keine tragfähige Lösung gegen die Wolken des Krieges anbieten, die sich am Horizont verdichten, es sei denn, wir verwirklichen den Grundsatz, den wir „exportiert" haben, zuallererst zwischen uns. Gleichzeitig können wir nicht untätig die Hände in den Schoss legen und die Wolken regnen lassen, denn die Welt wird sagen, dass wir sie über ihnen regnen lassen haben.

8) Verändert euch nicht; verbindet euch über die Unterschiede hinweg: Die Schönheit der Lösung durch „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" besteht darin, dass wir uns über nichts einig werden müssen.

Wir können damit weitermachen, über alles Mögliche unter der Sonne fröhlich zu streiten: wie Israels Sicherheitsproblem zu lösen ist, warum die Welt uns hasst, wie die Klimaerwärmung zu bekämpfen ist, über die Ursprünge der Falafel oder ob die Cleveland Cavaliers ihren ganzen Erfolg LeBron James zu verdanken haben, oder ob auch ein wenig Verdienst dem (jüdischen) Trainer Blatt zugeschrieben werden kann.

Sorge um unsere Herzen


Wir müssen uns nicht um unsere Meinungsverschiedenheiten sorgen; wir müssen uns um unsere Herzen sorgen! Je mehr wir unsere Herzen über die Meinungsverschiedenheiten hinweg verbinden können, wie eine gute Familie es versteht, bei Streitigkeiten zusammenzuhalten, desto besser wird das Beispiel sein, welches wir der Welt sein werden. Ein vereintes Jüdisches Volk kann nicht als Kriegshetzer angesehen werden, da unsere Einheit gegen niemanden gerichtet ist - es ist Einheit um der Einheit willen.

9) Ein Beispiel sein: Wie oben gesagt, beschuldigen die Antisemiten uns, alle Probleme in der Welt zu verursachen. Denken Sie allerdings hierüber nach: Haben Sie jemals einen friedlich aussehenden Menschen betrachtet und gedacht, er sei ein Kriegshetzer? Wenn wir also damit aufhören, uns untereinander zu zanken, dann wird die Welt uns als friedlich erachten.

Wir werden zum Beispiel der Verwirklichung des Grundsatzes „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" werden, nach dem sich jeder so sehr sehnt. Wenn Menschen beginnen, uns als Beispiel der gegenseitigen Fürsorge und der gegenseitigen Verantwortung sehen, dann werden sie uns nicht mehr länger hassen.

Verbundenheit und Freundschaft: Mehr als Mittel für ein fröhliches Leben.

10) Eins nach dem anderen: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" war sogar damals ein stolzes Ziel. So sagte Hillel der Alte, dass wir mit „Das, was dir verhasst ist, tu auch nicht den anderen an" beginnen könnten.

Dieser Ansatzpunkt wird sich auch für uns als nützlich erweisen. Verbundenheit und Freundschaft sind mehr als nur Mittel für ein fröhlicheres Leben; sie sind buchstäblich ein Rettungsring.

Auch auf HuffPost:

Dieser Vater schüchtert den Freund seiner Tochter auf geniale Art und Weise ein

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Lesenswert: