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01/02/2017 04:45 CET | Aktualisiert 02/02/2018 06:12 CET

Wenn wir mit Kopftuch keine Krankenschwestern sein dürfen, werden wir eben Ärztinnen

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Sie sind laut, sie sprechen in eine andere Sprache, haben viele Kinder, aus irgendeinem Grund heißen sie alle „Anne" und man erkennt sie am Kopftuch: Musliminnen, Muslimas, muslimische Frauen, oder Mohamedanerinnen (man will ja auch als Fremdenhasser auf das Binnen i nicht vergessen. Nur weil man gegen einer bestimmten Gruppe von Frauen ist, heißt das ja noch lange nicht, dass man auf seine Manieren vergisst).

Wenn man einer dieser genannten Frauen dann begegnet, dann tauchen folgende Fragen auf: Wieso tun diese Frauen nichts?

Nichts für ihre Bildung, nichts für die Integration, nichts für ihre Kinder (also Verhütung) und generell nichts für die Gesellschaft?

Sie kommen her, sind für ihren Haushalt zuständig, dauerschwanger und haben dann auch noch die Frechheit mit voller Selbstsicherheit durch unsere Straßen zu laufen, laut zu lachen und labern etwas daher, das keiner versteht.

Religionen sind alle gewalttätig, werdet lieber vegan

Wenn ich das Wort „Kopftuch" lese, oder höre, dann verdrehen sich meine Augen schon ganz automatisch und das, obwohl ich eines trage!

Es ist ganz egal wie oft oder mit wem die Idee des Kopftuches von einer Kopftuchtragenden erklärt wird, es wird immer Menschen geben, die folgende Kommentare von sich geben: „Das ist Frauenunterdrückung", „Die sind verklemmt", „Die integrieren sich nicht", „Die sind hässlich", „ Religionen sind alle gewalttätig, werdet lieber vegan", „Wieso gehen die nicht nach Saudi Arabien, wo die das tragen können", und viele viele viele mehr.

Diese Kommentare kommen von Leuten, die folgendes nicht wissen, oder nicht wissen wollen:

Diese Frau Anne, die wahrscheinlich einmal die Woche deine Wohnung putzt, oder an der Kasse im Supermarkt steht und in gebrochenem Deutsch versucht mit dir zu kommunizieren, tut das für ihre Töchter, die heutzutage Anwältinnen, Ärztinnen, Krankenschwestern, Lehrerinnen, Ingenieurinnen und weltberühmte Athletinnen sind. Überrascht?!

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Wer hat auch damit gerechnet, dass Annes Töchter eines Tages auf Augenhöhe mit Stefanie und Co. stehen würden? Keiner, nicht einmal Anne selbst.

Annes Töchter sind nicht nur Damen, die ein Kopftuch tragen, oder etwa Musliminnen, nein, Annes Töchter sind sind auch alle Draganas und Sladjanas, alle Aminatas und Ashantis, alle Arnelas und Elmas, alle Adilas und Ansas und auch alle Stephanis und Claudias, die sich für das Gute im Menschen einsetzen und so viele viele Frauen mehr!

Diese Frauen sind Menschen, die Träume und Ziele haben und sich am Arbeitsplatz doppelt beweisen müssen, denn unterläuft ihnen auch nur ein kleiner Fehler, dann war das kein Versehen, sondern , „weil sie Ausländerkinder sind".

Wir sind keine Opfer

Nein, sie sind keine Opfer, oder hilflose Frauen, die um ihre Situation trauern, sondern Frauen, die in einer Gesellschaft hineingeboren wurden, die sie ihre Hautfarbe, zweite Sprache, Glauben und Geschlecht, einfach alles in Frage stellt.

Kommt jetzt ein Besserwisser her und meint „Dann sollen sie bitte wieder dorthin, wo sie hergekommen sind, wenn es ihnen bei uns sooo schlecht geht". Nun ja, Herr/ Frau Besserwisser, das sind sie schon.

Sie sind schon genau dort, wo sie hergekommen sind. Und obwohl es ignorante Menschen wie dich gibt, haben es diese Frauen trotzdem geschafft, einen Weg zu finden, diese Gesellschaft zu lieben, in und mit ihr zu wachsen und sie so zu repräsentieren, dass man stolz auf sie sein kann.

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Geh´ in diverse Krankenhäuser, zähle dort die Pflegerinnen und Ärztinnen muslimischen Glaubens und deiner Meinung nach „fremder" Herkunft, dann geh´in Bildungsinstitute und zähle sie dort, danach, zähle sie in den olympischen Spielen und wenn du dann noch weiter zählen kannst, dann zähle sie weltweit.

Wir sind viele und wir werden mehr und noch besser: Nichts wird uns aufhalten. Das Erwachsenwerden in einer Gesellschaft, die dich für jeden Fehler, den du nicht begangen hast verurteilt und eine Distanzierung erwartet, macht dich willensstärker, fokussierter und bringt das Beste in dir heraus.

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Ein lebendes Beispiel ist eine meiner Freundinnen: Mit Kopftuch durfte sie keine Krankenschwester werden, heute ist sie Ärztin und hat ihr Kopftuch sehr wohl noch am Kopf.

Diese Worte richten sich an all jene, die ihr eigenes Leben so dermaßen hassen, dass sie diese negative Energie auf alles projizieren, dass ihnen fremd ist und deswegen ein Feind sein muss! Euer Hass ist unsere Liebe, Eure Wut unser Verständnis, euer Zweifel unsere Hoffnung und diese wird nicht aussterben.

Ein Stückchen Stoff spaltet die Gesellschaft

Nehmt diese Negativität, atmet sie aus und macht etwas Schönes daraus! Somit habt nicht nur ihr, sondern die ganze Welt etwas davon. Wenn ein Stückchen Stoff eine Gesellschaft spalten kann, dann muss es eine sehr brüchige Gesellschaft sein und DARAN sollten wir arbeiten, nicht an Kleidungsvorschriften von Frauen, die von Männern bestimmt werden.

Kommt ein Klugscheißer daher und meint "Aber der Islam schreibt euch ja auch vor dies und das zu tragen", dieser zwingt aber niemanden dazu. Es gibt genug praktizierende Musliminnen, die keines tragen.

Bist du nun für ein Kopftuchverbot, bist du dagegen, oder ist es dir egal, das spielt eigentlich nicht die große Rolle. Was sehr wohl die eine Rolle spielt ist, wie du zu dir selbst stehst. Denn wenn ein Mensch, der halbwegs mit sich selbst zufrieden ist, ein Unrecht mitbekommt, dann empfindet er etwas.

Auch dann, wenn ihn dieses Unrecht nicht direkt betrifft: Er spürt etwas. Warum? Weil Empathie bei Menschen so funktioniert. Empfindet dieser ein Siegesgefühl, oder erfreut sich über Unrecht gegenüber anderen, dann sollte er sich ernsthaft überlegen, was in seinem Leben schiefgelaufen ist.

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