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27/12/2015 08:41 CET | Aktualisiert 27/12/2016 06:12 CET

"Die Weihnacht", 20. Teil

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Nerthus

Wir haben jetzt drei verschiedene Gestalten kennengelernt, die zu ein und demselben Wesen gehören, zu der steinzeitlichen Gottheit, die heute von vielen Forschern die Große Mutter genannt wird. Ihre drei Aspekte in heutiger Zeit sind die im Brauchtum eben noch bekannten Gestalten Lucia (Schweden), Frau Holle (Mittel- und Norddeutschland) und Frau Perchta (Alpenland).

Nun gibt es einige weitere, die das bisherige Bild noch ergänzen und bereichern können. Eine davon wird uns von dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus um 98 v. Chr. beschrieben: „An den (von Tacitus genannten) Nordstämmen (Germanen) ist im Einzelnen nichts Bemerkenswertes, als dass sie gemeinschaftlich die Göttin Nerthus, d. h. die Mutter Erde, verehren und von ihr glauben, sie walte über der Menschen Schicksal und besuche persönlich die Völker.

Auf einer Insel im Ozean ist ihr heiliger Hain, und in ihm steht ihr geweihter Wagen mit einem Teppich bedeckt. Nur allein der Priester darf ihn berühren; er ahnt auch die Gegenwart der Göttin in ihrem Heiligtum und begleitet in tiefer Ehrfurcht ihren von Kühen gezogenen Wagen. Da gibt es denn fröhliche Tage und Feste an allen Stätten, welche die Göttin ihres Besuches und Aufenthaltes würdigt.

Kein Krieg wird geführt, keine Waffe ergriffen, jedes Eisen ist verschlossen. Friede und Ruhe sind dann nur bekannt, dann nur geschätzt, bis die Göttin, des Umgangs der Sterblichen satt, von demselben Priester in ihr Heiligtum zurückgeführt wird. Hierauf wird der Wagen und Teppich und - wem es glaublich erscheint - die Göttin selbst in einem verborgenen See gewaschen.

Den Dienst dabei verrichten Sklaven, welche sogleich der See verschlingt. Darum waltet geheimes Grauen und heiliges Dunkel über ein Wesen, das nur Todesopfer schauen dürfen." (Aus „Frau Holle - Volksmärchen und Sagen", Karl Paetow, Husum 1986).

Es ist mit großer Sicherheit davon auszugehen, dass „Nerthus" die latinisierte Form von „Njörd" ist, wobei hier nicht der Gott des besonnten Meeres angesprochen ist, sondern seine Gemahlin und/oder Schwester „Njörd", die wanenstämmige Erdgöttin der Vergangenheit, welche vor der Asengöttin „Jörd" die Erde repräsentierte.

Zur Erinnerung: Der Wanengott Njörd kam nach dem Friedensschluss der verfeindeten Götterstämme mit seinen zwei Kindern Freya und Freyr als Geisel zu den Asen. Freya ist die Göttin der geschlechtlichen Liebe, ihr Bruder ist Fruchtbarkeitsgott. Bei den Asen war Jörd die Mutter Erde. Ihre und Odhins Kinder sind Ostara und Thor. Ostara ist die frühlingshafte Göttin der Liebe und des Kindersegens, ihr Bruder Thor ist Fruchtbarkeitsgott.

Eine in mehrfacher Hinsicht aufschlussreiche Saga ist jene von Huldr. Sie wurde im 13. Jahrhundert auf Island niedergeschrieben, entstammt aber einer viel älteren Überlieferung. Wir finden in ihr Verbindungsfäden zu Lucia (Norrlandsage: Herrin der Elementarwesen), zu Frau Holle (von den Namen her:

„Die Holde Frau", „Holda", „Hulda" u. a.) und bezüglich der Dreiheit (Huldr mit ihren zwei „Töchtern"). Diese Saga, etwas gekürzt, erscheint dann im 21. Teil von „Die Weihnacht - Eine Spurensuche" aus dem Buch von Michael Duesberg, Verlag „tredition", 2015.

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