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12/10/2015 07:13 CEST | Aktualisiert 12/10/2016 07:12 CEST

Wir brauchen Einwanderung - gezielt oder ungezielt ist hier ein Luxusproblem

Thinkstock

Dass Potenziale in Deutschland weder richtig erkannt, noch richtig gefördert werden, ist uns bereits aus der Bildungsdebatte bezüglich der Bildungsungerechtigkeit in Deutschland bekannt.

Machen wir etwa denselben Fehler mit den Flüchtlingen und fördern eine Krise viel eher, anstatt ein Problem zu lösen, indem wir ihre Potenziale nicht rechtzeitig erkennen und sie gar nach Hause schicken ohne sie gesehen zu haben?

Es geht wohlgemerkt um die Gruppe der sogenannten (Unwort des Jahres!) „Wirtschafts- und Umweltflüchtlinge". Den Menschen, die besondere Fähigkeiten haben oder bereits eine stabile Grundausbildung haben, möchte man im Rahmen einer gezielten Einwanderung behalten.

Wirtschaftsflüchtlinge loswerden

Alles andere, was uns, unserem Wohlstand und unserer Wirtschaft in kurzer Zeit nichts nutzt und auch auf lange Sicht unserem Land keinen Input bietet, will man loswerden. Für diejenigen, in deren Ohren und Herzen das nun weh tut: besser einen Teil behalten als alle abschieben! So beruhigen wir unser Gewissen und rechtfertigen unsere Selektion. Wir können schließlich nicht allen helfen!

Die Koppelung einer gezielten Einwanderung und nachhaltigen Entwicklungszusammenarbeit scheint auf den ersten Blick eine gute Lösung zu sein, nämlich das Urproblem der Auswanderung - die Armut- zu bekämpfen.

Wir können nicht Ländern wie Eritrea, Nigeria oder Indien die besten Talente wegnehmen, ihre Entwicklungsmöglichkeiten somit vom vierten in den zweiten Gang schalten und ihnen dann sagen, jetzt holt uns ein. Das ist wie, wenn der FC Barcelona und Chelsea und andere Champions League Teams den restlichen Clubs die besten Spieler weg kauft und ihnen dann sagt: „Nun entwickelt Euch mal, dann schafft ihr es auch irgendwann in die Königsklasse."

Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit

Nein, wir brauchen eine nachhaltige multilaterale Entwicklungszusammenarbeit die gekoppelt ist mit unserer gezielten Einwanderung. Wenn wir beispielsweise 500 IT Spezialisten aus Indien abwerben, müssen wir doch gleichzeitig mindestens im gleichen Maße „Capacity Building" betreiben.

Eigentlich müssten wir einen derartigen Wissens- und Informationsaustausch haben, sodass wir aus 500 abgeworbenen Talenten, im Entwicklungslands die doppelte Anzahl an Nachwuchskräften ausgebildet werden. Denn unser Ziel sollte es sein, dass andere Staaten mittelfristig mit uns auf Augenhöhe stehen. Alles andere wäre post-koloniale Ausbeutung.

Aber auch hier stellt sich die Frage, was wir mit der „verlorenen Generation" machen, die sich ähnlich wie im Wiederaufbauprozess von Kriegsgebieten, mitten im Aufbauprozess befindet und hiervon auf keine Weise profitieren kann.

Generation der Perspektivlosigkeit

Die verlorene Generation nennt man nicht umsonst so, da sie sich mitten in einer Perspektivlosigkeit befindet und somit als einzigen Ausweg die Auswanderung sieht.

Einer der bekanntesten Philosophen der deutschen Sprechgesangskunst King Kool Savas hat in einem seiner lyrischen Werke treffend gesagt: „Es ist wie wählen zwischen Krebs und AIDS!". Und diese metaphorische Darstellung passt perfekt auf die Ausgangslage der Debatten um eine gezielte Einwanderung einerseits und um die nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit andererseits.

Scheinbar müssen wir irgendjemanden im Stich lassen, aber definitiv nicht die zukünftigen Generationen. Wir brauchen Einwanderung - gezielt oder ungezielt ist hier ein Luxusproblem, denn wir altern! Und zwar schneller als wir denken!

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