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15/09/2015 14:01 CEST | Aktualisiert 15/09/2016 07:12 CEST

Die Dreieinige Göttin, 10. Teil

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Auffallend oft tritt uns die metamorphosierte Nachfolge- Göttin der Großen Mutter in christlicher Zeit entgegen: In Märchen, Sagen, Liedern, Gedichten, Auszählversen und anderen Bereichen, die mit Kindern zu tun haben, seltener in Volksbräuchen, die von der katholischen Kirche stets misstrauisch beäugt wurden.

Da fallen nun immer öfter die Namen „Frau Holle, die Holde Frau, Frau Berchta, Perchta oder Bertha, Frau Frigg oder Frau Gode", letztere beiden oft im Zusammenhang mit dem „Wilden Heer", das am Jahresende im Sturm über die Lande braust und Überlebtes, Altes, Totes knickt, bricht und herabreißt, um neuem Leben den Weg freizumachen.

Zahllose Sprüche und Kinderliedchen flossen in die Volkskultur mit ein und behaupteten darin ihren Platz bis vor die Zeit der beiden Weltkriege und sogar darüber hinaus. Neben den Schnee- und Eisliedern und -gedichten über Frau Holle gibt es auch etliche Sprüche, die mit Wasser oder mit dem Regen zu tun haben:

Die Regenfrau spinnt

Hu, im dicken Wolkengrau

Hockt die trübe Regenfrau,

und ihr Rädchen schnurrt und schnirrt,

und ihr Fädchen plärrt und plirrt.

Schnurre murre,

surre surre.

Schnurre murre,

surre surre.

Immer schriller flirrt das Rädchen,

und der Wind zerreißt die Fädchen.

Klirre schwirre,

sirre sirre.

Klirre schwirre,

sirre sirre.

Hu, wie's graue Schleier spinnt!

Wie's auf alle Bäume rinnt!

Über Dach und Weg und Gras,

brrr, die Welt wird klitschenass.

(Walter Robert)

Und immer wieder finden wir Lieder, Gedichte und Auszählverse über die drei Bethen, Baiten oder Berchten oder auch über „die drei Jungfrauen", die sofort an die Bethen erinnern und ihres Spinnens und Kinderwiegens wegen auf Frau Holle / Frau Perchta deuten. So tanzten noch im 19. Jahrhundert Jungen und Mädchen nachts in der Nähe des „Hollelochs" bei Schlitz (Vogelsbergkreis) ihre Reigen und sangen folgendes Lied, von dem nur noch die erste Strophe erhalten ist:

Mimameide - steht auf der Heide -

Hat ein grün's Röcklein an.

Sitzen drei schöne Jungfern daran.

Die eine schaut nach vorne,

die andre in den Wind.

Das Weibsbild an dem Borne

hat viele, viele Kind.

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