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04/03/2015 06:57 CET | Aktualisiert 04/05/2015 07:12 CEST

Wie ISIS Hochzeit als Köder und Falle benutzt

Twitter

Im Herbst hat der Islamische Staat (ISIS) seine Social-Media-Kampagne - vor alle in Englisch und Französisch - nochmal hochgefahren, um junge Frauen und Jugendliche aus dem Westen als Ehefrauen anzulocken. Das Anwerben und Verkuppeln wird meist von Frauen organisiert, die im Gebiet des Islamischen Staates wohnen.

Was viele Leute nicht bedenken, ist, dass Männer in den meisten arabischen Ländern vor der Ehe keinen Zugang zu Frauen haben. Meist gibt es keine Dates, keinen Sex vor der Ehe und kein harmloses Anbandeln. Aber die Ehe bleibt ein kostspieliges Unterfangen, und viele Männer heiraten nicht oder können nicht heiraten, bis sie über 30 sind.

Tatsächlich bleiben mehr als 50 Prozent der Männer zwischen 25 und 29 Jahren wegen der hohen Kosten unverheiratet. Das hat zu allerlei Überbrückungsmaßnahmen geführt, die Forscher irritieren, die Gender und Sexualität untersuchen. Es scheint auch dazu geführt zu haben, dass mehr Männer gleichgeschlechtliche Sexpraktiken anwenden.

Ein Weg sicherzustellen, dass Kämpfer nicht abhauen, ist Anker zu schaffen, die sie zum Bleiben bewegen: ein Job, ein Haus, eine Frau und ein Kind.

ISIS hat sich als die perfekte Lösung für die sogenannte „Heiratskrise" hervorgetan. Männliche Kämpfer aus dem Ausland, die erwägen, sich ISIS anzuschließen, bekommen nicht nur ein Gehalt versprochen, sondern auch eine Fraue - und vielleicht sogar mehr als eine.

Das hilft viel bei der Erklärung, warum so viele Männer aus der Region zu ISIS strömen. Während die Meiden sich auf jene konzentrieren, die Nordamerika und Europa verlassen, kommt die

riesige Mehrheit der ausländischen Kämpfer aus der Region.

ISIS ist eine attraktive Option für Männer, die arbeitslos oder unterbeschäftigt und hochmotiviert sind, eine Frau zu finden. Die Gruppe wird die Frauen auch klassifizieren, sie betrachtet die Ausländerinnen und Konvertitinnen als besonders wertvoll. And sie wird die wertvollsten Rekruten mit diesen Frauen belohnen. Darüber hinaus hat ISIS Hunderte jesidische und schiitische Sex-Sklavinnen.

Aber ISIS sorgt sich wegen Truppenverlusten und Deserteuren. Ein Weg sicherzustellen, dass Kämpfer nicht abhauen, ist Anker zu schaffen, die sie zum Bleiben bewegen: einen Job, ein Haus, eine Frau und ein Kind. ISIS hat ein Bezahlungssystem eingeführt, nachdem man für jedes Kind Gehalt bekommt, das man im Islamischen Staat hat.

Weiblichen Rekruten wird ein wundervoller Ehemann und ein top ausgestattetes, kostenloses Haus versprochen, etwa mit Kühlschrank, Mikrowelle und sogar einer Milchshake-Maschine.

In der Rekrutierung von Frauen benutzen Frauen wie Umm Layth (Aqsa Mahmood) Twitter-Accounts, die nur dazu dienen, Dschihadisten zu verkuppeln. Sie versprechen den Mädchen ein wunderbares Leben und dass man sich um all ihre Bedürfnisse kümmern werde. Ihnen wird ein wundervoller Ehemann und ein top ausgestattetes, kostenloses Haus versprochen, etwa mit Kühlschrank, Mikrowelle und sogar einer Milchshake-Maschine. Das wichtigste ist, ihnen zu erählen, dass sich ihr Ehemann um sie kümmern wird und dass sie im Fall seines Todes sofort eine Heldin würde - die Frau eines Märtyrers. ISIS hat Berichten nach sogar ein Heiratsbüro in Rakka in Syrien eingerichtet, wo potenzielle Eheleute registriert werden.

Die weiblichen Anwerber haben Erfahrung darin, den Mädchen den Argwohn zu nehmen und sie zu beruhigen. Mit Hilfe einer Serie von Online-Interaktionen werden sie ein harmonisches Verhältnis herstellen, Vertrauen aufbauen und eine Atmosphäre schaffen, die auf Verschwiegenheit und Ausschluss anderer Freunde und Familienmitglieder setzt.

