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24/12/2016 06:20 CET | Aktualisiert 25/12/2017 06:12 CET

Vergesst an Weihnachten nicht die älteren Leute, aber auch nicht die schwer erkrankten Pflegefälle

Meinrad Riedo via Getty Images

Alle Jahre wieder kommt das Christkind am 24. Dezember. Und alle Jahre wieder ist es in den Medien, zu Recht, Thema, dass viele ältere Menschen Weihnachten alleine verbringen müssen. Wir alle erinnern uns sicherlich an die berührende EDEKA-Weihnachtswerbung vom letzten Jahr, in der ein älterer Herr es nur schafft, seine Familie zum Weihnachtsfest um sich zu haben, indem die Familie von seinem vermeintlichen Ableben informiert wird.

Dieses Jahr macht unter anderem der Weihnachtsspot des Flughafens Heathrow aus Großbritannien die Runde, in dem zu sehen ist, wie Oma- und Opa-Teddybär an Weihnachten per Flugzeug zu ihrer Familie reisen, was ein kleines Abenteuer ist.

Weihnachten als schwer erkrankter Mensch

Was allerdings fast nie in den Medien zu lesen ist, ist, wie schwer kranke Menschen, besonders auch junge Menschen, Weihnachten erleben. Und genau diesen Menschen möchte ich diesen Blog widmen. Ihr seid nicht vergessen und es gibt Menschen, die gerade an Heiligabend an Euch denken!

Da ich selber schwer an ME erkrankt bin, ein bettlägeriger Pflegefall durch ME (Myalgische Enzephalomyelitis, auch bekannt unter dem verharmlosenden Namen Chronisches Erschöpfungssyndrom) wurde, und selber kein wirkliches Weihnachten erleben kann, möchte ich auch einmal solche Situationen zum Thema machen.

Als bettlägeriger Pflegefall hat man um die Weihnachtszeit vielleicht eine Lichterkette im Zimmer, einen kleinen Tannenbaum oder auch weihnachtlichen Fensterschmuck. Allerdings ist nicht einmal das einigen Erkrankten möglich, weil sie im abgedunkelten Zimmer liegen müssen, da Lichter schon zu anstrengend sind. Unverträglichkeiten, die mit verschiedenen Erkrankungen einhergehen, sind der Grund, weswegen viele auch auf die leckeren Plätzchen, Schokolade und ein deftiges Weihnachtsessen verzichten müssen. Einige Erkrankte müssen künstlich ernährt werden, somit sind solche Köstlichkeiten auch nicht möglich.

Kleinigkeiten können Freude bereiten

Dieses Jahr habe ich, seit vielen Jahren, zum ersten Mal die Möglichkeit gehabt, in der Adventszeit an etwas weihnachtlichem Teilzunehmen. Die Buchautorin Petra Durst-Benning (Die Glasbläserin, Das Weihnachtsdorf) stellte auf ihrer Facebook-Seite in den letzten Wochen mehrere kleine Weihnachtsaufgaben, bei denen man auch etwas gewinnen konnte. Beispielsweise postete sie Bilder von einem herbstliches Kerzentablett und fragte, wie man dies zur Adventszeit umdekorieren könnte. Für mich war dies ein wirkliches Highlight, weil ich endlich mal in der Lage war, an etwas weihnachtlichem aktiv mitmachen zu können.

Weihnachten ist, neben dem Jahreswechsel und Geburtstag, der Tag, an dem man als junger Pflegefall am deutlichsten vor Augen hat, was man nicht hat, was aber für viele selbstverständlich ist. Gerade an solchen Tagen wünscht man sich noch mehr, sein altes Leben wieder zurück zu haben, oder eine eigene Familie gründen zu können, was sehr schmerzlich ist.

Wenn Heiligabend zum traurigsten Tag im Jahr wird

Während vielleicht die Eltern traurig im Wohnzimmer sitzen und Würstchen mit Kartoffelsalat essen, ist das schwer kranke, junge, erwachsene Kind gezwungen alleine im dunklen Zimmer zu liegen. Highlight an diesem Tag sind ein paar Minuten, die die Eltern bei ihrem Kind sitzen können, was aber eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes für die kommende Zeit auslösen wird, da selbst solch eine "Lappalie" zu anstrengend ist.

Es ist auch oft der Fall, dass ein junger Mensch schwer erkrank ist und allein lebt. Allein, weil er vielleicht keine Angehörigen hat oder die Angehörigen nicht verstehen, dass derjenige schwer krank sind.

Oft fällt im Umfeld, kurz vor dem 24., der Satz "Ich wünsche Dir trotzdem ein schönes Weihnachtsfest und hoffe, Du kannst schön feiern." Eigentlich ist genau dieser Satz der Grund, weswegen es mir ein Bedürfnis ist, diesen Blogbeitrag zu schreiben.

Liebe Mitmenschen, wenn man gesundheitlich in solch einem schlechten Stadium ist, dann hat man nicht trotzdem ein schönes Weihnachtsfest. Eine Krankheit macht keine Pause, nur weil Weihnachten ist oder man Geburtstag hat. Als Erkrankter sagt man zu solch einer Bemerkung in der Regel nichts, weil man sonst als schwierig oder undankbar angesehen wird.

Abschlussworte

Wenn Ihr, liebe Leser, einen schwer kranken Menschen kennt, der zu krank ist um ansatzweise etwas weihnachtliches zu erleben, dann verkneift Euch bitte den Satz "Ich wünsche Dir trotzdem schöne/frohe Weihnachten und feier schön." Ein "Ich denke an Heiligabend an Dich." hingegen ist für einen Menschen, der aufgrund einer schweren Krankheit am kämpfen ist, ein schöner Satz.

Allen Lesern dieses Blogbeitrages wünsche ich besinnliche Weihnachtstage sowie Gesundheit, Frieden und Nächstenliebe für das Jahr 2017.

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