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09/12/2016 11:33 CET | Aktualisiert 10/12/2017 06:12 CET

Ich verwöhne mein Kind und das ist auch gut so

Leren Lu via Getty Images

Alle Mütter haben Kinder, aber jede Mutter meistert diesen - knochenharten- Job anders. Im Prinzip ist das auch nicht schlimm, bis es aber Freundschaften auflöst. Ja, richtig gelesen.

Ich habe mich mit einigen Müttern über Konsum, Erziehung und Ernährung unterhalten und nicht nur die Meinungen gehen dabei auseinander, sondern manchmal auch Menschen.

Unterschiedliche Meinungen sind okay

"Mein Sohn bekommt alles was er will", sagt eine der Mütter und hat damit meine volle Aufmerksamkeit auf sie gelenkt. Sie erklärt wieso es so ist : "Ich stamme aus einer sehr armen Familie, ich hatte nichts als Kind. Mein Mann verdient dagegen aber nicht schlecht und ich möchte meinem Sohn (3 J.) nichts vorenthalten, was er haben kann.

Das klingt nach verwöhnen, ist es aber nicht. Ich habe heute als Erwachsene noch Minderwertigkeitskomplexe, weil ich immer nur gebrauchte Kleidung und Spielzeug als Kind bekommen habe.

So etwas prägt dich für immer und wer das nicht durchgemacht hat, der versteht es auch nicht. Und ich frag´ mich auch oft, wieso ich ihm etwas vorenthalten soll, wo ich es mir doch leisten kann? Das wäre doch unfair."

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Eine andere Mutter fügte hier hinzu:" das ist ganz und gar nicht unfair, sondern Erziehung. Man kann ihnen doch nicht alles was ihr Herz begehrt nachwerfen. Heute ist es vielleicht ein Spielzeug, das ich mir leisten kann, morgen aber schon ein Motorrad, das ich mir nicht so leicht leisten kann?!

Ich kaufe schon manchmal auch Gebrauchtes für meine Tochter (2 J.) und sie bekommt sicher nicht alles was sie will, denn so läuft das Leben nun einmal auch nicht. Sie soll nicht mit der Idee aufwachsen, dass sie alles bekommt, nur weil sie schreit, oder es eben in diesem Moment haben will", sagt sie und wirft der Mutter mit der ersten Aussage einen tadelnden Blick zu.

Und hier fällt es mir zum ersten Mal auf

Wieso tun wir Mütter das? Wieso werfen wir einander strafende Blicke zu, sind grob zueinander, nur, weil andere Mütter einiges eben anders machen als wir es gern hätten?

Es fängt schon mit der Geburt an:" Ich habe mein zweites Kind per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht und ich habe meine Entscheidung nicht bereut. Das erste Mal war vaginal und es dauerte drei Tage.

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Zwei Tage lang wurde versucht die Wehen einzuleiten und dann noch einmal über achtzehn Stunden Wehen bis einmal die Presswehen angefangen haben. Der Kaiserschnitt ist definitiv kein Entkommen von den Schmerzen, aber ich hatte mein Kind schneller im Arm. Für viele Mütter bin ich jetzt ´keine richtige Mutter´, aber wer einen Kaiserschnitt hinter sich hat, der weiß es eben besser."

Von Kaiserschnitt und Sandliebhabern...

Was kommt nach der Geburt? Stimmt! Das große Thema "Stillen". "Ich habe meinen Sohn schon gestillt, aber er hatte mit 4 Monaten schon zwei Zähne und hat mich immer gerne in den Nippel gebissen. Einmal war es so schlimm, dass ich geblutet habe.

Das klingt jetzt wahrscheinlich nicht arg, aber er hat dann immer dieselbe Stelle gebissen. Wieder und wieder. Danach gab es für ihn nur noch Pre-Nahrung und ich habe keine Gewissensbisse.

Bin ich deswegen eine schlechte Mutter?" Eine überzeugte Stillmutter antwortete hier:" Nein, eine schlechte Mutter bist du sicher nicht und du brauchst auch von niemandem eine Bestätigung, aber ich denke es hat auch mit der Situation zu tun.

Mein Sohn ist fast 10 Monate alt, hat noch keine Zähne, kratzt mich aber trotzdem liebend gern, wenn ich ihn gerade stille. ich hasse es, aber ich mag das Stillen an sich sehr gern. Ich fühle die Verbindung zwischen ihm und mir dann ganz besonders. Das ist unser `Knuddelmoment`." Alle nicken zustimmend.

Es hört dabei leider nicht auf, denn ab dem 6. Monat kommt auch noch die Beikost und da gingen auch schon Freundschaften kaputt, so eine Mutter:"

Ich bin überzeugte Schlemmerin, meine ehemalige beste Freundin dagegen ist sehr gesundheitsbewusst, was ihre Ernährung betrifft. Wir hatten miteinander keine Probleme diesbezüglich, aber als wir dann Mütter wurden, kommentierte sie ständig die Ernährung meiner Kinder.

Sie baut alles bei ihr am Feld an, was ihre Familie und sie essen. Ich kaufe auch einmal die Breigläschen und sage es ehrlich, dass ich nicht immer und alles selber koche, was meine Kinder bekommen.

Sie meinte ich würde es mir leicht machen und nicht auf die Gesundheit meiner Kinder achten. Ich sei eine Rabenmutter und verantwortlich, sollten meine Kinder einmal `fett und ungesund` sein, obwohl ich um einiges schlanker bin als sie. Sie hat mich damit sehr verletzt und ich habe den Kontakt abgebrochen, ohne etwas darauf zu sagen."

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Um die Stimmung aufzulockern werfe ich ein :"Meine Tochter isst vom Boden, da hätt´ deine Freundin keine Freude mit mir." Alle lachen. "Mein kleiner Mann isst Sand", sagt eine weitere Mama und zeigt uns ein Beweisfoto vom süßen Sandliebhaber.

Ich werfe einen Blick zu der Mutter, die mit ihrer Freundin keinen Kontakt mehr hat, merke, dass sie in Gedanken vertieft ist und nicht mit uns lacht. Schade, einfach nur schade, wenn eine Freundschaft in die Brüche geht, wenn das der Grund war.

"Bin ich deswegen eine schlechte Mutter?"

Ich habe mir diese Frage schon sooooooo oft gestellt und zwar mehrmals täglich. Bin ich eine schlechte Mutter, weil meine Tochter manchmal Schokolade darf? Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich ihr einmal etwas Gebrauchtes kaufe?

Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich das Stillen nicht so toll finde? Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich sie manchmal weinen lasse, da ich grad am Klo sitze und nicht zu ihr kann?

Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich die Zeit ohne sie auch genieße? Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich ihr etwas Teures gönne? Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich manchmal mein altes Leben vermisse?

Meine Tochter hat keinen teuren Kinderwagen, bin ich deswegen keine "Fashionista-Mama"? Und ist das schlimm, wenn ich keine "Fashionista-Mama" bin? Ist es schlimm, wenn ich nicht immer vorkoche, sie aus dem Gläschen füttere und es ihr sogar schmeckt?

Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich Hilfe zu Hause habe, weil ich es mir mit meinem Baby oft zu viel wird? Und vor allem: Wer entscheidet, ob ich eine schlechte Mutter bin?

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