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10/11/2015 12:17 CET | Aktualisiert 10/11/2016 06:12 CET

"Die Weihnacht", 13. Teil

Hirz/Archive Photos via Getty Images

Wie schon angedeutet, ist die heutige schwedische Lucia nicht die einzige Luziengestalt, die wir kennen. Da gibt es seit alters „die heilige Luzie", die hilfreiche Beschützerin, die man in Österreich um Hilfe gegen Trug, Zauber und Teufelswerk anrief:

Vor Drudendruga, Hegsnhoagsen,

Daifisbroazen, Zauwrafoagsen

Bschitz mich d`halche Luzie

Bis ich muaring früh oaftsteh!

Auch ist da die „böse Lutz" des Alpenlandes, die sich ganz ähnlich in anderen Landschaften als „schiache Percht" oder „böse Holle" wieder findet. Ein Brauch, der bei Luzia und Perchta ins Auge fällt, ist das „Windopfer": Getreidemehl wird in die Luft geworfen (Luzia) oder den Leuten ins Gesicht gestäubt (Perchta).

Das erinnert an alte Bräuche um die Fruchtbarkeitsgöttin und Erdenmutter Demeter, die mit Ähren, Getreidesträußen oder Garben dargestellt wurde. Ein Hinweis in dieselbe Richtung ergibt sich zudem aus dem Brauch, den „Luzienweizen" an Lucias Festtag, dem 13. Dezember, in flache Tonschalen zu säen, die dann als „Weihnachtfelder" in die Krippenlandschaft der Advents- und Weihnachtszeit mit einbezogen werden.

Außer jener schwedischen Lucia, die sich auf die sizilianische Heilige aus Syrakus bezieht, gibt es nun aber auch noch eine ältere Luziengestalt in Schweden, die in einer Norrland- Sage beschrieben wird. Und die ist fast noch interessanter als die syrakusische Heilige.

Hier der erste Teil der Sage:

Bevor Gottvater Eva erschuf, hatte er Adam eine ganz andere, aus Erde gebildete Frau zum Weibe gegeben: Sie hieß Lucia und war wild und schön. Doch als Stamm- Mutter des Menschengeschlechts war sie ungeeignet: Sie hielt sich nicht an Gottes Gebote und naschte vom Apfel des verbotenen Baumes. Und nicht genug damit, verführte sie auch Adam, dass er davon aß. So mussten Adams das Paradies verlassen.

Sie siedelten sich auf der Erde an. Lucia war darüber nicht weiter traurig. Den Tieren näher als den Menschen, war sie Adam eine unersättliche Nachtgefährtin, so dass ihrer beiden Nachkommen bald alle Zimmer des Hauses füllten. Adam kam mit dem Anbau neuer Kinderzimmer nicht mehr nach. Lucia aber hielt ihre Kinder nicht so sauber wie eine Menschenmutter, sondern unordentlich wie ein Trollweib.

Gottvater war darüber beunruhigt und dachte mit Unbehagen an Adam und sein Weib. Daher beschloss Er eines Tages, die Familie zu besuchen, um sich von Lucias Hauswesen vor Ort ein Bild zu machen. Als Lucia das erfuhr, erschrak sie. Sogleich ging sie daran, ihre Brut zu säubern: Sie bürstete und schrubbte, wischte Triefaugen und Laufnasen und riss den Kamm durch die verfilzten Pelzköpfe ihrer Kinder.

So mühte sie sich lange Zeit und hatte doch noch nicht einmal die Hälfte ihrer Brut hergerichtet, als es an die Tür klopfte. Lucia begann zu zittern. Da kam ihr ein Gedanke: Sie öffnete das Kellerloch, packte den größten Teil ihrer Kinder an Ohren und Haaren und zerrte und schob sie ins Dunkel hinab.

Dabei machte sie drohende Gebärden, ja keinen Laut von sich zu geben. Dann schlug sie die Kellerklappe zu. Darauf hastete sie zur Haustür und öffnete.

„Die Weihnacht - Eine Spurensuche", M. Duesberg, Verlag tredition 2015.

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