Frauen und sehr junge Mädchen verschwanden überall in Europa, Nordamerika und Australien, weil sie dem Sirenengesang von Frauen wie Umm Ubaydah und Umm Haritha gefolgt sind. Erst kürzlich wurde eine 23-Jährige aus Edmonton in Kanada online von einer Frau angeworben, als sie versuchte, einen Kurs über den Koran zu belegen. Stattdessen lernte die Schwester der jungen Frau,

so erzählt sie es jedenfalls, wie sie nach Rakka gelangen könnte.

ISIS zahlt seine Mitglieder für jedes Kind, das sie haben, so entsteht eine neue, einer Gehirnwäsche unterzogene Generation, die den Fortbestand der Gruppe sichert, selbst wenn Männer in der Schlacht getötet werden.

Der Unterschied zwischen dem, wie sich die Frauen ihr künftiges Leben vorstellen und wie es tatsächlich sein wird, wird am besten von einem kürzlich veröffentlichten Report mit dem Titel

""Mulan werden"" (eine Anspielung auf die burschikose weibliche Disney-Figur) vom Institute for Strategic Dialogue illustriert.

Der Report hat seinen Namen von einem Tweet, den Umm Ubaydah im Oktober 2014 absetzte. „Ich frage mich, wie ich mich in eine Mulan verwandeln und das Schlachtfeld betreten kann", twitterte sie. Sowohl Umm Ubaydah als auch Umm Layth posteten ihren Wunsch, Märtyerer zu sein oder aktiv am Kampf teilnzunehmen. Aber diese Option haben Frauen nicht, wenn sie dem Islamischen Staat beitreten.

Im Januar 2015 hat ISIS einen Leitfaden für Frauen im Islamischen Staat veröffentlicht. Das

Dokument war für Frauen gedacht, die in den Golfstaaten wohnen, vor allem in Saudi-Arabien. Während das Dokument erläuterte, dass Frauen bei ISIS mehr gebraucht würden als in ihrer Heimat, macht es klar, dass die Rolle der Frauen auf den Haushalt beschränkt sein würde: auf Putzen, Kochen und Kindererziehung.

ISIS-Ehefrauen werden ermutigt, schnell schwanger zu werden und viele Kinder zu haben. Das dient einerseits als Anker für die Männer und andererseits dem Wachstum des Islamischen Staates. Babys und Kinder stellen sicher, dass es eine neue Generation geben wird, die man trainieren und einer Gehirnwäsche unterziehen kann und die den Fortbestand der Gruppe sicherstellt, selbst wenn die Männer im Kampf getötet werden.

Auf diese jungen Mädchen wird Jagd gemacht und sie sollten zu ihren Familien zurückkehren dürfen, statt kriminalisiert zu werden.

Zu verstehen, wie ISIS Frauen benutzt, wird sehr dabei helfen, Gegenmaßnahmen zu entwickeln, die Teenager davon abhalten, ihr Zuhause zu verlassen, um in die Türkei und nach Syrien zu gehen. Zu wissen, was sie erwartet und was ISIS nur auf arabisch kommuniziert und Frauen aus dem Westen nicht verrät, könnte die Mädchen bremsen oder erste Zweifel säen, die sie entmutigen, abzureisen.

Zu verstehen, dass man auf junge Mädchen Jagd macht, könnte kreativere Wege eröffnen, einigen von ihnen die Rückkehr zu erlauben, wenn sie es schaffen - statt sie zu kriminalisieren und ihnen zu verbieten, wieder zu ihren Familien zurückzukehren.

Wir haben ein paar solcher Erfolge gesehen. Zum Beispiel wurden drei Mädchen auf dem Weg von Denver nach Syrien auf dem Frankfurter Flughafen gefunden und gestoppt.

Aber diese Geschichte hatte nur deswegen ein glückliches Ende, weil sich die Familien ans FBI gewandt hatten, als ihre Kinder verschwanden, und das FBI sie im Gegenzug nicht zu Verdächtigen machte. Die Mädchen kamen nach Denver zurück, unversehrt und ohne Anklage. Die Mädchen davon abzuhalten, loszuziehen, hat erste Priorität. Aber sie sie sicher wieder zurückzuholen, sollte die zweite sein.

Dieser Blog erschien ursprünglich auf "The World Post" und wurde von Susanne Klaiber aus dem Englischen übersetzt.

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