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02/09/2015 05:28 CEST | Aktualisiert 02/09/2016 07:12 CEST

17 Ziele, um die Armut zu beenden

JIM WATSON via Getty Images

Im Februar 2005 hielt Nelson Mandela, der sich dem Vernehmen nach bereits aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hatte, warm gegen die Kälte am Londoner Trafalgar Square eingepackt - einschließlich einer wirklich beeindruckenden Kopfbedeckung aus Pelz - eine der größten Reden der Geschichte.

Genau diese Rede sollte die Staats- und Regierungschefs dieser Welt und die Millionen Menschen, denen sie verpflichtet sind, während des heute beginnenden Monats motivieren und inspirieren, denn es wird eine neue Entwicklungs-Agenda von den Ländern der Welt verabschiedet.

Die Aufgabe einer Generation

„Manchmal", so Mandela, „ist es die Aufgabe einer Generation, großartig zu sein. Ihr könnt diese großartige Generation sein."

Wie kann das gelingen? Laut Mandela, indem wir der Armut ein Ende setzen und anerkennen, dass „Millionen Menschen im Gefängnis der Armut gefangen sind. Der Zeitpunkt ist gekommen, sie zu befreien."

17 Ziele für eine bessere Welt

All die großen Worte, die in den kommenden Wochen auf all den Demonstrationen und Konzerten im Vorfeld der Verabschiedung der Globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung gesprochen werden, werden nicht mehr als heiße Luft sein, wenn sich die Welt Mandelas Aufforderung nicht zu Herzen nimmt.

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Die 17 globalen Ziele sind im Wesentlichen Organisationsprinzipien für eine Welt, die willens ist, mutig und visionär zu handeln. Die Ziele sind eine Strategie für Fortschritt, ein Bauplan für eine Welt, in der Kinder nicht hungrig ins Bett gehen, in der Mädchen die gleichen Entwicklungschancen haben wie Jungen und in der Menschen nicht an vermeidbaren Krankheiten sterben müssen.

Menschen, die von einer besseren Welt träumen, sollten sich all dieser Themen - Gesundheit, Ungleichheit, Geschlechtergerechtigkeit und viele mehr - annehmen und aktiv werden. Die globalen Ziele beginnen aus gutem Grund mit einer klaren, alles umfassenden Aufforderung. Ziel Nummer Eins lautet: In diesem Jahr verpflichten wir uns, Armut in jeder Form und überall ein Ende zu setzen.

Kann extreme Armut überhaupt beendet werden?

Die verblüffende Kühnheit dieses Ziels verleitet zu zwei Fragen. Erstens: Kann dieses Ziel erreicht werden? Und zweitens: Warum sollte man sich zu einem derartigen Ziel verpflichten?

Die gute Nachricht und Antwort auf die erste Frage ist: Ja, das ist möglich. Wir wissen, was funktioniert. Im letzten Vierteljahrhundert - ein Abschnitt, den ich „das Zeitalter der Wunder" getauft habe - wurde die absolute Armut so stark wie nie zuvor reduziert.

Ein Großteil dieser Entwicklung ist auf die außerordentlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritte in asiatischen Ländern zurückzuführen. Und jeder, der wie ich in Ostasien gelebt hat, kennt das Gefühl des Erstaunens, das einsetzt, wenn man die mit dem Wirtschaftswachstum einhergehende Verbesserung des Lebens von so vielen Familien spürt.

Schlüsselinvestitionen

Aber es geht nicht nur um Asien. Wir verstehen immer besser, in welchen Bereichen Schlüsselinvestitionen wichtig sind, um die Armut zu beenden und das Wirtschaftswachstum zu fördern - im Gesundheitswesen, in der Landwirtschaft und Ernährung, bei der Bildung, bei der Verbesserung der Chancen von Frauen und Mädchen und bei wichtigen Infrastrukturen. So zieht sich die Armut zurück, aus den Favelas in Brasilien genauso wie aus den Dörfern in Burundi.

Die absolute Beendigung extremer Armut wird nicht leicht, so viel ist sicher. Die letzten Milliarden Menschen, die in extremer Armut leben, leben überproportional häufig an Orten, wo Konflikte, Gewalt und tägliche Unsicherheit jeglichen Fortschritt zunichtemachen. Kriegsgebiete sind Armutsgebiete.

Um die Frage eines alten Liedes zu beantworten: Es gibt nichts Lustiges an Frieden, Liebe und Verständnis. Wir brauchen sie für ein besseres Leben. Und auch hier gibt es Grund zu Optimismus. Trotz des Schreckens und der Schlagzeilen, die wir alle kennen, sind Krieg und Gewalt als Wesensmerkmale unserer Welt auf dem Rückzug.

Warum sollten wir extreme Armut beenden?

Wenn wir die Armut also abschaffen können - und das können wir - lautet die zweite Frage: Warum sollten wir uns darauf festlegen?

Die konventionellen Gründe dafür sind bekannt: Weil eine Welt des größeren Wohlstands eine sicherere Welt ist, in der junge Männer und Frauen nicht losziehen und ihre Familien beschützen müssen und in der der Aufruhr in einigen Regionen nicht überschwappt auf das Leben derjenigen, die begünstigt sind und in friedvolleren Umgebungen leben.

Das Ende der Armut setzt eine Kettenreaktion in Gang: Nicht nur dort, wo es keine Armut mehr gibt, entstehen mehr Möglichkeiten. Mit dem Wachstum von Handel und Investitionen wird die Entwicklung auch überall sonst angestoßen.

Was es heißt, Mensch zu sein

Wie so oft gab Mandela auch hier die eigentliche Antwort darauf, warum wir nach einem Ende der Armut streben sollten.

Weil andauernde Armut nicht mit unserer gemeinsamen Vorstellung davon zu vereinbaren ist, was es heißt, ein Mensch zu sein. Wenn wir uns abwenden von den Millionen Menschen, die in absolut vermeidbarer Armut leben, dann willigen wir in etwas ein, das uns klein macht. Wir akzeptieren damit, dass nicht weniger ein geographischer Zufall - der Geburtsort - darüber bestimmt, wie (und ob) wir leben.

"Tat der Gerechtigkeit"

Mandela wusste es besser: „Wie die Sklaverei und die Apartheid, ist auch die Armut nicht naturgegeben", sagte Mandela auf dem Trafalgar Square. Sie ist von Menschen gemacht und sie kann durch das Handeln der Menschen überwunden und ausgerottet werden. Die Überwindung der Armut ist keine Geste der Wohltätigkeit. Sie ist eine Tat der Gerechtigkeit."

Wir sollten uns Mandelas Worte zu Herzen nehmen.

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