BLOG
16/09/2015 11:30 CEST | Aktualisiert 16/09/2016 07:12 CEST

Der Mythos um Doug Aitken

Merve Kadayifci

Seit Wochen dreht sich die Kunstwelt in Frankfurt um Doug Aitken, den internationalen Starkünstler und Publikumsliebling.

Im Café der Kunsthalle Schirn gab es einen artist talk mit ihm und just am nächsten Tag fand die Deutschlandpremiere seines Films Station to Station statt, bei dem er auch anwesend war. Und vor wenigen Tagen erst gab es die Schirn At Night in der Doug Aitken Ausstellung.

Bei Deutschlandradio Kultur las ich, dass Doug Aitken bei MTV gearbeitet hat. Das ist interessant und schon brannten mir zahlreiche Fragen auf der Seele:

"Was hat Doug Aitken die Zeit bei MTV gebracht? Hat er dort etwas gelernt oder hat es einfach nur Spaß gemacht? Wie kommt man an einen Job bei MTV?". Ich schaffte es, nach der Filmpremiere seines Films Station to Station, einige Worte mit ihm zu wechseln. Gar kein so leichtes Unterfangen, wenn man bedenkt wie viele Fans ihn umzingelt haben. Auf erste Frage, ob er bei MTV gearbeitet habe, antwortete er mit Nachdruck:

"I actually never worked at MTV."

2015-09-15-1442327164-1148350-Schirn_Presse_Portrait_Doug_cLaif.jpg

Das kam unerwartet und etwas enttäuschend. Aber es verlieh dem Künstler eine geheimnisvolle Aura.

Gerade jetzt wurde es interessant zu erfahren, ob er da tatsächlich gearbeitet hat oder nicht. Und wenn ja, warum streitet er es dann ab? Lügt etwa das Deutschlandradio? Lassen die Kollegen beim Deutschlandradio ihrer Kreativität freien Lauf, um mehr Klicks zu generieren? Sind sie von einer seltenen Krankheit namens Klickeritis befallen die Klicksüchtig macht?

Das ist selbstverständlich ausgeschlossen.

Das Deutschlandradio steht für objektiven Journalismus und beschäftigt Mitarbeiter, die sich nicht scheuen Dinge zu sagen und zu schreiben, die ungemütlich sein können. So sollte Journalismus auch sein. Also muss etwas in der Antwort von Aitken liegen.

Wir haben weiter recherchiert und das sagt ein Insider:

"Ja, Doug Aitken hat bei MTV gearbeitet. Er distanziert sich aber mittlerweile davon und möchte nicht, dass es in seinen Biographien auftaucht. "

Was macht dieses Wissen nun mit uns? Denken wir, dass seine Kunst ein Abklatsch von MTV-Musikvideos ist? Darf ein Künstler nicht aus der Fernsehwelt kommen? Oder aus der Modefotografie wie David LaChapelle? Behindert uns diese Information Aitken's Werke als eigenständige Objekte zu sehen? Sie nicht entsprechend zu würdigen?

Vielleicht hatte Doug Aitken solche oder ähnliche Sorgen, als er sagte, dass er nicht bei MTV gearbeitet hat. Vielleicht ist dies seine Art, sich von etwas in der Vergangenheit zu distanzieren. Wichtig ist es, sich auf das Werk eines Künstlers einzulassen und es jenseits der Biographie zu betrachten. Oder wie denkt ihr darüber?

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite