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20/01/2016 13:42 CET | Aktualisiert 20/01/2017 06:12 CET

"Die Dreieinige Göttin", 13. bzw. 23. Teil

Statt des nächsten Teils von „Die Weihnacht", der im Dezember 2017 folgen wird, geht es jetzt hier erst einmal weiter mit der Fortsetzung aus dem Buche „Die Dreieinige Göttin" (veröffentlicht im Verlag „tredition") mit dem 23. Teil.

Der vorige Beitrag (13) zu diesem Buch war am 12.10.2015 erschienen. Eingeleitet werden soll die neue Serie mit einer Charakteristik der Großen Mutter, so dass die Serie nahtlos auch an die Kapitel von „Die Weihnacht" anschließt und zugleich in die neue Thematik einführt.

Wenden wir uns dem Thema der „Großen Mutter" zu, so befinden wir uns sofort und unerwartet in einem Kulturkampf, der unbemerkt, aber heftig um das Thema der Magna Mater ausgefochten wurde und wird.

Wir platzen gewissermaßen in eine Auseinandersetzung hinein, welche einerseits die Wurzeln unserer Existenz betrifft, andrerseits aber auch mit den Themen „Feminismus", „Patriarchatsforschung", „Vorgeschichte", „Fundbewertung archäologischer Schätze" und weiteren zu tun hat. Versuchen wir zu sortieren:

1.) Es gab und gibt Forscher, welche allen Ernstes die Existenz einer Gottheit wie der Großen Mutter leugnen oder anzweifeln.

2.) Ein Teil der mit dem Thema befassten Forscher gesteht der Großen Mutter eine Existenz in der Mittleren Steinzeit zu, etwa zwischen 10.000 und 2.000 v. u. Z. (vor unserer Zeitrechnung). Um 2.000 v. u. Z. begann ja dann die indogermanische Völkerwanderung der ausschließlich patriarchal orientierten Völkerschaften.

3.) Seit einigen Jahren weisen wieder andere Forscher darauf hin, dass die figürlichen Darstellungen von Frauengestalten im Stile der Figurinen der Großen Mutter bis um 600.000 v. u. Z. zurückdatiert werden können. Warum sollen also nicht auch sie Darstellungen der Urmutter sein? Damit würde aber auch die Zeit der Großen Mutter weiter als bis 10.000 v. u. Z. zurückreichen.

An die schon wissenschaftlich heiklen Fragen hängen sich sodann Vertreter der verschiedensten weltanschaulichen und wissenschaftlichen Richtungen, die eine bestimmte Weltsicht, Matrifokalität oder Patriarchat, meinen vertreten zu müssen. Ethnosoziologie, Kulturanthropologie, Soziobiologie, Ethologie und andere wetteifern um die Deutungshoheit über die ferne Vergangenheit.

Trotz der zahlreichen weit gestreuten Funde und den überzeugenden Arbeiten vieler Magna- Mater- Forscherinnen und -forscher wird heute in manchen tonangebenden Fachkreisen eine Urmutter- Religion noch immer für unwahrscheinlich gehalten, „weil es fragwürdig und kaum wissenschaftlich erscheine, von einer ungebrochenen Kontinuität im religiösen Bereich über mehrere tausend Jahre auszugehen." (Diese Kritik wurde erstmals 1962 von Peter Ucko geäußert in: The Interpretation of Anthropomorpic Figurines. In: Journal of the Anthropological Institute of Great Britain and Ireland).

Doch kommen wir um die Tatsache, dass wir in fast allen indogermanischen Kulturen Hinweise auf eine vor- indogermanische Urmutter- Göttin finden, nun einmal nicht herum. So stoßen wir z. B. in Griechenland auf Ge oder Gaia, die Erde: Sie ist die Urmutter aller anderen Götter.

Viele Forscher behaupten, dass der Ursprung ihrer Verehrung bereits in die Epoche zurückfalle, in welcher die Griechen noch mit den übrigen indoeuropäischen Völkern eine Einheit bildeten; bei der Mehrzahl dieser Völker findet sich eine ihr wesensverwandte Göttin. Gaias Töchter Rhea und Demeter nehmen in bestimmten Regionen und Zeiträumen ebenfalls eine solche Urmutter- Stellung ein.

Für die Vertreter ausgeprägt patriarchalen Denkens ist die Vorstellung einer nicht- patriarchalen oder gar mütter- zentrierten (matrifokalen) Gesellschaft unerträglich. Und doch gab es sie. Ja, noch schlimmer: es gibt sie immer noch, allerdings nur bei wenigen Völkern der Erde!

Im nächsten Blog soll diese „Große Mutter" nun charakterisiert werden. Eine ausführlichere Beschreibung der Gottheit findet sich in meinem Buch „Die Dreieinige Göttin - Streifzüge durch eine etwas andere Kultur", das 2015 im Verlag „tredition" erschien.

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