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14/12/2015 11:14 CET | Aktualisiert 14/12/2016 06:12 CET

"Die Weihnacht", 18. Teil

Hemera Technologies via Getty Images

Neben Luzia und Frau Holle gibt es noch eine dritte Gestalt, die vor allem im süddeutschen und österreichischen Alpenraum bekannt ist: das ist Frau Perchta. Sie hat aber wie Frau Holle, mit der sie in etlichen Gegenden identifiziert wird, ein Fülle weiterer Namen: So wird sie auch „Perchtl, Berchtl, Berchtgloba, Berchtrababa, Busebercht, Butzenbrechtl, Budelfrau, Pudelmutter oder Eisenbertha" gerufen, um nur einige zu nennen. Bei manchen Sagen über sie lautet schon die Einleitung „Frau Perchta, die man an anderen Orten auch Frau Holle nennt,..." oder umgekehrt. Und doch gibt es zwischen den beiden Gestalten kleine Unterschiede.

Frau Perchta tritt uns üblicherweise in Gestalt eines alten Mütterchens entgegen. Sie erweist sich als gütig und hilfsbereit, wenn jemand in Not gerät, der gut und bescheiden ist; aber als dämonisch, wild und drohend, wenn sie herbeieilt, um Faule und Liederliche zu strafen. Dann ist sie gar nicht mehr so gütig, oh nein, sondern „schiach", wütend, hässlich und unberechenbar! Als „schiache Percht", als verzerrte Schreckgestalt mit langer, mancherorts eiserner Nase, als schwarzer Hund oder Ungeheuer mit Rosskopf oder als „Laubasthaufen", „grauer Wutzel" oder Pelzdämon mit Holzmaske oder Vogelschnabel- Nase tanzt oder hüpft sie uns dann entgegen! Im Vorbeigehen stäubt sie den braven Leuten Mehl ins Gesicht.

In der „Gömacht", also der „Gebe- Nacht" von 5. auf 6. Januar, stellte man ihr in Österreich Essen und Trinken auf den Tisch oder vors Fenster. Die Perchta zog dann als Triade umher. Auf Darstellungen finden wir ein ähnliches Bild wie bei Santa Lucia, nur hier dreifach: den grünen Kranz mit brennenden Kerzen auf dem Haupte. Die am 5. / 6. Januar stattfindenden Perchtenläufe haben sich in einigen Gegenden Bayerns bis heute erhalten. Da droht aber die schiache Percht mit Bauchaufschlitzen und dem Herausreißen des Gedärms, so wie es andernorts früher die böse Lutz (Luzia, die Lutzelfrau) tat.

Perchta wird in manchen Gegenden auch als Gemahlin des Sturmgottes beschrieben, als Herrin über Wolken und Winde, und als Geliebte oder Gemahlin Wodans. Dabei reitet sie mit dem Wilden Heer (der Wilden Jagd). Hier überschneidet sich ihr Wesen mit dem der Holden Frau (Frau Holle) und mit Frigga („Frau Frigg"), der astralen Göttermutter der Asen.

Beim Perchtenlaufen ziehen die jungen Burschen oft zu Hunderten durch die Bergdörfer, teils vermummt, teils mit Peitschen bewehrt, mit welchen sie laut knallen. In einigen Gegenden wird die Perchta auch vom Bischof, vom Teufel oder von Naturgottheiten begleitet. In Oberbayern waren es stets drei alte Weiber, die am Perchtenabend (Dreikönigstag) „Perchten gingen (auf Heischegang)". Dazu zogen sie sich die alten Hosen ihrer Männer, alte Jacken und Säcke an, in die sie Löcher für Augen und Mund schnitten. Vor den Häusern, an denen sie beim Heischen („eischen" ist mittelhochdeutsch und heißt verlangen, fordern) vorbeikamen, rasselten sie mit ihren Ketten und schlugen an die Haustüren. Die Leute gaben ihnen dann Birnen, Brot und Nudeln, damit sie schnell weiterzögen. Tendenziell wurden die Heischebräuche eher von Kindern und Jugendlichen ausgeübt, die singend von Haus zu Haus zogen, auf ein Fest oder eine besondere Zeit hinwiesen und kleine Geschenke dafür erhielten. Hier das Beispiel eines recht kecken Heische- Spruchs:

„Heit is Raunacht. Wer hat's aufbracht?

Drei alte Weiber un a alter Geiger

und a alter Hennafuaß, den ma drei Toag siedn muaß.

Kropfa heraus, Kropfa heraus oder i stich an Loch ins Haus!

De Schlüssel hör i klinga. Kropfa werns uns bringa.

Kropfa heraus, Kropfa heraus oder i stich an Loch ins Haus!"

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