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21/04/2016 12:33 CEST | Aktualisiert 22/04/2017 07:12 CEST

"Die Dreieinige Göttin", 36. Blog

Jade Brookbank via Getty Images

Wir unterscheiden zwei verschiedene Luzien-Bräuche, einen sehr alten im Alpenland, der allmählich in Vergessenheit gerät, und einen relativ jungen in Schweden, der sich allmählich über ganz Skandinavien ausbreitet. Letzterer hat interessante „Wurzeln", denn er kommt aus einem Land, das in besonderer Weise die germanischen Wanen-Göttern Freyr und Freya verehrte. Erinnern wir uns: Deren Eltern waren Njörd/Nerthus.

Zudem fügt der Brauch sich nahtlos ein in das Gesamtbild um die Große Mutter, auch bezüglich seines Fest-Termins, der auffällig „treffend" gesetzt ist. Zu viele Zufälle, um nicht aufmerksam zu werden!

Mit dem Brauch der „schwedischen Lucia" ist die ursprüngliche Dreiheit von „Braut", „Mutter" und „Ahne" wieder hergestellt worden, die lange unterbrochen gewesen war.

Sollten beim Einsetzen eines solchen Brauchs „Ur-Erinnerungen" an das „Goldene Zeitalter" und die „Große Mutter" mitgespielt haben? Kommt daher seine Attraktivität für Jung und Alt, wodurch das Fest sich weiterhin ausbreitet? Ganz im Gegensatz zu anderen Festen, die eher schwinden oder bereits in Vergessenheit geraten sind.

Der Verfasser des Buches „Vom Geist des Nordens", Hans Mändel beschreibt, wie er zum ersten Mal den Lucia-Brauch in Schweden erlebte. Das soll hier stark gekürzt wiedergegeben werden. Im Anschluss daran folgen zwei verschiedene Lucia-Erzählungen, eine christliche Legende und eine Norrland-Sage.

Hans Mändel, aus seinem Buch: „Vom Geist des Nordens"

« ... Der 13. Dezember ist der Tag, an dem ich zum ersten Mal den Boden des Landes Schweden betrat. Es war früh am Morgen, als ich in Stockholm ankam. Um diese Jahreszeit tagt es hier erst spät am Vormittag; trotzdem war die Stadt hell und eine Überfülle von Licht begrüßte mich! Die Weihnachtszeit war nahe und verschwenderisch reiche Straßendekorationen hatten die ganze Nacht geleuchtet. Sie strahlten auch jetzt in den noch menschenleeren Plätzen und Gassen, Lichtgirlanden waren in dichter Folge über den Fahrdamm gespannt, so dass sie ein Dach bildeten, jede Straße hatte ihre eigene Art der Dekoration. Für mich, der direkt aus einem „verdunkelten" Lande kam, ein überwältigender Eindruck.

In einem Haus, das zugleich Hotel und Pension war, hatte man mir ein Zimmer gemietet, und dahin begab ich mich. Bald saß ich beim Schein einer kleinen Tischlampe in dem halbdunklen Raum in trüben Gedanken vor ungewisser Zukunft als sich plötzlich ein wahres Wunder ereignete.

Die Tür öffnet sich und herein tritt ein Mädchen, weiß gekleidet wie eine Braut mit einem Kranz mit sieben Kerzen im blonden Haar. Ein zweites rotwangiges blondhaariges, weißgekleidetes Fräulein begleitet sie; beide öffnen grußlos die Lippen und beginnen ... zu singen. Die ersten Laute in der fremden Sprache, die das Ohr vernimmt, sind das rührende Lucia-Lied. Denn Lucia, die Lichterbraut, steht vor mir. Wahrlich, ein einzigartiger Empfang ward dem Fremdling zuteil, wie in einem Märchen.

Alljährlich am 13. Dezember wird in Schweden das Lucia-Fest gefeiert. Es ist ein Volksfest, jeder nimmt daran teil. In jedes Kontor, in jedes Schulzimmer, in jeden Fabrikraum kommt ein als Lichterbraut gekleidetes Mädchen am Morgen jenes Tages und singt sein Lied, schenkt Kaffee ein und bietet „Lusse-Katter" (Katzen) an, das Lucia-Gebäck. Das Lichterfest am frühen Morgen in der Winter-Dunkelheit hat eine weihevolle Stimmung, es heißt auch „lilla Jul": „kleines Weihnachten".

Erst seit unserer Generation, ja eigentlich erst seit etwa 20 Jahren, wird das Fest in dieser Weise allgemein so gefeiert und erfreut sich einer immer noch zunehmenden Popularität. An und für sich ist Lucia freilich uralt; aber ganz anders wurde in früherer Zeit das Fest in Schweden begangen, genau gegenteilige Stimmung prägte es. Ein Tier, meist eine Kuh, wurde mit einem Lichterkranz zwischen den Hörnern auf den dunklen Äckern umhergeführt, in anderen Gegenden Schwedens zog eine wilde Schar „Lussegubbar" von Gehöft zu Gehöft (gubbe = älterer, etwas heruntergekommener Mann). Sie waren in nach außen gewendete Pelze gekleidet, hatten spitze, rote Hüte, geschwärzte Gesichter oder Tier-Masken, und unter Schreien und derben Zudringlichkeiten verlangten sie ihren „Lussesup" (Schnaps). In der schrecklichen Lucia-Nacht, der längsten des Jahres nach dem alten gregorianischen Kalender, war's nicht gut, im Freien zu sein: die wilde Jagd war los. Man verwahrte Tür und Tor, kein Mädchen durfte sich hinaus wagen; die Ernte ist in Gefahr, das Mühlrad bleibt stehen, der Wein gärt nicht mehr im Keller - alle Naturgeister sind aus ihrer Bahn. In einer Provinz, Dalsland, verstopfte man sorgfältig Ritzen und Spalten: Lucia kutschiert mit einer Fuhre Flöhe und Läuse umher - wenn sie umschmeißt werden wir alle verlaust! - Trotz des historischen Gewandes hat die Legende tiefere Bedeutung - hätte sie sonst den langen Weg nach dem Norden finden können?

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