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01/03/2016 10:08 CET | Aktualisiert 02/03/2017 06:12 CET

"Die Dreieinige Göttin", 29. Blog

1994 veröffentlichte der Autor Manfred Kurt Ehmer das Buch „Göttin Erde". In seinen populärwissenschaftlichen Schriften verwendete er erstmals den Ausdruck „Große Mutter" für eine kulturübergreifende Interpretation im Sinne einer „ökospirituellen" neureligiösen Auslegung, die die Erde als Verkörperung der Magna Mater oder als Mutter Erde auffasst. Der Autor bezeichnete als Schwerpunkt seiner Aktivität Ökoreligion/Ökospiritualität.

Nach der Interpretation von Manfred Kurt Ehmer förderte der von der Landwirtschaft vorgegebene Lebensrhythmus im Neolithikum die Vorstellung von der Erde als autarkem Wesen, dessen Kräfte sich im Werden von Flora, Fauna und Mensch zeigen, und das als Große Mutter (Magna Mater) oder Urmutter allen Seins verehrt wurde. Hieraus soll sich laut Ehmer infolge einer Übertragung dieser fruchtbringenden Eigenschaften auf das Weibliche der Kult einer Magna Mater entwickelt haben.

Diese Interpretation verbindet er in Europa auch mit der Megalithkultur auf Malta zwischen 4500 und 1500 v. Chr., deren steinerne Bauwerke als Tempel der Großen Göttin gedeutet werden. In den megalithischen Tempelanlagen von Tarxien,Ħaġar Qim und im Hypogäum von Ħal-Saflieni wurden androgyne und weibliche Statuetten, darunter die Venus von Malta, die Sleeping Lady und die fat lady gefunden. Ehmer interpretiert sie als kleine Darstellungen der Muttergottheit. Auf die Magna Mater (Méter megále „große Mutter") sollen auch sämtliche Erdgöttinnen der Alten Ägäis wie zum Beispiel Rhea, Gaia, Demeter und Persephone zurückgehen.

Hier noch eine Besonderheit: Frau Holle einmal nicht als „Schneefrau" oder „Schneekönigin", sondern als „Regenfrau". Wieder verrät sie ihre Tätigkeit, das Spinnen.

Die Regenfrau spinnt

Hu, im dicken Wolkengrau

hockt die trübe Regenfrau,

und ihr Rädchen schnurrt und schnirrt,

und ihr Fädchen plärrt und plirrt.

Schnurre murre,

surre surre.

Schnurre murre,

surre surre.

Immer schriller flirrt das Rädchen,

und der Wind zerreißt die Fädchen.

Klirre schwirre,

sirre sirre.

Klirre schwirre,

sirre sirre.

Hu, wie's graue Schleier spinnt!

Wie's auf alle Bäume rinnt!

Über Dach und Weg und Gras,

brrr, die Welt wird klitschenass.

(Walter Robert)

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