BLOG
12/04/2016 07:41 CEST | Aktualisiert 13/04/2017 07:12 CEST

"Die Dreieinige Göttin", 35. Blog

Jade Brookbank via Getty Images

Nerthus

Der römische Geschichtsschreiber Tacitus (um 98 v. Chr.) schrieb über die Bräuche der Germanen, die um die Zeitenwende lebten. Die von ihm genannte „Nerthus" ist identisch mit Jörd/Njörd, Mutter Erde. Eine weitere „Namenskette" führt von Nerthus über Hertha, Bertha, Berchta zu der uns schon bekannten Perchta und über Hertha, Bertha, Baita zu den uns ebenfalls bekannten Baiten oder Bethen des süddeutschen Raumes.

Umzug der Göttin Nerthus mit ihrem Frauenwagen

An den (von Tacitus genannten) verschiedenen Nordstämmen ist im Einzelnen nichts Bemerkenswertes, als dass sie gemeinschaftlich die Göttin Nerthus, das heißt die Mutter Erde, verehren und von ihr glauben, sie walte über der Menschen Schicksal und besuche persönlich die Völker. Auf einer Insel im Ozean ist ihr heiliger Hain, und in ihm steht ihr geweihter Wagen mit einem Teppich bedeckt. Nur allein der Priester darf ihn berühren; er ahnt auch die Gegenwart der Göttin in ihrem Heiligtum und begleitet in tiefer Ehrfurcht ihren von Kühen gezogenen Wagen. Da gibt es denn fröhliche Tage und Feste an allen Stätten, welche die Göttin ihres Besuches und Aufenthaltes würdigt. Kein Krieg wird geführt, keine Waffe ergriffen, jedes Eisen ist verschlossen. Friede und Ruhe sind dann nur bekannt, dann nur geschätzt, bis die Göttin, des Umgangs der Sterblichen satt, von demselben Priester in ihr Heiligtum zurückgeführt wird. Hierauf wird der Wagen und Teppich und - wem es glaublich erscheint - die Göttin selbst in einem verborgenen See gewaschen. Den Dienst dabei verrichten Sklaven, welche sogleich der See verschlingt. Darum waltet geheimes Grauen und heiliges Dunkel über ein Wesen, das nur Todesopfer schauen dürfen.

Luzia

Brauchtum und Legende

Lucia tritt uns ebenfalls - wie schon Frau Holle und Frau Perchta - mit einem Doppelantlitz entgegen: als Santa Lucia, die reine, strahlende Lichterbraut, und als die finstere Lutzelfrau. Ähnliches begegnet uns bei ihren Wesens- und Namensvarianten: Da gibt es Luzia oder Luzie, die hilfreiche Beschützerin, die man in Österreich um Hilfe gegen Trug, Zauber und Teufelswerk anrief:

Vor Drudendruga, Hegsnhoagsen,

Daifisbroazen, Zauwrafoagsen

Bschitz mich d`halche Luzie

Bis ich muaring früh oaftsteh!

Und es gibt die in Stroh oder Pelze gehüllte Schreckgestalt mit Ziegenkopf oder langem Schnabel. Als dämonische Lussibrud, Budelfrau oder Pudelmutter tobte sie noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchs Dorf, jagte die Faulen und drohte, ihnen den Bauch aufzuschlitzen, die Gedärme herauszureißen und statt dessen Stroh, Kieselsteine oder den faulen Mägden den liegen gebliebenen Kehricht hineinzustopfen. Den Kindern und Wöchnerinnen war sie ein Schrecken.

Die „böse Lutz" findet sich auch in anderen Landschaften wieder als „schiache Perchta" oder „böse Holle". Ein Brauch, der dabei besonders auffällt, ist das „Windopfer": Getreidemehl wird in die Luft geworfen (Luzia) oder den Leuten ins Gesicht gestäubt (Perchta). Das erinnert an Bräuche um die Fruchtbarkeitsgöttin und Erdenmutter Demeter, die meist mit Ähren, Getreidesträußen oder Garben dargestellt wird. In dieselbe Richtung weist der Brauch, den „Luzienweizen" am 13. Dezember in flache Tonschalen zu säen, die dann als „Weihnachtfelder" in die Krippenlandschaft der Weihnachtszeit mit einbezogen werden.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: