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03/02/2016 14:24 CET | Aktualisiert 03/02/2017 06:12 CET

"Die Dreieinige Göttin", 25. Blog

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Es mag überraschen: aber die Dreieinigkeit ist keine christliche Errungenschaft oder Erfindung, nein, sie ist ein Plagiat. Sie wurde, wie so vieles, von einer früheren Kultur übernommen. Die Schattenseite dieses Raubes ist, dass die Trinitas im Christentum künstlich, ausgedacht und konstruiert wirkt, während sie im Zusammenhang mit der Großen Mutter, woher sie ursprünglich stammt, harmonisch und natürlich erscheint und im Einklang mit der Wirklichkeit steht: Wie die Göttin, so kommt auch die Menschenfrau in drei Erscheinungsformen vor:

Als Mädchen oder Jungfrau, als reife Frau oder Mutter, als Alte oder Ahnin.

Bei der Göttin haben diese drei Aspekte die folgenden Namen:

Die Braut oder Jägerin, auch die Weiße Göttin genannt;

die Herrin oder Mutter, auch die Rote Göttin genannt;

die Alte oder Ahnin, auch die Schwarze Göttin genannt.

Sie alle zusammen sind die Große Mutter (Magna Mater).

Bevor das Christentum sich aber aus der Schatztruhe der Vergangenheit bedienen konnte und Festeszeiten, Rituale und Bräuche von Vorgänger- Kulturen mehr oder weniger verändert übernahm, taten solches auch schon diese Vorgänger selbst. Beschränken wir uns dabei auf die vorausgehende germanische Kultur: Obzwar diese ihre eigene Vorläuferin, die Kultur der Großen Mutter, ablehnte, übernahm sie von ihr viele Details, manche unverändert, andere schon etwas der eigenen Kultur angepasst.

Wir finden also lange vor der Zeitenwende göttliche Dreieinigkeiten, und das nicht allein bei den indogermanischen Völkern, die der Kultur der Großen Mutter ab etwa 2.000 v. Chr. folgten:

► Im Germanischen bei den Brüdern Odhin, Wili und We, die später zu Odhin verschmolzen. ► Im Griechischen bei der Göttin Demeter, die in Dodona sogar „Die Drei", andernorts „Die Mutter" hieß und ebenfalls in drei Aspekten auftrat: Als Persephone oder Kore, das Mädchen, die Jungfrau oder Braut. Als Hekate, die Alte oder Großmutter. Und in eigener Gestalt, als Persephones Mutter.

► Im Indischen begegnet uns die Trimurti (Dreieinigkeit) von Brahma, Vishnu und Shiva.

► Im Keltischen finden sich gleich mehrere Dreieinigkeiten, am bekanntesten wohl die der Kriegs- und Rachegöttin Morrígan.

Die dritte nachatlantische Kulturperiode (etwa 3000-1000 v. Chr.) mit den Hochkulturen Ägypten und Zweistromland kannte ebenfalls etliche Dreieinigkeiten:

► Ägypten: Amun, Re und Ptah.

► Babylonien: Nimrod, Semiramis und Tammuz.

► Sumer: Nanna- Sin (Mond), Utru (Sonne) und Innana (Venus).

Die Dreieinigkeit der Großen Mutter war also nicht ausgedacht oder gedanklich konstruiert, wie das beim Christentum der Fall ist, sondern sie konnte am Leben direkt abgelesen werden: am Menschen (Kopf, Leib, Glieder; oder: Körper, Seele, Geist; oder: Mädchen, Frau, Greisin), an den Naturreichen (Tier, Pflanze, Stein); am Raum (Höhe, Breite, Tiefe), an der Zeit (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft), an den tragenden Säulen des Menschenlebens (Geburt, Leben/Lieben, Tod), an den drei elementaren „Gezeiten" des Menschenlebens (Tag und Nacht, Sommer- und Winterhalbjahr, Leben und Tod).

Die Göttin bewirkte die Menstruation bei den Frauen und die Gezeiten des Meeres; sie gebot über die Fruchtbarkeit der Erde, des Menschen und der Naturreiche. Sie war Liebes-, Fruchtbarkeits- und Todesgöttin zugleich. Und sie spann und verwob die drei „Götter-Fäden": den Gedankenfaden, den Lebensfaden und den Schicksalsfaden. Jahrtausende später, unter neuen Namen wie Frau Holle oder Frau Perchta, wurde sie noch immer mit Spinnrad oder Spindel dargestellt. Ihre drei Aspekte traten je nach Tages- oder Jahreszeit und Schicksalssituation stärker oder weniger stark hervor.

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