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06/01/2016 12:06 CET | Aktualisiert 06/01/2017 06:12 CET

"Die Weihnacht", 21. Teil

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Die Huldr- Saga (1. Teil)

(in „Volksmärchen und Sagen", Karl Paetow, Husum 1986)

Es war vor vielen Jahren, da solches geschah:

Odin, Loki und Hönir ritten zu ihrer Lustbarkeit in den Wald. Da bewegte sich etwas im Gehölz, und hervor sprang ein goldgeschmückter Hirsch. Das herrliche Tier erregte in Odin die Jagdleidenschaft, und er gab seinem Leibross Sleipnir die Sporen. Der Hirsch aber war ein flinker Renner und verlockte durch seine kühnen Sprünge den Jäger immer tiefer in das Labyrinth dieses Waldes, bis ihn seine Gefährten Loki und Hönir ganz aus den Augen verloren hatten. Aber der Hirsch tänzelte und reizte den Jäger Odin noch immer tiefer in das Gehölz. Dann sprang er über einen Busch und war verschwunden.

In dem gleichen Augenblick aber standen drei stattliche Frauen vor dem leidenschaftlichen Jäger und versperrten ihm den Weg. Die vornehmste unter diesen Weibern sprach mit spöttischem Lächeln: „Grüß dich, Odin, warum so hitzig? Komm mit uns und sei mein Gast und kühle deine männliche Glut mit einem frischen Trunk. Auch wirst du die Lustbarkeit einer wohlbereiteten Mahlzeit nicht verschmähen."

Odin war nicht abgeneigt, dieses Abenteuer einzugehen, er folgte den drei verlockenden Gestalten in ihre Höhle. Dort bereiteten sie ihm ein Gastmal. Hernach richtete die ältere ein Lager zu, das sie mit ihm teilen wollte. Nun verbrachten die beiden diese Nacht mit mancherlei Gesprächen über Runen und Zaubersprüche. Die Frau gestand ihrem Gast, sie habe ihn mit List zu sich gelockt, um ein Kind von ihm zu empfangen. Odin überraschte nun sie dagegen, indem er sagte: „Ich weiß, du bist Huld." Dann erzählte sie ihm das Geheimnis ihrer Abkunft:

„Meine Mutter war Magia geheißen, eine Königin von Huldumannaland und aus einem alten, zauberkundigen Geschlecht. Eines Tages kam Rudian, der Dicke aus Risaland auf einer Irrfahrt in ihr Gebiet und sie wurde sein Weib. Aber unter dem Vorwand, in seiner eigenen Herrschaft nach dem Rechten sehen zu müssen, verließ er seine Gemahlin. Beim Abschied mahnte die Ahnungsvolle, er solle ihrer ja nicht vergessen. Unterdessen schenkte meine Mutter Magia einer Tochter das Leben. Diese nannte sie Huld. Und das war ich. Jedoch aus Kummer über die Treulosigkeit meines Vaters setzte sie mich aus, während sie Rudian durch ihre Zauberkünste tötete. Selber grämte sie sich in der Folge zu Tode. - Gifgas aber, der Bruder meines Vaters und ein Riese voller Zauberkunst, erfuhr von dem ausgesetzten Kind. Er flog in Drachengestalt nach Huldamannaland und holte mich heim in seine Burg. Hier unterrichtete er mich in der Kunst des Zauberns.

Der zweite Teil der Sage folgt im 22. Blog, etwa in einer Woche. In dem Buch „Die Weihnacht - Eine Spurensuche" von M. Duesberg, Verlag „tredition", wurden weitere Sagen und Bräuche aufgenommen, die das Thema Weihnachten von verschiedenen Seiten her beleuchten können. Wer einen erweiterten Hintergrund zu diesem Fest sucht, könnte dort fündig werden.